Fotografische Trends

© Blende, Joshua Kleinspehn, Der Blick nach oben
© Blende, Joshua Kleinspehn, Der Blick nach oben
Jede Zeit hat ihre Trends und so ist es selbstredend, dass auch innerhalb der Fotografie für definierte Zeitabschnitte diese auszumachen sind. Gerade die Fotografie mit ihrer Bandbreite an Sujets ist so vielseitig, das jedes einzelne mitunter durch mehrere Trends geprägt ist. Treibende Kräfte für Trends sind technische Weiterentwicklungen in allen Bereichen des Imagingworkflows ebenso wie Innovationen in anderen Bereichen, die nicht zwangsläufig in der Fotografie beheimatet sein müssen. Trends werden zudem durch gesellschaftliche Ereignisse beeinflusst – wie sehr, darüber gehen die Meinungen auseinander. Einige äußern sich beispielsweise dahingehend, dass die Bildsprache umso romantischer geprägt ist, je größer die persönliche Bedrohung durch Kriege etc. gesehen wird. Im Hinblick auf die Fotografie muss man zudem auch schauen, von wem die Trends gesetzt werden – sind es die Profifotografen und/oder Fotobegeisterten oder beispielsweise die Werbebranche. Einzelne Trends können mitunter dementsprechend unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Nachstehend beleuchtete Trends sind jene, die wir bei der Sichtung von Amateuraufnahmen (Einsteigerfotografen bis ambitionierte Fotografen) im Netz und zu Fotowettbewerben wie unserer „Blende“ ausmachen. Portale wie Instagram, die natürlich inzwischen auch maßgebliche Trends setzen, lassen wir hier nicht außer Acht.

© Blende, Philipp Daweke, Bavenhausen  night
© Blende, Philipp Daweke, Bavenhausen @ night
Windmühle Bavenhausen, Kalletal, mit der (Sommer-) Milchstraße. Dazu als Überraschung, Polarlicht (Aurora borealis) in der unteren linken Ecke (das gelbliche bis in rötliche gehende). Panoramabild aus insg. 70 Bildern, die in 7 Abschnitten nebeneinander gelegt wurden. Nach dem stapeln der Bilder wurde das Polarlicht sichtbar; bestätigt wurde dieses durch den DWD und polarlicht-vorhersage.de.
Schaut man sich derzeit beispielsweise Beiträge zur thematischen Vorgabe Landschaftsfotografie an, so erkennt man unschwer, dass hier Atmosphärisches mit weichgezeichneten Aufnahmen ebenso Konjunktur hat wie fotografische Impressionen in der Zeitspanne zwischen Tag und Nacht. Anregungen für Bildkompositionen sowie Farbenspiel und Stilrichtungen werden verstärkt bei Altmeistern der Malerei gesucht. Die Reduzierung auf das Wesentliche ist ein weiteres sehr beliebtes Stilmittel.

© Blende, Josef Schwarz, An einem Regentag
© Blende, Josef Schwarz, An einem Regentag
Für die Streetfotografie, so unsere Analyse, verschwindet zunehmend die Farbe und fällt somit die Entscheidung für Schwarzweiß. Gerade bei Aufnahmen, die zu Wettbewerben eingereicht oder in Netzwerken hochgeladen werden, sind Personen durch Langzeitbelichtungen und entsprechende Bewegungsunschärfe vorzugsweise unkenntlich gemacht. Dies verwundert nicht, entgeht man so doch der Verletzung des Persönlichkeitsrechtes. Mitunter sind die Aufnahmen sehr duster gehalten. Gerade jüngere Fotobegeisterte üben in ihren Aufnahmen auch Kritik und wollen dementsprechend wachrütteln.

Klare Formensprache kennzeichnet die Architekturfotografie. Langzeitbelichtungen erhalten auch hier Einzug. Wie in der Streetfotografie wird verstärkt auf Schwarzweiß gesetzt. Auszumachen ist zudem die intensive Auseinandersetzung. Da wird nicht nur einfach draufgehalten, sondern intensiv gestaltet mit Ergebnissen, dass die Aufnahmen fern ab sind von den typischen Postkartenmotiven. Sehr beliebt ist zudem die Einbeziehung des Menschen – hier wir mit allen Optionen gespielt. Wert wird auf die architektonisch richtige Darstellung ohne optische Verzerrung gelegt, weshalb auf Hilfsmittel wie Tilt/Shift Objektive zurückgegriffen wird.

© Blende, Eric Geßmann, Into the Blue
© Blende, Eric Geßmann, Into the Blue
Kommen kamerainterne Filter zum Einsatz, so liegt Retro und hier insbesondere die Nachahmung des Sofortbildes mit seinen typischen Farbgebung ebenso im Trend wie die charakteristischen Anmutungen von Filmemulsionen. Interessant und vielfach Wegweisend sind Trends wie sie Instagram aber auch Foto-Apps wie Hipsta setzen.

Blickt man auf die Tierfotografie, so werden auch hier durch technische Weiterentwicklungen der Aufnahmegeräte sowie der Optik Trends hin zu sehenswerten und außergewöhnlichen Momentaufnahmen gesetzt. Dass Genre erfährt zudem eine deutliche Erweiterung hinsichtlich der Objekte, die abgebildet werden. Während beispielsweise Schafe in den 80iger Jahren besonders beliebt waren sind es heute Hirsche und Co. die verstärkt ebenso im Fokus stehen wie beispielsweise Greifvögel. Entsprechend der Farbenpracht der Tierwelt wird gezielt mit Farbe gespielt – hier werden extreme herausgearbeitet von enormer visueller Kraft.

© Blende, Heiko Gerlicher, Nebelmorgen
© Blende, Heiko Gerlicher, Nebelmorgen
Vielfach ist aktuell von Bilderdoping zu lesen, weil Fotografen, inspiriert von Instagram-Filter sowie HDR-Bilder, Kontrast und Farbigkeit extrem anheben. Kritiker äußern sich gar dahingehend, dass sich diese Aufnahmen immer weiter von der gesehenen Realität entfernen und festgehaltenes bewusst dramatisiert wird. Ziel der Extremen sei ausschließlich, sich mit seinen Aufnahmen von der Masse abheben zu wollen. Dabei würde aber verkannt, dass der Effekt seine Besonderheit verliert, wenn die große Menge an Fotografien immer bunter und lauter wird.

Wie Getty Images, einer der weltweit wichtigsten Bildagenturen, so konstatieren auch wir hinsichtlich der aktuellen Bildsprache ein „Zurück zur Einfachheit“ also die Konzentration auf das Wesentliche. Das klingt zunächst einfach, ist aber höchst herausfordernd für Fotografen.

Ein allgemeiner Trend über alle fotografischen Genres ist, dass Bilder bewusst pseudo-amateurhaft anmuten in der Annahme, dass sie dann besonders authentisch erscheinen. Ob man hier bewusst etwas der Hochglanz-Werbung durch solche Aufnahmen entgegensetzen möchte kann nur vermutet werden.

Aufgegriffen 08 / 2016

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1 Kommentare

„Zurück zur Einfachheit“ Ich kann mich dem nur anschließen. Beim Anschauen eines Fotos versuche ich mich in die Lage des Fotografens zu versetzen, um somit Teil des Szene zu werden. Bei vielen künstlich dramatisierten Bildern gelingt mir das nicht. Hier hört für mich die Fotografie auf und beginnt Artificial Art. Mal sehen, ob die Jury des Blende-Wettbewerbs diesem erfreulichem Trend folgt.

von Steffen
11. August 2016, 11:14:59 Uhr

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