Kuriose Fototrends im Internet

Manchmal braucht es nur eine skurrile, absurde, witzige oder auffällige Fotomotividee, damit ein Zündfunke im Internet zu einem Flächenbrand wird. Für Umstehende mag es mitunter recht sinnfrei ausgesehen haben, dass sich junge Menschen in Australien mit angelegten Armen flach auf den Bauch legten und im so genannten „Lying Down Game“ steif wie ein Brett eine starre Planke imitierten. Was 2009 als „Planking“ weltweit im Internet bekannt wurde zog zahlreiche weitere Fototrends nach sich.

Wenn nahezu jeder User im Netz auf einen solchen Hype aufgesprungen ist, ist die Trennung zwischen Spreu und Weizen bereits geschehen. Vielleicht sollte man lieber von Vernunft und Dummheit sprechen, denn es gibt immer wieder Menschen, die sich für eine möglichst spektakuläre Aufnahme in Lebensgefahr begeben. Beispielsweise stürzte beim Versuch eines entsprechend ausgefallenen Fotos ein Mann in Brisbane von einer Balkonbrüstung sieben Stockwerke in die Tiefe und ein anderer Mann aus Invernell verletzte sich schwer am Kopf, weil er die Haltung bei seinem Planking-Versuch auf dem geschlossenen Kofferraumdeckel eines rasenden Autos verlor.

© Blende, Tim Wehrle, Just hanging out Bei diesem Bild handelt es sich um eine Fotomanipulation!! Also bitte nicht nachmachen! Das Bild besteht aus zwei Bildern: 1. Das Hintergrundbild. (China) 2. Das Model. (Ich) -> Wurde in einem Park, an einem Gerüst aufgenommen. Für mich passt das Bild sehr gut in das Thema “Schnappschuss-Ich war dabei”, da es für den Betrachter anfangs sehr real auszusehen scheint und man wirklich denkt, dass es ein Schnappschuss in dieser Höhe war. Ich versuche stets, dass meine Bilder so real wie möglich erscheinen!” zoom=“1” class=“image-caption” /></p>

	<p>Das hier gezeigte Bild ist selbstverständlich eine Retusche-Arbeit von Tim Wehrle, dem Jugendsonderpreisträger von „Blende 2015“. Auf den ersten Blick erscheint es täuschend echt und könnte durchaus als eine Veröffentlichung aus der „Roofer-Szene“ darstellen. Solche Aufnahmen in der Realität zu erstellen, ist natürlich in höchstem Maße gefährlich und Todesfälle auf der Suche nach dem besonderen Kick sind keine Seltenheit. Die Aufnahme von Tim Wehrle verdeutlicht, dass man nicht zwingend das eigene Leben aufs Spiel setzen muss, um eine spektakuläre Aufnahme zu präsentieren.</p>

	<p>Fakt ist, dass sich Fotomotivtrends rasend schnell in den sozialen Netzwerken verbreiten können. Der Zuspruch in den Netzwerk-Gemeinschaften scheint umso größer, je kurioser die Idee ist oder je absurdere Züge deren Nachahmung annimmt. Ist der Zündfunke für einen Foto-Trend einmal entfacht, kann niemand absehen wie lange das Feuer lodert. </p>

	<h2>Das A-Z der bekanntesten Fototrends im Überblick</h2>

	<p><strong>Baguetting</strong> scheidet die Geister, denn hier wird mit Essen im wahrsten Sinne des Wortes gespielt. Die französische Backware wird vom Akteur zweckentfremdet und findet als Lockenwickler, Speer, Hantelstange Geigenbogen, Rasierer oder Anschnallgurt eine neue Verwendung. Ein wirklich lustiger Trend, der von den absurden Ideen der Fotografen lebt.</p>

	<p><strong>Batmanning</strong> dreht sich gänzlich um den Superhelden aus Gotham City Superheld. Bei diesem Fototrend hängen sich die Protagonisten kopfüber an jedwede Möglichkeit die eine Decke bietet. Ganz gleich ob Rohrleitungen in Parkhäusern, Türrahmen, Traversen oder sogar Verkehrsschilder. Hauptsache man hängt lässig kopfüber und trägt – um stilecht zu bleiben – ein Batmankostüm.</p>

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© Blende, Tim Wehrle

Just hanging out

Bei diesem Bild handelt es sich um eine Fotomanipulation!! Also bitte nicht nachmachen! Das Bild besteht aus zwei Bildern: 1. Das Hintergrundbild. (China) 2. Das Model. (Ich) -> Wurde in einem Park, an einem Gerüst aufgenommen. Für mich passt das Bild sehr gut in das Thema “Schnappschuss-Ich war dabei”, da es für den Betrachter anfangs sehr real auszusehen scheint und man wirklich denkt, dass es ein Schnappschuss in dieser Höhe war. Ich versuche stets, dass meine Bilder so real wie möglich erscheinen!

BeeChallenge ist ein Fototrend, bei dem zahlreiche Frauen – bisweilen sogar Männer – sich mit entblöster Brust zeigen und dabei einen BH über die Augen gezogen haben. Ob diese Aktion auf eine bestimmte Sache aufmerksam machen soll oder einen sinnigen Zweck verfolgt ist nicht bekannt.

Cat-bearding richtet sich vor allem an Katzenbesitzer, die versuchen ihr Haustier in der Art vor dem eigenen Kinn zu positionieren, dass die optische Täuschung entsteht, als wäre die Katze der Bart. Damit sich dieser Effekt einstellt, schaut der Besitzer direkt in die Kamera, während die Katze ihren Kopf nach oben streckt und an die Decke blickt. Dog-bearding beschreibt den gleichen Trend, nur eben mit Hunden.

Face-swapping leitet sich vom englische Verb “swap” ab und bedeutet tauschen oder ersetzen. Mittels Smartphone-App oder PC-Software werden Gesichter auf einem Fotos ausgetauscht. Ersetzt beispielsweise das Gesicht von einem Schulkind das seines Vaters und umgekehrt kann es zu einer überaus skurrilen Bildwirkung kommen, da der jeweilige Körper nicht zum neuen Gesicht passt.

Floating (auch „Icing“) ist ein Trend, den die Eskimos erfunden haben könnten. Die Protagonisten zeigen sich nur mit Bikini oder Badehose bekleidet in einer winterlichen Landschaft oder im Tiefschnee und sehen dabei so vergnügt wie möglich. Je klirrender die Temperaturen, umso „cooler“ werden die Aufnahmen.

Goat Style bezeichnet Videos, bei denen eine Ziege in einen Musikclip hinein geschnitten wurde, wobei die Schreilaute des Tieres in gewisser Weise menschliche Züge haben und dadurch das Lied lustig persifliert wird.

Hadoukening (auch „Kamehameha“) hat seinen Ursprung im Beat´em-Up Videospiel „Street Fighter“ und bezeichnet eine Spezialattacke, die den Gegner durch eine unsichtbare Energiewelle nach hinten schleudert. Die Arme des Angreifers sind ausgestreckt und dem Gegner entgegen gerichtet, während der Angegriffene nach oben springt seinerseits die Arme und Beine dem Angreifer entgegen streckt.
Hallway Swimming wird meist von einer Gruppe betrieben, die so tun, als ob sie in einem Flur von Wand zu Wand schwimmen. Die Protagonisten liegen seitlich auf den Flurboden und vollführen Schwimmbewegungen oder sogar eine Wende an einer Wand. Auch dieser Trend entspringt einem studentischen Spaß und folgt keinem höheren Sinn oder Ziel.

Harlem Shake ist ein Tanzvideo, bei dem die Akteure sich zuckend und hemmungslos zu Elektromusik bewegen, als würden ihnen Elektroschocks verabreicht. Der Trendtanz verbreitete sich in Windeseile online über YouTube online und fand unzählige Nachahmer.

Horsemanning ist ein Fototrend für zwei Personen, die sich so positionieren, dass es aussieht als sei es nur eine Person, deren Kopf vom Körper getrennt wurde. Kreativität ist hier gefragt und auch eine außergewöhnliche Umgebung kann einen überzeugenden Beitrag leisten. Ganz so neu ist dieser Trend jedoch nicht, da solche Fotos bereits in den 1920er-Jahren geschossen wurden. Wes damals fehlte war jedoch die massenhafte Verbreitung über das Internet.

Leisure-diving beschreibt Fotos, auf denen der Protagonist möglichst lässig ins Wasser springt. Klingt einfach, ist es aber nicht wirklich, der möglichst entspannte Ausdruck des Akteurs will festgehalten werden. Mitunter sind unzählige Durchläufe notwendig, um den einmalig gestellten Sprung ins kühle Nass festzuhalten, während der Protagonist eine Zeitung liest, Schach spielt oder in Denkerpose über dem Wasser schwebt.

Milking zeichnet sich dadurch aus, dass sich ein Protagonist an einem willkürlichen Ort freiwillig und ohne äußere Einflüsse mit Milch übergießt. Auch wenn vielfach Studenten britischer Universitäten in den Videos zu sehen sind, folgt dieser Nonsens-Trend keinem (pseudo-)wissenschaftlichen Zweck.
Owling beschreibt einen Fototrend, bei dem der Akteur mit seiner Körperhaltung eine Eule nachahmt. In welchen Alltagssituationen oder an welchen kuriosen Orten eine Person abgelichtet ist, ist dem Einfallsreichtum der Fotografen überlassen. Auslöser für den Hype soll übrigens die Aufnahme einer jungen Frau sein, die mit nackten Füßen wie eine Eule zusammengekauert auf einem Treppengeländer saß.

Planking ist ein Fototrends, der von Australien aus in 2009 das Internet eroberte. Das Phänomen wurde anfangs auch als „Lying Down Game“ genannt, da sich der Akteur mit angelegten Armen und dem Gesicht nach unten starr auf den Boden oder einen Gegenstand legt. Für Umstehende ist die Person steif wie ein Brett oder eine Planke, woher auch der Name rührt. Mit starker Verbreitung des Trends wurden auch die Motive extremer, wodurch es auch schon zu tödlichen Unfällen kam.

Plowling ist wie der Name erraten lässt eine Mischung aus Planking und Owling, jedoch sind hier zwei Protagonisten nötigt. Eine Person stellt hierbei die Planke dar und die andere Person positioniert sich anschließend auf ihr wie eine Eule.

Pottering verweist darauf, dass die Protagonisten möglichst in einer Pose erscheinen wie der berühmte Zauberschüler Harry Potter. Meist wird der Flug auf einem Besen nachgestellt. Herausragende Werke der Trends vermitteln die Illusion eines Luftkampfes zwischen zwei Akteuren inklusive Zauberstab.

Scarlettjohanssoning ist dem Geltungsbewusstsein der gleichnamigen Schauspielerin entsprungen. Für die Presse war es ein gefundenes Fressen als eines Tages das Bild von Scalett Johanssons entblößtem Hintern, das sie vor einem Spiegel von selbst fotografierte, im Internet herumging. Der Nackt-Foto-Skandal war der Auslöser für diesen skurrilen Fototrend.

Social-eating ist ein Videotrend, bei dem sich vornehmlich Jugendliche filmen lassen, wie sie sich den lieben langen Tag ihre Bäuche mit riesigen Portionen füllen und jeder ihnen online dabei zusehen kann. Der aus Südkorea stammende Trend ist unter dem Namen „Mok-Bang“ bekannt und viele der Protagonisten verdienen mit dieser Art der Zurschaustellung ihren Tagesunterhalt.

Stocking umschreibt einen Trend, bei dessen Entwicklung gezielt Werbeagenturen mitgewirkt und nachgeholfen haben. Stockfotos sehen meist sehr gestellt aus und genau darum geht es. Man versucht professionelle Werbefotos möglichst genau mit eigenen Mitteln und Möglichkeiten nachzustellen, was bei einer laienhaften Umsetzung zu sehr lustigen und absurden Ergebnissen führen kann.

Supermanning ist nicht so bekannt wie manch anderer Videotrend, dafür aber weitaus riskanter für die Gesundheit der Akteure. In den Clips wird die Illusion geschaffen, dass Superman ein Fahrzeug überholt. Der Fahrer wird dabei vom Fahrersitz gefilmt und der Superman-Akteur lehnt sich vom Rücksitz weit aus dem Fenster und schiebt sich langsam nach vorne, wodurch der Eindruck entsteht, dass Superman das Fahrzeug langsam von hinten überholt.

Tebowing ist keinesfalls eine asiatische Kampfsportart, sondern geht auf die Körperhaltung zurück, die NFL Football-Profi Tim Tebow jeweils vor einem Spiel zum Gebet einnimmt. Auf ein Knie gestützt, das andere Bein angewinkelt und die geballter Faust vor die Stirn führen. Prominenter wurde die Denkerpose bislang nicht in Szene gesetzt.

Unboxing kursiert schon länger mit tausenden von Clips durch die Videokanäle und zeigt nichts anderes als Menschen, die Dinge auspacken, die sie zuvor gekauft oder geschenkt bekommen haben. Wie bei vielen anderen Trends im Netz geht es hier um die Selbstdarstellung.

Vadering hat nur eines zum Ziel, dem Protagonisten die unheimlichen Fähigkeiten von „Star Wars“ Bösewicht Darth Vader zu verleihen. Nicht in echt, aber echt soll es aussehen. Der Akteur hebt beispielsweise sein Gegenüber mit Hilfe der „Macht“ in die Höhe oder drückt einer entfernt stehenden Person mit dem berühmten Würgegriff die Kehle zu. Fantastische Schnappschüsse sind garantiert.

Insgesamt lassen sich tausende Beispiele zu den vorgestellten Trends – aber auch unzählige darüber hinaus – im Internet finden, die inspirieren und unterhalten. Einfach Suchbegriff eingeben und genießen. Vielleicht gibt es ja bald einen neuen Trend, über den wir hier berichten können. Spaß machen muss es, aber gefährlich soll es nicht sein. Also bitte, Vorsicht walten lassen!

Aufgegriffen 07 / 2016

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