Testberichte - Foto-Produkttests: Wer misst, misst Mist?

Jetzt vor Weihnachten stehen wieder viele Kaufentscheidungen an. Die meisten konsultieren dazu Testberichte, die mittlerweile aus zahllosen Quellen verfügbar sind. Allerdings ist nicht jeder Test gleich gut – auch wenn eindrucksvoll mit Ranglisten und Punktebewertungen bis auf die zweite Nachkommastelle bewertet wird. Wir greifen dieses Thema aus ganz aktuellem Anlass auf. Stiftung Warentest hat in seiner Novemberausgabe des „test“-Magazins selbstgestaltete/persönliche Fotobücher unter die Lupe genommen. Wir haben uns diesen Testbericht angeschaut, der unseren Plusschlag in die Höhe hat schnellen lassen. Unser Rat: Betrachten Sie Test kritisch, bevor Sie den Ergebnissen vertrauen.

Testberichte - Foto-Produkttests: Wer misst, misst Mist?

Frage 1: Wer steht wirklich hinter dem Test?

Sie sollten sich zunächst bei jedem Test fragen, von wem und wie er überhaupt durchgeführt wurde. Mittlerweile tummeln sich vor allem im Internet zahlreiche Info-Portale, die jedoch bei weitem nicht alle seriös testen. Bei manchen bezahlen die Unternehmen für eine Listung und das Ziel liegt vor allem darin, Suchmaschinen auf bestimmte Produkte aufmerksam zu machen.

Frage 2: Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl der Getesteten?

Über solche Käuflichkeit ist die Stiftung Warentest erhaben, die schon 1964 im staatlichen Auftrag gegründet wurde. Dennoch wundern wir uns selbst bei ihr manchmal über die Auswahl der Unternehmen, wie etwa beim aktuellen Fotobuch-Test der Stiftung Warentest. Dafür wurden 12 Anbieter unter die Lupe genommen. Wichtige Vertriebspartner wie etwa dm fehlen dabei. Auch vermissten wir zunächst den Marktführer CEWE. Den fanden wir dann schließlich im Kleingedruckten als „herstellendes Labor“ bei Saturn, Pixum und Müller. Leider wird überhaupt nur im Kleingedruckten zwischen den eigentlichen Herstellern und Handelsmarken unterschieden. Dies ist jedoch ein wichtiger Punkt, den der Test nicht erläutert. Es gibt nämlich im Prinzip zwei Gruppen von Fotobuch-Anbietern: Labore, die selbst produzieren und bekannte Händler wie etwa Rossmann, Saturn und MediaMarkt, die keine eigenen Produktion unterhalten. Sie beziehen in der Regel die Bücher von den weniger als zehn großen Herstellern in Deutschland. Das kann für uns Kunden verwirrend sein, denn manche Händler wie etwa die Drogeriekette dm unterhalten eine Eigenmarke und vertreiben das CEWE-Fotobuch. Spannend hätten wir gefunden, wenn Stiftung Warentest die Unterschiede dieser beiden genauer beleuchtet hätte.

Frage 3: Nach welchen Maßstäben wird bewertet?

Aber nicht nur die Auswahl ist bei vielen Tests kontrovers, sondern auch die Bewertung. Wie Sie wissen, sind wir ebenso wie Millionen Kunden begeistert vom persönlichen Fotobuch, das gerade jetzt vor Weihnachten Hochkonjunktur hat. Mit unseren bisher bestellten Werken waren wir immer sehr zufrieden. Wir wundern uns daher sehr, dass Stiftung Warentest zum Urteil kommt, die meisten der getesteten Unternehmen lieferten allenfalls eine „befriedigende“ Qualität. Einzig die CEWE-Produkte finden Gnade vor den strengen Augen der Tester. Vielleicht ist unsere Redaktion schlichtweg nicht repräsentativ oder bewertet zu wohlwollend? Wir haben daher beim unabhängigen Institut für Fotobuch-Qualität nachgefragt, das sich dem Thema Qualitätssicherung für die Fotoservice-Branche verschrieben hat. Inhaberin Petra Vogt kommentiert: „Unserer Testerfahrung nach ist die Herstellungsqualität von Fotobüchern in Deutschland auf einem insgesamt sehr hohen Niveau. Wir haben gerade in einem großen Anbietertest gesehen, dass die Produkte der meisten großen Hersteller selbst für geschulte Tester sehr gut abschneiden oder allenfalls kleine Mängel aufweisen, die nur von Experten zu sehen sind.“

Leider legt Stiftung Warentest in ihrem Bericht nicht offen, was überhaupt der Maßstab für den Test war und sie zum negativen Urteil bewogen hat. Man könnte entweder einen absoluten Maßstab wie etwa einen hochwertigen Kunstbildband als Referenz gehabt haben oder auch relativ am in der Branche Üblichen gemessen haben. Im ersten Fall stellt sich in unseren Augen die Frage, welcher absolute Maßstab überhaupt sinnvoll gelten könnte. Hat man relativ bewertet, stellt sich die Frage, warum keiner im gesamten Testfeld – das ja alle wichtigen Player enthält – ein „Sehr gut“ erreichen kann.

Irritierend ist für uns auch, dass sich die Notenbewertungen von Digitalfotobuch und Echtfotobuch verschiedener Marken trotz gleicher produzierenden Labors auf die Nachkommastelle unterscheiden. Wie diese zustande kommen, legt der Test nicht offen. Wir können sie uns nur aus der Summierung der Parameter Qualität und Angebotsumfang oder durch Produktionsschwankungen erklären. Aber wie sich Unterschiede von einer Nachkommastelle ergeben können, verwundert uns. Die Tester von Stiftung Warentest müssen hier schon hochsensible Augen haben. Also wir würden uns dies nicht zutrauen, und für uns stellt sich die Frage der Relevanz eines solchen Ergebnisses. Fünfprozentpunkte hinter dem Komma sind für uns glaubhaft aber einer nun wirklich nicht.

Nicht nachvollziehbar ist für uns auch das vernichtende Urteil für die Premium-Fotobücher aus echtem Fotopapier und die überaus lobende Bewertung von Sofort-Fotobüchern. Premium-Fotobücher haben technologie-bedingt zwangsläufig in Punkten wie etwa der Farbabstufung einen Vorteil. Darauf geht der Text jedoch gar nicht ein, sondern kritisiert Probleme bei der Bildoptimierung bei einzelnen Anbietern. In unseren Augen ist der Aufpreis für ein Premium-Fotobuch durchaus gerechtfertigt. Expertin Petra Vogt verrät uns ein weiteres Argument „Wir sehen in unseren Tests, dass die Qualitätsschwankungen beim Echtfotobuch deutlich geringer sind als beim Digitaldruck.“ Das Echtfotobuch ist daher unserer Erfahrung nach von den meisten Profis die erste Wahl. Wer jedoch die herstellungsbedingt recht dicken Seiten nicht mag oder deutlich mehr als 100-seitige Bücher erstellen möchte, der muss zum Digitaldruck greifen. Leider bleibt der test-Bericht auch diesen Tipp schuldig.

Eine differenziertere Betrachtung hätten wir uns auch in punkto Sofort-Fotobuch gewünscht. Darin werden Kontraste und Schärfe nämlich in der Regel angehoben. Alltagsfotos kann das gut tun. Wer seine Bilder jedoch selbst bearbeitet und möglichst unverändert ausgegeben haben möchte, greift besser zur Echtfotobuch-Bestellung.

Frage 4: Was wird neben der eigentlichen Produktqualität noch einbezogen?

Neben der eigentlichen Produktqualität hat Stiftung Warentest auch die Gestaltungsmöglichkeiten untersucht und bewertet. Verwundert waren wir über die Bewertung, dass die Programme alle sehr einfach zu verstehen sind und fehlerfrei laufen. Unserer Erfahrung nach ist die Benutzerfreundlichkeit und Stabilität der Software sehr unterschiedlich. Leider betrachtet die Stiftung Warentest auch die Ergebnisse der per Assistent automatisch erstellten Layouts nicht differenziert. Unserer Erfahrung nach unterscheiden sich diese deutlich. Bei manchen Anbietern können selbst anspruchsvolle Fotobuch-Besteller das Layout nahezu unverändert übernehmen, bei anderen werden wichtige Teile von Bildern abgeschnitten oder stehen ganze Fotos auf dem Kopf.

Die Stiftung Warentest hat darüber hinaus auch Punkte wie „Mängel in den AGBs“, „Website“ und „Angebotsumfang“ in den Test einbezogen. Gerade die letzten zwei Punkte sind nur schwer objektiv zu bewerten und bergen daher die Gefahr, Geschmackssache zu sein. Stiftung Warentest macht auch hier leider nur sehr wenige Angaben, wie die Gesamturteile in den jeweiligen Kategorien zustande kamen.

Frage 5: Wie wurde für das Gesamtergebnis gewichtet?

Schließlich summiert der Test – wie viele – alle Teilaspekte zu einem Gesamtergebnis. Der kritische Leser sollte sich dabei immer fragen, ob die Gewichtung der einzelnen Punkte auch seiner Bewertung entspricht. Bei dem Fotobuch-Test etwa ging die Website mit 20% in die Gesamtbewertung ein und hat daher wesentlichen Einfluss auf das Ranking. Wir hätten uns eher eine Zweiteilung des Testes gewünscht, die die eigentliche Produktqualität und alle weiteren Faktoren besser trennt.

Fazit: Testen Sie die Tester

Alles in allem finden wir, dass man diesen Fotobuchtest guten Gewissens links liegen lassen kann. Nicht nur das Geld sondern auch die Zeit kann man sich sparen. Damit wollen wir nicht sagen, dass wir Produkttests nicht als sehr hilfreich für den Konsumenten finden. Nur wünschen wir uns gute Tests, damit wir gute Entscheidungen treffen können. Leider trifft das nicht auf alle zu. Stiftung Warentest wurde in diesem Beitrag zwar kritisiert, aber steht nur stellvertretend für viele andere Testergebnisse. Seien Sie also kritisch, bevor Sie einem Test vertrauen!

Aufgegriffen 11 / 2015

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3 Kommentare

Vergesst Testberichte. Ich vertraue diesen nicht weil man nie weiß welche Interessen dahinterliegen

von Philip
10. November 2015, 08:10:52 Uhr

wir deutschen lieben testberichte und folgen diesen oftmals blind ohne nachzudenken. aus meiner sicht ein fehler

von Richard
05. November 2015, 16:48:49 Uhr

Gebe auf Testberichte nichts mehr. Stiftung Warentest war früher mal gut. Heute mache ich ein ?

von Mathias B
05. November 2015, 16:43:42 Uhr

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