Kommt der Drohnenführerschein?

© wiwiphoto, ulrich wirrwa
© wiwiphoto, ulrich wirrwa
Wenn Sie demnächst in Urlaub fliegen, schauen Sie aufmerksam aus dem Fenster. Vielleicht sichten Sie, ähnlich wie Lufthansa-Flug LH-1614 von München nach Warschau, ein unbemanntes Flugobjekt. Bevor Sie jetzt an Ufos glauben: Es handelte sich um eine Fotodrohne (auch „Multicopter“ genannt). Der Vorfall war leider keine Ausnahme, denn auch die britische Flugaufsicht registrierte einen ähnlichen. Die Geräte (f)liegen im Trend: Durch sinkende Preise können sich mehr und mehr Fotografen die fliegenden Kameras leisten. Uns begegnete dieser Tage schon morgens eine beim Einkaufen.

Angeheizt wird der Hype durch Fotos und Videos im Internet, die die Welt aus ungewöhnlicher Perspektive zeigen. Als neuester Spaß werden gar Drohnen-Wettrennen gehandelt, bei denen die Flugkameras schnellstmöglich über einen Parcours gesteuert werden müssen. Die Aufnahmen sind faszinierend und lassen uns erschreckt ausweichen, wenn das nächste Hindernis im Bild immer näher kommt. Spätestens dann bekommen alle verspielten Technik-Käufer (und sind wir das nicht fast alle ein bisschen?) Lust auf die Anschaffung einer eigenen Drohne.

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man sich nicht an der Fernbedienung sieht, sondern gemütlich auf dem Balkon sitzend und ein Multicopter einen lärmend ungekämmt im Schlafanzug oder gar unbekleidet fotografiert beziehungsweise filmt. Auch die Piloten des Fluges LH-1614 waren wenig erfreut: „Das ist wirklich gefährlich“, schimpften sie mit dem Tower. Auch, wer gemütlich in der Stadt oder im Park unterwegs ist, wird keine Lust auf lärmende Sicherheitsrisiken haben, die drohen, einem selbst oder den Lieben auf den Kopf zu fallen. Der erfahrene Hamburger Drohnen-Pilot und -Experte Ulrich Wirrwa beruhigt allerdings: „Derzeit sind die Gefahren durch Multicopter verglichen mit denen, denen wir jeden Tag im Straßenverkehr ausgesetzt sind, verschwindend gering.“

Dennoch sind bereits mehrere Unfälle mit Drohnen passiert. Am spektakulärsten war einer in Bochum auf der A40, bei dem eine Drohne gegen die Frontscheibe gekracht ist, als der Fahrer gerade von der Autobahn abfahren wollte. Dass niemand einen ernsthaften gesundheitlichen Schaden davon trug, war der Reaktionsschnelligkeit des Fahrers und Glück zu verdanken. Auch in Itzstedt ist es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Dort krachte die Drohne aufs Autodach. Zum Glück stand die Fahrerin gerade an einer Ampel, so dass auch dieser Unfall glimpflich verlief. Hört man solche Fälle, möchte man sich gar nicht ausmalen, wie es sein wird, wenn immer mehr Drohnen von immer ungeübteren Piloten eingesetzt werden. Selbst ein erfahrener Kopter-Steuerer wie Ulrich Wirrwa, der bereits über 300 Flugstunden absolviert hat, gibt zu, dass er schon mehrere „außerplanmäßige Landungen“ hatte.

Da liegt es nahe, nach schärferen gesetzlichen Regelungen zu rufen, damit bei Abstürzen nichts und niemand zu Schaden kommt. Schaut man sich aber mal genauer an, was erlaubt ist, stellt man fest, dass es bereits recht strenge Auflagen gibt, die in der Luftverkehrsordnung verankert sind (siehe im Detail unseren Beitrag „Fotodrohnen – Sechs Regeln für sorgloses Fliegen“). Allerdings gelten einige Auflagen, wie etwa die Einholung von Fluggenehmigungen, nur für den gewerblichen Einsatz. Wer privat oder vorgeblich privat eine Drohne fliegt, muss sich nur an einige wenige Grundregeln, wie etwa den Flug auf Sicht und das Verbot des Fliegens über Menschen, halten.

Leider ist selbst das den privaten Piloten oft nicht bekannt. In anderen Ländern werden deshalb den Koptern schon beim Kauf Hinweisblätter beigelegt, die die wichtigsten Regeln zusammenfassen. Sehr gut gefällt uns auch die Initiative der britischen Luftfahrtbehörde Civil Aviation Authority (CAA), die einen Info-Film im Comic-Stil für Piloten-Greenhorns erstellt hat:

Beides fänden wir hierzulande auch eine gute Initiative. Wer die Aufnahmen dagegen professionell verwenden möchte, muss sowieso eine „Aufstiegserlaubnis“ beantragen. In einigen Bundesländern ist sie sogar für jeden einzelnen Flug einzuholen. Um sie zu erhalten, ist in der Regel ein Nachweis über die Kenntnis der Regeln und über die eigenen Flugfähigkeiten zu erbringen. Dafür müssen die Kopter-Piloten in Hamburg zum Beispiel, ähnlich wie bei einer praktischen Fahrprüfung, einen Parcours abfliegen und dabei bestimmte Aufgaben bewältigen. Für Profis gibt es also bereits eine Art „Drohnenführerschein“ – wenn auch noch nicht so einheitlich wie beim KFZ geregelt ist, welche Anforderungen dafür genau zu erfüllen sind und wie die Prüfung aussehen muss.

Kommt eine solche Regelung auch für den privaten Flug? Das erscheint eher unwahrscheinlich, denn sie wäre mit relativ hohen Kosten sowohl für den Staat als auch für die Bürger verbunden. Es läge näher, das Fliegen für Privatpersonen auf bestimmte Bereiche, wie Privatgelände und Modellflugplätze, zu beschränken. Nötig wird das aber nur, wenn die Probleme mit Drohnen so groß werden, dass man eine schützende Regelung braucht. Daher unser Appell an alle, die sich von der Drohnenbegeisterung mitreißen lassen: Halten Sie sich an die geltenden Auflagen und vor allem die Grundregel der Rücksicht! Profis wie erfahrene Drohnen-Racer machen es vor: Sie suchen sich einen Platz, wo sie niemanden stören und sperren ihr Fluggebiet sorgfältig ab. Wenn sich alle umsichtig verhalten, können Spaßbremsen, wie eine Beschränkung auf Modellflugplätze oder ein Drohnenführerschein, wahrscheinlich noch abgewendet werden.

Aufgegriffen 08 / 2015

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2 Kommentare

Die Fernsteuerung von Drohnen ist gar nicht so einfach, diese Erfahrung musste ich machen. Meine Empfehlung ist gerade für Einsteiger ein Übungswochenende mit jemanden, der schon Erfahrung hat. Das bringt Sicherheit für einen selbst. Gruß Michi

von Michael
06. August 2015, 15:09:02 Uhr

Ob es einen Drohnenführerschein geben wird? Nichts ist doch unmöglich ... Vorstellen kann ich mir aber, dass es immer mehr Vorschriften geben wird und Gebiete, wo man sie nicht fliegen lassen darf. Das wird dann ähnlich laufen wie mit dem Selfie-Stick. Was Spaß mach verbietet man.

von Ralf
06. August 2015, 12:53:14 Uhr

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