Fitness-Fotos auf Portalen wie Instagram

Selbstwert und Körperzufriedenheit sinken

Fitness-Fotos auf Portalen
Absolut im Trend liegt das Posten von Aufnahmen vom eigenen Fitnesszustand in Netzwerken wie Instagram. Die hochgeladenen Aufnahmen gleichen wie ein Ei dem anderen. Unter dem Hashtag #fitspiration oder dem Kürzel #fitspo haben Frauen auf Instagram bereits rund 30 Millionen Fotos hochgeladen – ja, Sie lesen richtig, und mit jeder Sekunde werden es mehr. Bei diesem Einheitsbrei wird uns beim Betrachten schnell langweilig, sind die Aufnahmen doch so austauschbar, und wo bleibt die Persönlichkeit, die uns Menschen doch ausmacht? Inhalt der Aufnahmen ist schlank und durchtrainiert, kein Gramm zu viel – ein unverhüllter weiblicher Waschbrettbauch zwischen Sport-BH und sexy Short reiht sich an den anderen. Wir sehnen uns mit jeder Aufnahme, die wir sehen, nach welchen, die diesen beworbenen „Traummaßen“ nicht entsprechen. Aber mit diesen kann man natürlich nicht punkten, geht es doch um jeden Klick, der so wichtig für das eigene Selbstwertgefühl zu sein scheint. Ganz oben, möglichst an erster Stelle, muss man mit seinen Klicks stehen und wer das nicht erreicht, der muss halt mehr trainieren und dem Magerwahn noch stärker unterliegen. Welchem Druck sich all jene aussetzen, liegt auf der Hand und ist für uns beängstigend. Es beginnt ein Wetteifern und dafür werden natürlich auch eigene Grenzen überschritten. Aber nicht nur das, denn bewusst oder unterbewusst schadet man sich und anderen Frauen hinsichtlich des Selbstwertgefühls und der Körperzufriedenheit. Das kann nicht gesund sein. Ja, und missbrauchen wir womöglich nicht auch die Fotografie?

Möglicherweise sehen wir das auch alles zu kritisch – aber wenn sich Wissenschaftler wie kürzlich in Australien mit der Thematik beschäftigen, dann wird dies nicht ohne Grund erfolgt sein. Forscherinnen der Flinders University in Australien haben 130 Frauen im Alter zwischen 17 und 30 Jahren dazu befragt, ob und wie intensiv sie Instagram nutzen. Außerdem wurden Daten zu ihrer aktuellen Laune und Zufriedenheit mit ihrem Körper erhoben. Danach wurden die Frauen in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine sah #fitspiration-Bilder mit Frauen in Sportkleidung, die andere Gruppe sah Reisefotos. Alle Bilder wurden mit inspirierenden Zitaten versehen. Die erneute Messung der Körperzufriedenheit zeigt den Effekt, den die #fitspiration-Bilder auf Frauen haben: Diejenigen, die diese Fotos gesehen hatten, waren mit ihrem Körper unzufriedener als die Probandinnen, die die Reisefotos gesehen hatten. Zusätzlich wurden Fragen zum Selbstwert gestellt: Auch dieser war in der #fitspiration-Gruppe niedriger. Dieser Effekt trat auf, weil sich die Frauen mit jenen auf den Bildern verglichen. Natürlich haben diese Fotos von sportlich durchtrainierten Frauen auch einen positiven Effekt, denn sie inspirieren andere Frauen dazu, mehr Sport zu treiben und sich besser zu ernähren. Repräsentativ ist eine Studie mit 130 Befragten sicherlich nicht – wir fühlen uns aber bestätigt darin, was solche Fotos auslösen können.

Interessant ist für uns, dass auf den wenigsten hochgeladenen Bildern Gesichter zu sehen sind. Dies werten wir sogar eher positiv. Die zur Schau gestellten Körper sind mitunter sehr jung und die eingenommenen Posen aufreizend. Welche Art von Personen diese Art von Bildern ansprechen und welche Gefahren davon ausgehen, darauf müssen wir nicht näher eingehen.

Aufgegriffen 09 / 2015

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2 Kommentare

Frage mich, was die Leute davon haben, ihre Bäuche online zu stellen. Für mich nichtssagend mit dem hier aufgeführten Einheitsbrei. Die Klickraten sind enorm wie die Werbeeinnahmen. Und wie gehen wir mit dem Kummer von Pauline um?

von Dieter
03. September 2015, 20:41:28 Uhr

Bei uns in der Klasse ist ein richtiger Wettkampf entstanden. Ich stehe im Abseits weil meine Eltern es nicht wollen. Das tut echt weh

von Pauline
03. September 2015, 13:45:02 Uhr

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