Kamera-Firmware-Update - Neue Kamera per Update?

Firmware Foto Firmware Version 2300005
Kaum eine Woche vergeht, ohne dass einer der Kamera-Hersteller ein „Firmware-Update“ ankündigt. Das erscheint zunächst kompliziert, ist es aber nicht, birgt sehr interessante Chancen und kann in einigen Fällen sogar den Kauf des neuesten Modells ersparen.

Aber zunächst einmal kurz, worum es sich überhaupt bei einem Firmware-Update handelt: Technische Geräte wie unsere Kameras bestehen heute ähnlich wie Computer, aus dem eigentlichen Gerät – der Hardware – und der Steuerelektronik – der Software. Die Firmware ist die zentrale Software des Gerätes, quasi so eine Art Gehirn und etwa mit dem Betriebssystem beim Computer zu vergleichen. Vom Rechner sind wir es schon gewohnt, dass das Betriebssystem in neuen Versionen angeboten wird und damit neue Möglichkeiten auf dem alten Gerät einziehen. Genauso ist es mittlerweile auch bei Kameras mit der Firmware.

Der Clou für uns Verbraucher: Da mehr und mehr der heutigen Kamera-Funktionen nicht mehr von mechanischen Teilen abhängen, sondern von der Software, können über Firmware-Updates ganz neue Möglichkeiten bereit gestellt werden. Olympus ist hier Vorreiter und hat etwa zur letzten photokina für sein Flaggschiff OM-D E-M1 ein Update bereitgestellt, dass Tethered Shooting – also die Direktübertragung zum Rechner – nachrüstete. Die nächste Version bot die Erhöhung der Serienbildanzahl von 6,5 auf 9 pro Sekunde und aktuell ist ein weiteres Update angekündigt. Olympus ging dabei großzügig vor und stellte die Updates kostenlos bereit. Panasonic zeigt mit dem Update auf den Video-Codec V-Log L, dass es auch anders geht: Wer ihn auf dem Flaggschiff GH-4 nachrüsten möchte, muss 99 Euro investieren. Weit günstiger als der Kauf des neuen Spitzenmodells GH-4R mit diesem Feature ist das aber allemal.

Krux für Kamerahersteller: Verkaufseinbruch durch Firmware-Update?

Und genau hier zeigt sich, wo die Krux der Firmware-Update für die Kamerahersteller liegt: Rüsten wir die Kamera nur nach und kaufen kein neues Modell mehr, hat der Hersteller irgendwann keine Ressourcen mehr, um die Firmware-Updates zu finanzieren. In der Regel gehen die Kamerabauer daher mit Augenmaß vor und bieten die Updates nicht für beliebig alte Geräte an, sondern eher für die aktuelle Generation und vor allem für die jeweiligen Flaggschiffe. Sony etwa liefert das Firmware-Update mit 14-bit-Unterstützung für die IIer-Modelle der A7 noch kostenlos nach, die ersten A7-Modelle schauen aber in die Röhre. Das muss nicht mal Profitdenken der Kamerahersteller sein, denn wie beim Computer müssen Hardware und Software zusammen passen und erfordern bestimmte Features schlichtweg eine bestimmte Hardware, die in einer uralten Kamera womöglich noch nicht verbaut war.

Fazit: Firmware-Update-Politik bei Kaufentscheidung einbeziehen

Für uns als Kamerabesitzer sind Firmware-Updates jedenfalls eine große Chance. Sie stellen jedoch auch eine neue Anforderung beim Kamerakauf an uns: Wir sollten nämlich schon bei der Kaufentscheidung für ein bestimmtes System mit einbeziehen, wie die Firmware-Politik des jeweiligen Herstellers aussieht. Rüstet er über einen gewissen Zeitraum noch kostenlos nach, bedeutet das für uns eine größere Wertstabilität der eigenen Anschaffung und potenziell noch mehr Spaß. Umgekehrt muss uns klar sein, dass eine solche Politik einen etwas höheren Kaufpreis erfordert. Wir müssen also bei einem Preisvergleich im Fall eines Neukaufs nicht mehr nur den Anschaffungspreis einbeziehen, sondern auch überlegen, wie lange man noch auf dem neuesten Stand damit fotografieren kann. Auch bekommt die Händlerwahl ein neues Gewicht, denn einige bieten Firmware-Updates als Service an und können daher für alle, die sich das nicht selbst zutrauen, langfristig Wertstabilität der Anschaffung bedeuten.

Firmware Update
Wer nun auf den Geschmack gekommen und neugierig ist, ob es für seine Kamera ein Firmware-Update gibt, der liest unseren Beitrag „Neues Gehirn für die Kamera“ http://www.prophoto-online.de/digitalfotografie/Firmware-Update-Neues-Gehirn-fuer-die-Kamera-10008600.

Ausblick: Trennung Hard- und Software auch bei Kameras?

Vielleicht werden wir langfristig erleben, dass sich wie bei Computern die Kamera-Hardware und die Software noch stärker trennen. Samsung und Nikon zeigten in ersten Ansätzen mit der Verwendung des Smartphone-Betriebssystems Android für einzelne Kameramodelle, wo es hingehen könnte. Auch die sehr erfolgreiche Firmware-Ergänzung Magic Lantern für Canon-Kameras ist ein solches Beispiel. Sie rüstet zahlreiche Möglichkeiten nach, die der Hersteller nicht vorgesehen hat. Umgekehrt bringen solche herstellerfremden Ergänzungen auch neue Risiken und Aufwände mit sich, die wir abwägen müssen. Je mehr eine Kamera zum Spezialcomputer wird, auf desto mehr Möglichkeiten dürfen wir uns zwar freuen, aber desto komplexer wird auch die Anwendung werden, wenn man sie ausreizen möchte.

Aufgegriffen 10 / 2015

36 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
1 Kommentare

Interessanter Aspekt, hatte ich so nicht im Blick. Danke

von Thomas V
26. Oktober 2015, 12:30:24 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden