Bildbearbeitung: Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck

© Blende, Simon Geis, Die letzte Vorlesung ...
© Blende, Simon Geis, Die letzte Vorlesung …
Immer wieder kommt die Frage auf, ob Bildbearbeitung ein zulässiges Tool ist, dem sich Fotografen bedienen sollten oder ob sie abzulehnen ist. Wie so oft im Leben gibt es Befürworter und auch Gegner. Hier kommt es darauf an, wen man mit welchem fotografischen Schwerpunkt fragt und ob es sich um fotografische Einsteiger, ambitionierte Fotografen oder Profifotografen handelt. In jedem Fall sind die Bildbearbeitungsgegner lauter. Und dann gibt es jene, die keine klare Position beziehen, weil sie es in Abhängigkeit vom fotografierten Sujet sehen, ob es zulässig ist, Fotografien zu bearbeitet oder eben nicht. So sehen es viele als nicht zulässig an, Reportagefotos zu bearbeiten sollen diese doch ein naturgetreues Spiegelbild der Wirklichkeit sein. Vom Grundgedanken her ist diese Position sicherlich nachvollziehbar. Vor Augen führen muss man sich jedoch, dass der Fotograf immer in gewisser Art und Weise manipulierend agiert. Das geschieht durch die Wahl des Bildausschnittes beispielsweise ebenso wie durch das Spiel mit Schärfe und Unschärfe.

© Blende, Thorsten Laudien, 869 Jahre - Steinerne Brücke
© Blende, Thorsten Laudien, 869 Jahre – Steinerne Brücke
Blickt man zurück, so haben die thematischen Abhandlungen mit dem FÜR und GEGEN erst seit der Digitalisierung der Fotografie Hochkonjunktur. Zu ausschließlich analogen Zeiten der Fotografie hat sich nahezu niemand darüber aufgeregt, wenn in der Dunkelkammer Einfluss auf die Bilder genommen wurde. Die Frage, die sich daraus ergibt ist, warum heute die Diskussion um das FÜR und GEGEN immer wieder aufkommt. Eine der vielen möglichen Thesen ist, dass man heute sicherlich einfacher als zu Analogzeiten seine Fotografien bearbeiten kann. Hinzu kommt, dass sich heute jeder ohne große Kenntnisse in Punkto Bildbearbeitung austoben kann. Möglicherweise, auch dies nur eine These, spielt ein gewisser Neidfaktor eine Rolle, warum es die Fraktion der Ablehner gibt. Zahlreiche Fotobegeisterte vertreten die Ansicht, mittels Bildbearbeitung wird dem Betrachter vorgaukelt, man beherrsche das fotografische Handwerk. Zu guter Letzt sehen viele die Bildbearbeitung kritisch, weil sie eine Änderung des Ursprünglichen herbeiführt, wodurch das Abbild des Moments der Wahrhaftigkeit beraubt wird.

Eine grundsätzliche Frage, die man sich in Punkto der Diskussionen rund um Bildbearbeitung heute stellen muss ist, wann diese anfängt. Aktuelle Aufnahmegeräte mit ihren Features und den kamerainternen Filtern – wir lassen einmal die Foto-Apps außen vor – lassen uns Bildbearbeitung anwenden, ohne dass wir uns dessen immer bewusst sind. Ist man ein Verfechter von Bildbearbeitung dann dürfte man theoretisch beispielsweise niemals die kamerainternen Filter nutzen – wir erachten dies jedoch als Einschnitt in die eigene Kreativität zumal sie für uns auch dafür stehen, den eigenen persönlichen kreativen visuellen Horizont zu erweitern. Dazu gehört natürlich auch, von dem einen oder anderen Filter gerade am Anfang der Nutzung so begeistert zu sein, dass man es mit der Anwendung übertreibt. Das ist menschlich und natürlich wird dies die Bildbearbeitungsgegner auf den Plan rufen. Ein Stückweit kann man hier für ihre Ansichten auch Verständnis haben, denn bei grenzenloser Begeisterung passiert es schnell, dass solche bildveränderten Features zum Selbstzweck werden.

© Blende, Jens Gutberlet, ZEITENWENDE
© Blende, Jens Gutberlet, ZEITENWENDE
Bildbearbeitung, so sehen wir es, ist eines der zahlreichen Feature für Fotobegeisterte, Einfluss auf ihre Aufnahmen nehmen zu können. Damit die Bildbearbeitung zielgerichtet ist bedeutet dies, sich intensiv mit der jeweiligen Fotografie auseinander zu setzen. Hierbei lernt man auch unterbewusst eine Menge über die Bildsprache. Das wiederum hat natürlich auch Einfluss auf das weitere fotografische Handeln.

Bildbearbeitung ist zudem ein weites Feld. Sie fängt beim Festlegen des Bildausschnitts an und hört beim Entfernen beziehungsweise dem Hinzufügen von Bildelementen auf. Bei jeder bildbearbeitenden Handlung, so unsere Auffassung, sollte diese keinem Selbstzweck folgen, sondern dann ihre Anwendung finden, um die eigene fotografische Intention zu fördern. Diese ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks, der nicht jedem auf der Welt gleich gut gefällt. Zahlreiche Fotobegeisterte bedienen sich der Bildbearbeitung auch, um ihre ihnen ganz eigene Bildsprache zu kreieren/entwickeln. Das ist mehr als legitim und, dass auch hier mitunter nicht jedem alles gefällt, liegt in der Natur der Dinge.

© Blende, Marion Hafers, Putztag
© Blende, Marion Hafers, Putztag
Bestimmte Effekte herbeigeführt durch Bildbearbeitung – denken wir hier nur an psychedelisch anmutende HDR-Bilder – stehen oftmals auch für eine Phase. Die Rede ist von Bildtrends – das was trendy ist sorgt für einen großen Grad an Beliebtheit. Jeder versucht sich darin – das ist legitim und sogar wichtig, da Fotografien auch immer Zeitdokumente für eine bestimmt Epoche darstellen. An Trends kann man sich natürlich auch schnell übersehen und dann verschwinden sie so schnell wie sie aufgekommen sind.

Bildbearbeitung ist natürlich auch eine Frage des Könnens. Eine Fotografie hat jeder schnell gerade ausgerichtet – Bildbearbeitung umfasst jedoch sehr viel mehr und hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Wie in der Fotografie lernt man in Sachen Bildbearbeitung unseres Erachtens nie aus. Man muss sich an den persönlichen Erfolg herantasten und noch viel wichtiger, man muss ein Gespür für Motive und ihre räumliche Wirkung haben. In der Fotofachzeitschrift Docma werden auf für uns amüsante Art und Weise immer wieder Fauxpas von Bildbearbeitern aufgedeckt. Das ist sehr lehrreich auch im eignen Umgang mit Bildbearbeitung und den Fallstricken, die da lauern können.

Seine Bilder zu bearbeiten kann ein entscheidender Schritt zum Erfolg sein. Bewusst muss man sich jedoch darüber sein, dass immer mehr möglich ist, aber eben nicht alles. Nehmen wir hier das Beispiel Bokeh – aus unserer Sicht kommt man hier mit Bildbearbeitung nicht weiter. Bildbearbeitung hilft sicherlich, ein Stückweit nicht so gelungene Fotografien sozusagen retten zu können. Aus einer „schlechten“ Fotografie wird man jedoch mittels Bildbearbeitung nie eine grandiose Aufnahme zaubern können. Bewusst muss man sich zudem sein, dass gekonnte Bildbearbeitung Zeit in Anspruch nimmt. Vielfach braucht man auf Bildbearbeitung nicht zurückzugreifen, wenn man während der Aufnahme das 1 Mal 1 der Fotografie angewendet hat.

Aufgegriffen 08 / 2016

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1 Kommentare

Fotografieren ist auch KÖNNEN. Viele die in dieser Sache Defizite haben, versuchen es dann mit Bildbearbeitung. Denn gute und echte Fotografie ist in der Regel sehr Zeitaufwendig, wo für viele nicht die Zeit aufwenden wollen oder können. Bildbearbeitung ist trotz alledem auch für gute Fotografen notwendig, um ihre Bilder zu optimieren. Es gibt Menschen, die gar nicht fotografieren nur irgend welche Motive zusammensetzen und Erfolge auf Wettbewerbsebene aufweisen. Ich frage? Ist das Fotografie? Trotz alledem hat alles seine Berechtigung, Nur für mich die entscheidende Frage, ist alles Fotografie was mit der neueren Technik zu tun hat?

von Lutz Klapp
04. August 2016, 20:15:31 Uhr

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