Fotojurys - Sind sie gerecht und objektiv?

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© Blende, Jens Gutberlet, Blitzkarriere

Eine Frage gleich zu Beginn eines Beitrages mit einem klaren Nein zu beantworten macht es möglicherweise obsolet, diesen weiter zu lesen. Auf der anderen Seite provoziert dieses klare Nein zum Lesen ebenso, wie es möglicherweise eine weitere Frage aufwirft, ob es dann eigentlich noch Sinn macht, bei Fotowettbewerben den Wettstreit und die Herausforderung anzunehmen. Letzteres können wir mit einem klaren JA beantworten, denn außerhalb der Jurys gibt es Bildkritiker mit ihren Sternchen, Kommentaren oder beispielsweise Likes, deren Stimmen ebenso wichtige Impulsgeber sind, wie die Bewertungen von Jurys.

Gerechtigkeit und Objektivität

Nun, bevor wir auf das Handeln von Fotojurys eingehen, schauen wir uns erst einmal die Definition von Gerechtigkeit an. Weltweit wird Gerechtigkeit als Grundnorm menschlichen Zusammenlebens betrachtet. Dies ist der Grund dafür, dass sich in allen Staaten Gesetzgebung und Rechtsprechung auf sie berufen. Natürlich wird bei Jurysitzungen das höchste Maß an Gerechtigkeit angestrebt. 100 prozentige kann unseres Erachtens aber nicht erwarten werden, auch wenn demokratische Abstimmungsverfahren in Jurysitzungen schon für ein hohes Maß an Gerechtigkeit stehen.

Der Beurteilung von Bildeinsendungen liegen verschiedene Kriterien, wie beispielsweise die Umsetzung der thematischen Vorgabe, des Ästhetisch-formalen sowie des Handwerklich-technischen zu Grunde. Schon bei der thematischen Interpretation kann die Gerechtigkeit aus unserer Sicht auf der Strecke bleiben. Die Meinungen können hier, auch in Bezug auf das Motiv, sehr weit auseinanderdriften. Wenn ein Juror eine Spinnenphobie hat, dann wird man ihn wahrscheinlich nur schwer mit so einer Aufnahme überzeugen können. Dann nützt es auch schlussendlich nichts, wenn die Aufnahme ästhetisch-formal sowie handwerklich-technisch perfekt ist. Gerechtigkeit, so unsere Erfahrung, kann aber auch sehr schnell auf der Strecke bleiben, wenn die Teilnehmer mit ihren Einsendungen extremen fotografischen Trends folgen und zwar hinsichtlich der Motivwahl, aber auch in der fotografisch-technischen Umsetzung. Das Inflationäre bietet nicht nur unendlich viele Vergleichsmöglichkeiten, sondern beraubt Juroren möglicherweise auch ihrer Objektivität.

Objektivität bei Individuen, und dies sind nun einmal Juroren, zu erwarten, ist ein hehres Ziel, das sie sich auch selbst auferlegen. Dennoch ist diese nicht umfänglich für sie realisierbar. Die Geschmäcker eines jeden Einzelnen aber auch Vorlieben -, die natürlich auch dem Zeitgeist unterliegen – gehen nun einmal auseinander. Das ist auch gut so, denn nur so bleibt uns, zum Beispiel in Bezug auf die Fotografie, die visuelle Vielfalt garantiert, die zugleich auch Inspirator ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass jede Veränderung in der Zusammensetzung einer Jury auch ein anderes Ergebnis hervorbringen wird. Veranstalter von Fotowettbewerben sind durch die Zusammensetzung der Juroren bestrebt, ein hohes Maß an Objektivität sicherzustellen. Juroren haben ihre Steckenpferde – in der Mischung ihrer unterschiedlichen Sichtweisen erhöht dies die Objektivität im Ganzen und damit auch die Gerechtigkeit.

Seelenleben der Juroren

Mit unserer einmal jährlich stattfindenden Jurysitzung, der bundesweiten Endausscheidung von „Blende“, haben wir in 40 Jahren reichlich eigene Erfahrungen sammeln dürfen. Diese gewähren dementsprechend tiefe Einblicke in das Seelenleben der Juroren bei der ihnen aufgetragenen Aufgabe. Juroren sind auch nur Menschen, die natürlich wie jeder einzelne von uns auch äußeren Einflüssen unterliegen, die auf die Bildbewertungen Einfluss nehmen können. Nehmen wir hier nur das Wetter. Ist es grau in grau so ist das Stimmungsbild ein anderes als wenn draußen herrlichster Sonnenschein ist. Dass dies auch Einfluss auf die Bewertung der Aufnahmen haben kann liegt auf der Hand. Ungeachtet dessen vollbringen die Juroren Höchstleistungen, wenn sie hunderte Aufnahmen in einem kurzen Zeitfenster in Augenschein nehmen und bewerten. Auf den Juryteilnehmern lastet unseres Erachtens eine große Portion Verantwortung – derer sie sich auch bewusst sind – mit der Gefahr, dass einzelne Jurymitglieder sogar ihren Ruf einbüßen können, wenn die festgelegten Siegerbilder nicht auf Zustimmung von Außen stoßen. Gerechtfertigt ist dies in keinem Fall. Man muss schlichtweg bedenken, dass Jurysitzungen ein höchst demokratischer Prozess von mehreren Bewertungsdurchgängen sind und man als einzelnes Jurymitglied auch von den anderen Teilnehmern überstimmt werden kann. Das ist übrigens oftmals schmerzlich und glauben Sie uns, die Diskussionen, die dann geführt werden, sind mitunter recht hitzig. Jeder Juror kämpft um seine persönlichen Favoriten und muss sich gegebenenfalls Beugen, wenn es die übrigen Juroren anders sehen.

Aufgegriffen 09 / 2016

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