Digitaler Nachlass

Ein Thema mit dem man sich beschäftigen sollte

© Blende, Annette Gräf, Paris - Friedhof Pére Lachaise
© Blende, Annette Gräf, Paris – Friedhof Pére Lachaise
Es gibt Themen, die schiebt man gerne vor sich her und dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dem Tod und was aus dem eigenen Nachlass werden soll. Letzterer ist in unserer digitalen Welt nicht mehr nur greifbar mit Fotoalben, Büchern, Schränken und Co. Der digitale Nachlass gewinnt mit den unaufhörlich wachsenden Möglichkeiten immer stärker an Bedeutung – eine Herausforderung für die Hinterbliebenen aber auch für einen selbst. Man sollte sich zu Lebzeiten Gedanken machen und die Augen nicht verschließen, auch wenn es natürlich schönere Themen gibt. Das bedeutet, zu Lebzeiten zu bestimmen, was wir von unseren digitalen Daten auf Computern, Smartphones und Speichermedien der Nachwelt hinterlassen möchten. Bewusst sollte man sich darüber sein, dass die Erben auf das genannte freien Zugang haben – möglicherweise möchte man aber das ein oder andere Geheimnis auf Dauer für sich behalten oder aber andere schützen. Denken wir hier beispielsweise an erotische Aufnahmen des Partners oder von einem selbst. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, beauftragt einen Notar oder einen Nachlassverwalter damit, entsprechende Dateien und/oder ganze Datenträger zu vernichten. Hier sollte man natürlich schon genauestens sondieren, denn natürlich würde es Ihre Erben betrüben, wenn Sie bestimmen, dass beispielsweise all Ihre Bildschätze vernichtet werden sollen. Wie wir alle wissen, sind diese nicht nur ein wichtiges Zeitzeugnis, sondern lassen Erinnerungen nicht verblassen. Wir alle haben Bildschätze aus früheren Jahren zu Hause und auch wenn wir heute mitunter die abgebildeten Personen gar nicht mehr kennen, so tauchen wir immer wieder in diese Zeiten ein und erfreuen uns daran.

Der digitale Nachlass beschränkt sich in der heutigen Zeit aber nicht nur auf die eigenen vier Wände. Jeder der über E-Mail-Konten und Accounts in sozialen Netzwerken verfügt sowie Cloud-Dienste nutzt hinterlässt digitale Spuren. In den Netzwerkgemeinschaften lebt man so lange weiter, bis die Accounts gelöscht werden. Die Erben – und darüber muss man sich im Klaren sein – bekommen nicht automatisch Zugang zu den Online-Diensten. Man muss also entsprechend mit einem Vermerk im Testament vorsorgen oder eine Vollmacht verfügen, welche Online-Konten zu löschen und/oder welche Inhalte vor den Erben geheim zu halten sind.

Den Erben, sofern diese den digitalen Nachlass verwalten, sollte man das Leben nicht unnötig erschweren. Wichtig ist, für sie eine Liste mit den E-Mail-Konten, Accounts in den sozialen Netzwerken sowie genutzten Cloud-Diensten zu erstellen und die Zugangsdaten/Passwörter zu hinterlegen. Nicht nur Vollständigkeit ist wichtig, sondern auch Aktualität. Eine solche Liste, die vor drei Jahren erstellt wurde, kann möglicherweise heute überholt sein. So eine Aufstellung setzt natürlich Vertrauen voraus. Sie kann zusammen im Testament in einem Umschlag hinterlegt sein oder an einem exponierten Platz in der Wohnung. Eine weitere Option ist, diese Liste einer Person seines Vertrauens zu geben oder sie bei einem Notar/Rechtsanwalt zu hinterlegen. Letzteres ist jedoch mit Kosten verbunden und auch zeitaufwendiger. Dies ist beispielsweise dann nachteilig, wenn auf dem E-Mail-Konto auch Rechnungen eingehen und man diese wegen fehlender Zugangsdaten nicht im Blick hat.

Als Alternative zum Notar und Nachlassverwalter kann man sich auch an Unternehmen wenden, die sich auf die Beseitigung der digitalen Spuren spezialisiert haben. Hier ist es jedoch wichtig, sich die angebotenen Dienstleistungen genauestens anzuschauen und darauf zu achten, dass mit den Nutzerdaten datenschutzkonform umgegangen wird.

Aufgegriffen 11 / 2015

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1 Kommentare

Danke dafür! Was man in der heutigen Zeit doch alles bedenken muss...

von Klaus
23. November 2015, 10:08:23 Uhr

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