Schönheitsvergleiche anhand von Bildern

Die Tücken des Automatismus

Da war der Künstler offenbar ziemlich gut
Da war der Künstler offenbar ziemlich gut
Schönheitsvergleiche anhand von Bildern sind im Netz der Renner – das Internet ist mit seinen Algorithmen damit der ideale Raum für Bewertungen. Es verwundert daher nicht, dass Bewertungssoftwaren wie die Pilze aus dem Boden sprießen. So hat die Eidgenössisch Technische Hochschule (ETH) in Zürich nicht nur so manchen Nobelpreisträger hervorgebracht – der bekannteste dürfte Albert Einstein sein – sondern jetzt auch einen automatischen Schönheitsdetektor. Dieser ist im Netz der Renner. Wie zu lesen ist stürmten innerhalb eines Tages über zwei Million Menschen auf die Seite, um sich bewerten zu lassen. Wir gehörten mit zu jenen, wollten wir doch in Erfahrung bringen, wie zuverlässig ein solches Tool ist. Spannend, das können wir nicht leugnen, ist es in jedem Fall schon.

Das Computer Vision Lab der ETH Zürich hat das Programm, das es gleichzeitig auch als App gibt, programmiert – Hier zu finden: https://howhot.io/. Um es vornweg zu nehmen: Schönheit liegt im Auge des Betrachters – Schönheit lässt sich für uns nicht absolut im Bild festhalten und dann ausrechnen. Dennoch hat dieser Schönheitsdetektor unsere Neugierde geweckt denn wir möchten natürlich wissen, inwieweit die Software unseren Schönheitsidealen entspricht und wie zuverlässig sie arbeitet.

Was ist schön und was nicht? Die Programmierer haben sich der Daten einer Schweizer Dating-Community bedient. Die Software sollte also erkennen, was der Schweizer an sich schön findet, gestaffelt in sechs Stufen. Automatismen haben natürlich einen Nachteil, denn die Software kann mitnichten einen Denkvorgang simulieren – sie kann nur aus vorgegebenen Daten eine Berechnung anstellen und dann das Ergebnis ausspucken, der berühmt-berüchtigte Algorithmus.

Auch Schimpansen sehen gut aus. Foto - Thomas Lersch (CC BY-SA)
Auch Schimpansen sehen gut aus. Foto – Thomas Lersch (CC BY-SA)
Heidi Klum ist allgemein als schön anerkannt. Ob sie nun in die höchste Stufe der Software gehört („Godlike“) oder in die darunter („Stunning“) sei mal dahingestellt. Aber siehe da: Zehn Bilder bringen vier verschiedene Ergebnisse. Zehn Bilder derselben Person, alle aus einem ähnlichen Zeitraum und zwei davon sogar bei gleicher Gelegenheit fotografiert. Das Spektrum der Ergebnisse reicht von der höchsten bis zur drittniedersten Stufe. Und dann stellt sich für uns eben doch die Frage: Kann eine Software etwas so subjektives wie Schönheit bestimmen?

Vielleicht war Frau Klum auch nur die Ausnahme? Vielleicht waren die Bilder zu unterschiedlich? Waren sie nicht, wir haben nochmal geprüft, ein Fotomodell, ein Tag, immer der gleiche Look, immer der gleiche Fotograf, drei verschiedene Ergebnisse. Es ist ein bisschen wie Lotto spielen.

Wie Schönheit wahrgenommen wird, ist eine Frage, der die Psychologie schon lange nachgeht und die immer mal wieder beantwortet wird. Da wird der Abstand zwischen den Augen ins Verhältnis zur Nasenlänge und der Breite des Mundes gesetzt. Und wenn alle Parameter stimmen, dann ist eine Person „schön“. Oder gutaussehend langweilig. Schönheit liegt wie so vieles im Auge des Betrachters. Und das menschliche Gehirn kann Dinge, die eine Software, die nur ein Bild analysiert, nicht kann. Der Mensch kann sein Gegenüber sprechen hören, er kann seine Bewegungen verfolgen und so ein komplexes Bild entwickeln. Der Mensch kann Gefühle empfinden – von Abscheu bis Liebe – und all die verschiedenen Eindrücke sammeln und zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

Und auch dieser Zeitgenosse ist noch nett
Und auch dieser Zeitgenosse ist noch nett
Und hier scheint der Hund begraben zu liegen. Denn wenn die Daten einer Dating-Plattform verwendet werden, wird sich dort irgendwann ein Typus Mensch durchsetzen, den viele schön finden. Das ist wie bei allen Abstimmungen, irgendwann liegt einer vorne. Da mögen hinterher die Wissenschaftler lange gerechnet und programmiert haben, sie können doch nur die vorhandenen oberflächlichen und vor allem eindimensionalen Daten bewerten und damit ihre Software füttern. Das Schönheitsideal scheint dem mit Photoshop optimierten Hollywood-Gesicht vom Zeitschriftenstand zu entsprechen. Immerhin, sehr jungen Gesichtern wird die Berechnung verweigert. Leuten, die im Profil gezeigt werden, auch.

Auch wenn diese Software eine Spielerei ist, ist klar, dass damit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Gesichtserkennung ist ein lukrativer Markt, schließlich gibt es unzählige mögliche Einsatzbereiche, wenn eine Software erkennen kann, wie eine Person gerade gelaunt ist, ob sie gesund und zufrieden oder eher unglücklich ist. Dann wird wieder der Algorithmus des Programmierers zuschlagen und den Mensch in eine Kategorie stecken. Und dann wird Ihnen vielleicht irgendwann der Zutritt zur Disco verweigert, weil sie einen schlechten Tag haben. Oder weil der Computer meint, dass Sie einen schlechten Tag haben.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/howhot-algorithmus-macht-den-schoenheits-check-a-1070898.html

Aufgegriffen 01 / 2016

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1 Kommentare

Klasse dass Ihr zum Test ein Bild von einem Affen genommen habt

von Paula
21. Januar 2016, 08:34:18 Uhr

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