Analogfotografie erfährt einen gestiegenen Zuspruch

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Favorisierte Filmart ist Schwarzweiß

Die Fotofachzeitschrift PhotoKlassik hatte eine große Umfrage unter Analogfotografen – also jenen, die mit Film fotografieren – gestartet. Das Ergebnis lautet, dass die Analogfotografie lebt und dass die Protagonisten, die ihr nachgehen, besonders engagiert sind. Was wir an dieser Studie etwas bedauern ist, dass nicht vermerkt ist, wie viele Personen daran teilgenommen haben. Wir fühlen uns aber durch die Studie dennoch in unserer Annahme bestätigt, dass die Analogfotografie wieder einen stärkeren Zuspruch erfährt und dass sie auch Personen für sich entdecken, die wir salopp als fotografische Einsteiger, also blutige Anfänger bezeichnen. Die Ergebnisse der PhotoKlassik-Umfrage präsentieren sich uns als ein Spiegelbild unseres näheren Umfelds, das auch Nachwuchsfotografen mit einschließt. Statt zur Digitalkamera zu greifen, ziehen Fotobegeisterte häufig die Analogtechnik für sich vor. Natürlich haben wir sie gefragt, was ihre Beweggründe dafür sind.

Motivationsgrund ist für sie, durch Nutzen der Analogtechnik einen tieferen Einblick in die Fotografie sowie in ihre Möglichkeiten zu erhalten. Erlebt wird ein erweitertes Verständnis für fotografische Prozesse, da Automatiken, mit denen heute Digitalkameras ausgestattet sind, fehlen. Die Analogfotografie vermag für sie Grundlagenwissen, also Basics, zu vermitteln, die ihnen dann auch in der Digitalfotografie zugutekommen. Ganz entscheidend ist für sie die Abkehr von der Bilderflut hin zum bewussten Fotografieren. Eine große Herausforderung, so die einhellige Meinung, ist die Reduktion auf 36 Aufnahmen, wo man in der gleichen Situation mit der Digitalkamera locker 500 und mehr Aufnahmen machen würde. Bewusst nehmen sie bevorzugt nur einen Film mit auf die Fototour, um nicht in die Gewohnheiten der Digitalfotografie zu verfallen und den Auslöser öfter als notwendig zu betätigen. Immer wieder ist auch die Rede von Entschleunigung. Durch die Begrenzung auf 36 Aufnahmen, so die Aussagen, konzentriert man sich stärker auf das Wesentliche und widmet seinen Motiven mehr Zeit. Von wahren Glücksmomenten sprechen unsere Protagonisten, wenn nach der Filmentwicklung die Papierbilder vorliegen. Das macht mit den Reiz der Analogfotografie für sie aus – anders als in der Digitalfotografie erlebt man das Erlebte viel intensiver, wenn man es erst zeitversetzt zu sehen bekommt. Woran sie sich beim analogen Fotografieren auf der anderen Seite erst gewöhnen müssen, ist das fehlende Display. Nach den ersten Aufnahmen mit der Analogkamera verfällt man automatisch, das nicht vorhandene Display in Augenschein nehmen zu wollen.

Kommen wir zurück zur den Ergebnissen der PhotoKlassik Umfrage. Danach entwickeln 61 Prozent der Befragten ihre Filme selbst – bevorzugt wird übrigens als Filmart Schwarzweiß. Schaut man sich auf Verkaufsportalen um, so spürt man diese Entwicklung auch dort, denn die Preise für Heimlabore sind nach unserer Recherche gestiegen. Die Haupt-Sujets der analogen Fotografie, so PhotoKlassik, sind besondere Orte und Dinge, Landschaften, Reise und Porträts.

Die Ergebnisse der PhotoKlassik-Umfrage, gepaart mit unseren eigenen Erkenntnissen, werfen für uns die Frage auf, inwieweit es nicht destruktiv ist, wenn das Filmangebot weiter zurückgefahren wird. Dass nicht in neue Emulsionen investiert wird, ist nachvollziehbar. Der Filmmarkt wird nie wieder die Marktgröße erhalten, wie zu der Zeit, als es die Digitalfotografie noch nicht gab. Wir glauben aber, dass es ein interessanter Markt für die Player ist, die dort aktiv sind. Den Handel schließen wir hier mit ein. Aus unserer Sicht gehört man nicht zu den ewig Gestrigen, nur weil man auch zum Besten gibt, beispielsweise Filme in seinem Sortiment zu führen.

Aufgegriffen 09 / 2015

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5 Kommentare

Ich glaube man kann die Hinwendung zur analogen Fotografie nur mit der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und einer anderen Ästhetik erklären. Seit 2–3 Jahren fotografiere (Kleinbild/Rollfilm) und filme (Super 8, 16mm) ich wieder analog und entwickle auch selbst. Vor kurzem habe ich meine ersten Papierabzüge in schwarzweiß gemacht. Mir gefällt der handwerkliche, physische Aspekt daran und das Entdecken vieler alter Kameras, die mittels heutigem Filmmaterials bessere Ergebnisse abliefern als je zuvor. Hier ist der Film der Sensor. Wer denkt, analoge Fotografie ginge einher mit schlechter Bildqualität, dem zeige ich gerne die gestochen scharfen Mittelformatfotos, die ich mit einer alten Kodak Box aufgenommen habe. Ebenso übt die klassische Projektion bei Schmalfilm einen ganz besonderen Zauber aus, den man in digitalen Zeiten fast nicht mehr kennt. Für experimentelle, kurze Projekte ist das perfekt. Dass Interesse an Analogfilm besteht, bemerkt man immer, wenn man damit filmt. Oft wird man mit leuchtenden Augen angesprochen, ob es denn noch Film gebe und wie genial diese alte Technik sei. Hier scheint seit der Digitalisierung viel Wissen über den Umgang und die Magie von Film verloren gegangen zu sein. Aber ich bin da zuversichtlich. Am Wochenende habe ich mit jungen Leuten einen Super-8-Workshop veranstaltet, von denen einige jetzt analog fotografieren/filmen wollen. Mit Film mache ich mir das ganze Jahr über selbst Geschenke: über die Ergebnisse, vielleicht auch in Kaffe entwickelt, freut man sich jedes Mal wie ein Kind an Weihnachten. Wenn man sich beschränkt und den Mut zur Entschleunigung hat, kann man mit Analogfilm wunderbare, unerwartete Dinge erleben und dabei viele Gleichgesinnte treffen.

von Patrick Müller
09. September 2015, 15:27:25 Uhr

Habe mir neulich die alte Kamera meines Vaters ausgeliehen. Er zeigte mir, wie ich den Film einlegen muss. Und dann ging es los. Es war genauso wie hier beschrieben. Ich suchte immer das Display. Klasse war als ich den Film/Bilder abholte. Die Bildqualität IST allerdings deutlich schlechter als bei meiner Digitalen. Spaß hat es aber gemacht.

von Thea S.
08. September 2015, 20:46:02 Uhr

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, noch mal zum Film zurück zu gehen - aber ich hatte meine analoge Zeit auch vor 25 Jahren. Die Digitalfotografie ist so viel praktischer und vor allem mittlerweile auch qualität hervorragend. Zur Konzentration auf das Wesentliche kann das analoge Fotografieren aber eine gute Übung sei - vor allem für alle, die digital eingestiege sind.

von Petra Vogt (Fotolotsin)
08. September 2015, 15:43:28 Uhr

Ich kann diesen Hype nicht verstehen - für mich ist und bleibt das eine Nische! Warum mich von den Ergebnissen auf Film "überraschen lassen", wenn ich doch auf dem Display direkt alles kontrollieren und dann ggf. korrigieren kann!?

von Sandy Remo
08. September 2015, 14:50:24 Uhr

Bei uns im Fotoclub ist das wieder ein richtiger Trend geworden, mit Film zu fotografieren und die dann auch selbst zu entwickeln. Für die jüngeren Mitglieder, die das nicht kennen, bieten wir sogar extra Kurse an - die sind fast immer ausgebucht!

von Georg H.
08. September 2015, 14:47:55 Uhr

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