Photo Mate R3: Mächtiger RAW-Entwickler für Android

Photo Mate R3
Wer native RAW-Dateien aus seiner Kamera direkt auf einem Android-Tablet bearbeiten möchte, kommt an Photo Mate R3 von TS Systems nicht vorbei. Anders als Snapseed oder Lightroom mobile versteht die App nicht nur den offenen Rohdaten-Standard DNG, sondern kann auch mit den proprietären Formaten der Kamerahersteller wie CRW, NEF, ARW, ORF und anderen umgehen. Dieses Alleinstellungsmerkmal schlägt sich im Preis nieder. Für Photo Mate R3 werden nach dreitägigem Gratis-Test 8,99 Euro per In-App-Kauf im Google Play Store fällig. Gelegenheits-Fotografen dürfte das abschrecken. Doch das Paket hat es in sich.

So umfangreich wie ein Desktop-Programm

Fotografen erhalten mit Photo Mate R3 den Leistungsumfang eines Desktop-Programms. Die Foto-App ist Betrachter, Editor und Verwalter in einem mit vielen gängigen Bearbeitungs- und Katalog-Funktionen. Neu in R3: Nutzer können jetzt auch ihre Bilder selektiv schärfen, Lichter und Schatten im Split-Tone-Verfahren einfärben und verschiedene Looks an virtuellen Kopien ausprobieren. Zudem lassen sich die Ergebnisse nun mit Wasserzeichen und in verschiedenen Auflösungen exportieren.

Das sind für ein mobiles Programm recht viele Optionen. Sinnvoll bedienen lässt sich die Oberfläche daher auch nur auf Tablets, obwohl Photo Mate R3 ebenfalls auf Smartphones läuft. Aber selbst auf einem 5,5 Zoll großem Handset sind die Schalter und Foto-Miniaturen zu dicht gedrängt. Hingegen auf einem 10 Zoll großen Flachrechner lassen sich die vielen Regler und Knöpfe mit mittelgroßen Fingern gut treffen.

Importiert und organisieren

Photo Mate R3
Photo Mate 3 startet in der Bibliotheksansicht und bietet dort Zugriff auf den internen Speicher, eingelegte MicroSD-Karten oder verbundene Netzwerk-Laufwerke. Besonderes Merkmal ist der direkte Import von einer separaten Kamera per USB-Kabel.

Ist bei der Kamera der MTP-Modus eingestellt, öffnet sich automatisch ein Import-Fenster. Alternativ wird der Prozess mit dem Button „Kamera-Import“ oben rechts manuell gestartet. Mit einer Olympus-Kamera verbunden, importierte Photo Mate R3 sieben Raw-Bilder im ORF-Format in handgestoppten zehn Sekunden auf ein Huawei MediaPad M2 10.0.

Wählt der Nutzer ein Bild aus, öffnet sich die Einzelansicht. Hier können die Bilder mit Sternen bewertet und mit Farben markiert werden. Das „Brotkrumen“-Menü oben rechts offenbart die Möglichkeit, Bilder zu vergleichen. Zurück in der Bibliotheksansicht erlaubt ein Filter-Befehl die Sammlung anhand von Meta-Daten zu selektieren.

Entwickeln und exportieren

Mit dem „Entwickeln“-Knopf gelangt der Nutzer ins Bearbeitungs-Menü. Die Anordnung erinnert an RAW-Konverter auf dem Desktop: Links Thumbnails, in der Mitte groß das zu bearbeitende Bild, rechts ein Histogramm und diverse Schieberegler.

Wer an PC oder Mac mit Lightroom arbeitet, dürfte bei Photo Mate R3 praktisch nichts vermissen: manueller Weißabgleich, Belichtung, Dynamik, selektive Farbanpassungen, Korrektur von Objektiv-Fehlern, Gradationskurven, Effekte wie Körnung und Dunst entfernen – alles ist da. Sogar Farbverläufe und Bearbeitungs-Pinsel per Ebenen-Technik können eingesetzt werden. Damit zieht Photo Mate R3 an vielen anderen mobilen Foto-Editoren vorbei.

Ist die Bearbeitung abgeschlossen, kann das Bild per Disketten- oder per Teilen-Icon als JPEG-Datei gespeichert oder an Messaging- und Cloud-Dienste verschickt werden.

Praxiseindruck

Photo Mate R3
Im Praxistest setzte Photo Mate R3 auf dem verwendeten Huawei-Tablet Belichtungskorrekturen zügig um, Bereichsreparaturen mit dem Auto-Klon-Pinsel dauerten hingegen erwartungsgemäß länger als am Desktop. Für erfahrene RAW-Anwender ist die Bedienung weitestgehend intuitiv. Lediglich die Funktionen zum Bewerten, Vergleichen und Sortieren könnten schlüssiger angeordnet sein. Einsteigern hilft ein Schnell-Tutorial zu Beginn.

Bei den Bearbeitungs-Ergebnissen hinterlässt Photo Mate R3 einen gemischten Eindruck. Im Parallel-Vergleich wirken sich Änderungen zum Beispiel bei den Reglern für Lichter und Tiefen in Photo Mate nicht so stark aus wie beim Desktop-Lightroom. Dadurch stellt Photo Mate weniger Helligkeitsunterschiede dar als möglich wäre. Zudem greift die Rauschunterdrückung des mobilen RAW-Konverters bei hohen ISO-Werten augenscheinlich etwas beherzter ein, weshalb Details geringfügig schneller vermatscht wirken.

Fazit

Insgesamt ist Photo Mate R3 ein sehr empfehlenswerter RAW-Editor für Android. Er bringt die vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten von Fotos in Originalqualität auf einer mobil bedienbaren Oberfläche erstaunlich geschickt unter – zumindest im Tablet-Modus. Die Fähigkeit, native Rohdaten-Formate direkt von der Kamera zu importieren, macht die Anwendung zur unschlagbaren Lösung für anspruchsvolle RAW-Fotografen, die ohne Laptop reisen wollen. Digitalfotos unterwegs zu entwickeln und zu verschicken, geht mit Photo Mate R3 intuitiv und flott. Auch als Verwalter hat das Programm Qualitäten, lässt aber in punkto Übersichtlichkeit noch Luft nach oben. Für knapp neun Euro machen Käufer aber nichts falsch. In Sachen RAW-Bearbeitung ist Photo Mate R3 unter Android derzeit die Referenz.

Foto-App Besprechung Android 05 / 2016

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