Fotografie – Entdeckung der Langsamkeit

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© Blende, Mathias Rehberg, Schachbrettblume

Ruckzuck im Sauseschritt so ist heutiges Handeln geprägt und auch, wenn man manchmal denkt, es geht nicht noch schneller, so wird man in der Realität eines Besseren belehrt. Diese Geschwindigkeiten übertragen sich zwangsläufig auch auf unser fotografisches Handeln – die aktuellen Kameraweiterentwicklungen in Punkto Schnelligkeiten sind atemberaubend und unterstützen uns in unserem Anliegen. Dieser täglich gelebte Turbo, oftmals auch von enormer Hektik getrieben, verleitet zwangsläufig dazu, ein immer mehr an Motiven in immer kürzer werdenden Intervallen mit der Kamera einfangen zu wollen. Hört man Fotobegeisterte so steht zunächst oftmals die Anzahl der gemachten Aufnahmen im Mittelpunkt der Kommunikation. 300 und mehr Aufnahmen sind schon gering bemessene Zahlen, die hier bei einer eintägigen Fototour im Raum stehen. Ein richtiges Wetteifern nach der Anzahl der gemachten Aufnahmen, so scheint es, ist hier entbrannt, bei dem die Motive, die eingefangenen wurden, erst an zweiter Stelle zu kommen scheinen. Das ist schade und ähnlich den Rundreisetrips von USA-Begeisterten – sie berichten nach ihrer Rückkehr erst einmal darüber, wie viele Kilometer sie binnen kürzester Zeit gefahren sind. Was sie gesehen und erlebt haben ist zweitrangig.

Natürlich ist es klasse, wenn der Auslöser quasi nicht mehr stillsteht – das spricht für die fotografische Begeisterung. Fotografieren, und erst recht dann, wenn man sich mit seinen Werken von anderen abheben möchte, bedeutet unserer Ansicht nach aber auch, die Entdeckung der Langsamkeit für sich und damit der alltäglichen Hektik zu entfliehen. Motive wollen erst einmal entdeckt werden. Rauscht man an ihnen quasi wie ein ICE mit über 300 Stundenkilometer vorüber, so wird man sie höchstens noch aus dem Augenwinkel wahrnehmen. Geschwindigkeit bedeutet zugleich auch eine Reizüberflutung, die den Blick auf das Wesentliche verbaut. Bewusstes Fotografieren setzt voraus, der Reizüberflutung durch Drosselung der eigenen Geschwindigkeit zu entgehen. Für die Entdeckung von Motiven sollte man sich Zeit nehmen, aber auch für ihre „Eroberung“. Natürlich beansprucht die visuelle Erfassung nur wenige Millisekunden. Möchte man das Motiv aber wirkungsvoll in Szene setzen und nicht nur sein Abbild schaffen, dann braucht das Zeit und Muße. Fotografien, und da erzählen wir nichts neues, leben von Emotionen und zwar von jenen, die man als Fotograf spürt und vermitteln möchte – das braucht Zeit. Selbst wenn man das fotografische Handwerk mit dem Spiel mit Zeit und Blende wie im Schlaf beherrscht, so ist es ratsam, der Entfaltung der eignen Kreativität und der Lust am fotografischen Experiment auch die dafür notwendige Zeit einzuräumen. Fazit: Möchte man nicht nur Abbilder schaffen sind Entschleunigung und die Entdeckung der Langsamkeit essenziell.

Kommen wir noch einmal auf die neueste Kameratechnik zurück, die uns ein stückweit auch darin unterstützt, dass wir weniger von Hektik getrieben sein müssen und wir uns mehr Zeit nehmen können. Auslöseverzögerung – davon spricht heute keiner mehr. Aktuelle Kameramodelle sind zudem quasi direkt nach dem Einschalten aufnahmebereit und dank immer schnellerer Prozessoren hält man mit aktuellen Kameramodellen wahre Geschwindigkeitsweltmeister in den Händen. Aus unserer Sicht räumen uns aktuelle Kameramodelle mehr Zeit für unsere Motive ein. Schon allein deshalb ist eine Kameraneuanschaffung mehr als lohnenswert, wenn man bislang über ein Aufnahmegerät verfügt, dass bereits drei bis 5 Jahre – oder noch mehr – auf dem Buckel hat.

Aufgegriffen 06 / 2016

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