Fotoprojekt: Eine begrenzte Zeit - Den Tod vor Augen?

Fotoprojekt: Eine begrenzte Zeit - Den Tod vor Augen?
Es gibt Momente im Leben, da ist die Fotografie Nebensache, weil wir im Familien- und Freundeskreis von negativen Nachrichten, wie Krankheiten, umgeben sind. Einen uns nahestehenden Menschen beispielsweise im Krankenhaus zu fotografieren, dass liegt den meisten von uns fern, außer es hat eine Umkehrung zum Guten eingesetzt, mit dem Ergebnis, wieder positiv in die Zukunft blicken zu können. Immer wieder zeichnen schwer Erkrankte selbst ihren Lebenslauf auf und nutzen die sozialen Netzwerke, um zu berichten aber auch, um Kraft daraus zu ziehen. Wir ziehen den Hut vor ihnen – mit Populismus hat das nichts zu tun, sondern mit Ehrlichkeit und sicherlich vielfach auch, um der eigenen Ohnmacht zu begegnen. Diese Fotografien haben eine Kraft, die Sprache unnötig macht. Die Fotos und damit die Lebensgeschichten dahinter gehen unter die Haut, sie lassen mitfühlen und geben auch denjenigen Kraft, die selbst betroffen sind. Die Fotografie wird dabei zur Therapie und eben nicht nur für denjenigen der erkrankt ist, sondern auch für den Familien- und Freundeskreis, aber auch für alle Außenstehende und hier nicht nur für diejenigen, die das gleiche Schicksal teilen.

Nicht jeder Erkrankte hat die Kraft oder auch den Mut, die durch Krankheit ausgelösten Veränderungen fotografisch zu dokumentieren. Als den Personen nahestehender könnte man dies übernehmen, doch das scheint aus vielen und welchen Gründen auch immer so fern. Dabei sollten wir gerade jetzt fotografieren und die gemeinsamen Momente, die uns bleiben, für die Ewigkeit festhalten. Eine Gradwanderung für den Erkrankten ebenso wie für uns, die wir es doch in der Regel gewohnt sind, als Fotobegeisterte nur die Momente festzuhalten, die schön sind.

Sind wir diejenigen, die als Außenstehender den Auslöser betätigen, so sollten wir den Menschen in unser Vorhaben einbeziehen. Dazu gehört auch, aufzuzeigen warum wir diese Stationen in Fotografien festhalten möchten. Wichtig für die Bereitschaft ist sicherlich auch mitzuteilen, was wir mit den Fotografien machen möchten. Sind sie nur für uns ganz privat und verlassen sie dementsprechend nicht den privaten Raum, so wird die Akzeptanz sicherlich größer sein. Wichtig ist, Grenzen zu beachten denn das Letzte was man möchte ist, den Gegenüber bloßzustellen. Natürlich ist dies eine Gradwanderung, denn wo fängt dieser Moment an. Die Antwort erhält man eventuell dann, wenn man sich selbst hinterfragt, ob man in der Situation XY abgelichtet werden möchte.

Auch, wenn den Fotografien alle Kraft innewohnt, so bietet sich die Kombination mit Sprache an und zwar mit den Gedanken und Empfindungen des Erkrankten und den eigenen. Alles zusammen lässt sich in einem selbstgestalteten Fotobuch vereinen.

Aufgegriffen 09 / 2016

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