Negativ als Auslaufmodell - Bitte nicht bei uns!

In den USA bekommt der Kunde seine Negative nicht mehr zurück
In den USA bekommt der Kunde seine Negative nicht mehr zurück.
In den Vereinigten Staaten hat sich ein Trend breit gemacht, der Fotografen die mit Film fotografieren, das Blut in den Adern gefrieren lassen dürfte. Wie das Magazin PetaPixel berichtet, werden Negative, die zur Entwicklung in ein Labor gegeben werden, vernichtet. Ja, Sie lesen richtig. Stattdessen erhält der Kunde neben seinen Abzügen nur noch eine CD mit den Scans.

Das Magazin hat bei mehreren großen Ketten nachgefragt, die Filme jeweils in Großlaboren entwickeln lassen. Bei fast allen ist es inzwischen so, dass die Kunden ihre Negative nicht mehr zurückbekommen. Wer später einmal weitere Abzüge bestellen möchte, hat nur noch die CD mit den Scans. Namentlich nennt PetaPixel Walmart, Walgreens und CVS, drei Ketten, die in den Vereinigten Staaten omnipräsent sind.

Dabei ist ein Scan eines Negativs keineswegs ein gleichwertiger Ersatz. Sicher ist es möglich, Negative heute so zu scannen, dass alle Informationen, die auf dem Film gespeichert sind, auch in der Datei landen. Man muss aber davon ausgehen, dass ein maschinell erstellter Scan eben diese Anforderungen nicht erfüllt. Somit ist schon mit dem Scan ein Qualitätsverlust verbunden, der sich anschließend nicht mehr einholen lässt, schließlich werden die Negative vernichtet.

Prinzipiell ist auch die Speicherung von Informationen auf CDs nicht das Gelbe vom Ei. Denn CDs altern vergleichsweise schnell. Als die ersten CD-Brenner für den Hausgebrauch auf den Markt kamen, versprachen die Hersteller von CD-Rohlingen eine Haltbarkeit von 60 Jahren oder mehr. Die Praxis hat gezeigt, dass viele CDs schon nach wenigen Jahren nicht mehr ganz lesbar sind. Wer also seine Negative digitalisiert erhält und für Zukunft sichern will, wird um umfangreiche, redundante Datensicherungen nicht herumkommen.

Die Ersparnis der Labors beschränkt sich dabei wohl auf das Schneiden und Verpacken der Negative. Da das Schneiden automatisch erfolgt, ebenso das Verpacken, scheint alleine das Material der Negativhüllen diesen Rückschritt zu rechtfertigen. Sicher, wer mit einer Kompaktkamera einen Film im Jahr knipst, zu Weihnachten, am Geburtstag und dann noch beim Familienausflug, kann möglicherweise auch mit einer CD glücklich werden. Wer sich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt, wird aber Wert darauf legen, dass die Negative im eigenen Archiv landen.

In Deutschland sind solche Pläne bisher nicht bekannt, hier werden Negative nach wie vor an die Kunden zurückgegeben. Wir hoffen, das bleibt auch so.

Aufgegriffen 08 / 2015

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2 Kommentare

Das kann doch nicht wahr sein die Negative sind doch mein Eigentum

von Ralf
06. August 2015, 17:00:32 Uhr

Gut zu wissen wenn man in den USA seine Filme weggibt. DANKE

von Timo
03. August 2015, 18:10:45 Uhr

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