Fotoverbote und kostenpflichtige Fotoerlaubnisse oder wie man sich am besten selbst ins Knie schießt

© Blende, Elke Mayer, Marburger Landgrafenschloss
© Blende, Elke Mayer, Marburger Landgrafenschloss
Im Urlaub nutzen wir begeisterten Fotografen die Zeit, mal wieder ausgiebig Sehenswürdigkeiten zu besuchen und abzulichten. Natürlich möchten wir die besten Schüsse auch gerne zeigen und begeistert erzählen, was uns so viel Freude gemacht hat. Man sollte meinen, dass die meisten Locations froh darüber sind, denn schließlich ist das kostenlose Werbung. Eine ganze Marketing-Richtung propagiert gar das „Word of mouth“ als effektivste Methode zur Kundengewinnung. Dummerweise hat sich das an vielen Stellen noch nicht herumgesprochen und uns Fotografen werden Steine in Form von Foto-Veröffentlichungsverboten oder kostenpflichtigen Fotoerlaubnissen in den Weg gelegt.

© Photoglobus, Andreas Joedicke, Schloss Hohenschwangau
© Photoglobus, Andreas Joedicke, Schloss Hohenschwangau
Es ist zwar einzusehen, dass das Fotografieren mit Blitz vor allem in Kunstsammlungen nicht erlaubt ist, da die starke Lichtstrahlung die Kunstwerke schädigen könnte. Allerdings leuchtet uns nicht ein, inwieweit das Fotografieren ohne Zusatzlicht ein konservatorisches Problem sein sollte. Einzig an Orten, wo extrem viele unbedarfte Touristen unterwegs sind, die den Ausschalter für den Blitz nicht finden, ist uns noch verständlich, warum man das Fotografieren schließlich ganz verbietet. Denn auch wenn nur jeder 100. die Mona Lisa mit Blitz fotografiert, weil er es einfach nicht hinbekommt, diesen zu deaktivieren, macht das bei der Menge der Besucher eine enorme Belastung für das historische Kunstwerk aus. Für ein Provinzmuseum in Hintertupfingen, das mit Glück am gesamten Wochenende mal 100 Besucher hat, dürfte das aber kaum ein Problem sein.

© Photoglobus, Petra Esperling, Berlin Schloss Charlottenburg
© Photoglobus, Petra Esperling, Berlin Schloss Charlottenburg
Warum gibt es dann trotzdem so häufig Fotoverbote in Museen und Sehenswürdigkeiten? Ein Grund scheint die Sorge zu sein, dass weniger Ansichtskarten und Bücher verkauft werden und damit eine weitere Geldquelle versiegt. Einige vermeintlich ganz clevere Locations verlangen daher für eine Fotoerlaubnis eine Art Ausgleichs-Obolus. Für professionelle Fotografen – auch solche, die journalistisch arbeiten und die Fotos etwa in einem Reiseführer veröffentlichen wollen – wird es bei einigen, wie z.B. der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), sogar empfindlich teuer und kann in den höheren dreistelligen Bereich reichen. Da ärgert sich der Bundesbürger, der mit seinen Steuergeldern diese Orte und die nötige Verwaltung sowieso schon stark subventioniert.

Auch fragen wir uns, ob das wirklich schlau ist? Ist es nicht gerade umgekehrt so, dass Fotografen, indem sie herausragende Bilder von Locations in sozialen Netzwerken oder auf ihrer Homepage posten, anderen Lust darauf machen, den Ort ebenfalls zu besuchen und damit Eintrittsgeld in die Kassen spülen? Insofern fordern wir die Abschaffung von Fotoverboten in Sehenswürdigkeiten und Museen und finden, dass wir Fotografen sogar eher einen Preisnachlass bekommen sollten, wenn wir unsere Bilder nachher posten!

Aufgegriffen 09 / 2015

10 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
2 Kommentare

Der Artikel bringt es auf den Punkt, wenn ich Aufnahmen von einem sehenswerten Ort oder Gebäude sehe, dann würde ich auch gern dorthin fahren und mir ansehen. Die Orte oder Museen etc. würden also profitieren, das sehe ich genau so.

von Jutta Skroch
11. September 2015, 00:08:33 Uhr

Sehe nicht ein fürs Fotografieren zu zahlen. Mit Steuergeldern trägt jeder zu Erhalt bei. Zudem wirbt jeder mit seinen Bildern für die Objekte und sorgt für Besucher die oftmals Eintitt zahlen müssen. Wenn die Bilder kommerziell genutzt werden dann ist eine Gebühr für mich i.O.

von Paula R.
10. September 2015, 21:40:42 Uhr

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden