Schöne neue Welt - Haben Smartphones in 10 Jahren ausgedient und werden durch HMDs ersetzt?

Schöne neue Welt - Haben Smartphones in 10 Jahren ausgedient und werden durch HMDs ersetz?
Jetzt müssen Sie tapfer sein und mit Ihnen Millionen andere Menschen auch. Die „eierlegende Wollmilchsau“, unser so heiß und innig geliebtes Smartphone, das derzeit unsere Haupteinstiegsdroge in die virtuelle Welt ist, das unter anderem den Selfie-Wahn ausgelöst hat und welches die Kommunikation mit Bildern grundlegend verändert hat, dieses Gerät brauchen wir in 10 Jahren nicht mehr, wenn es nach dem Marktforschungsinstitut Gartner geht. Hier hat man in die Zukunft geschaut und das nicht nur 3 bis 5 Jahre wie sonst üblich sondern ganze 10 Jahre. Das ist, gemessen an einem Menschenleben, eine kurze, aber in Bezug auf technologischen Fortschritt eine verdammt lange Zeitspanne. Lassen Sie einfach mal für sich die letzten zehn Jahre Revue passieren – es sind Meilensteine der technologischen Veränderungen passiert.

Wie Analysen zeigen, ist das Smartphone heute der Ansprechpartner der ersten Sekunden, wenn man erwacht. In zehn Jahren, so das Szenario, wachen Sie auf, setzen Ihre Kontaktlinsen ein. Hier haben Sie nicht nur die Uhrzeit programmiert und bekommen diese angezeigt, sondern auch das Datum und den Tageskalender mit den anfallenden Aufgaben. Aus dem Fenster brauchen Sie gar nicht mehr schauen, denn selbstredend bekommen Sie das aktuelle Wetter, visualisiert in Form von Regen, Sonne, Schnee etc., angezeigt. Beim Blick auf Ihren Partner wird die Gesichtserkennung aktiviert – womöglich bekommen Sie auch noch den Namen eingeblendet, damit Verwechslungen ausgeschlossen werden – und Sie erhalten Informationen, ob heute der Hochzeitstag ist oder wann beispielsweise der Geburtstag ansteht. Die Körperpflege wird Ihnen noch nicht abgenommen, aber wenn Sie danach in die Küche eintreten, dann kommt es natürlich wieder zu Interaktionen. Es erscheint die virtuelle Tastatur, mit der Sie Ihre Vorräte überprüfen – eventuell gibt es gar schon eine Verbindung zwischen Ihren Kontaktlinsen und dem Inneren Ihres Kühlschrankes, ohne diesen öffnen zu müssen. Sie bekommen nicht nur die Lebensmittel angezeigt, sondern virtuell natürlich auch gleich Vorschläge der Zubereitung. Immer wieder blendet sich Werbung ein – selbstredend auf Grundlage des von Ihnen bereits ermittelten Konsumverhaltens … Schöne neue Welt? Aus heutiger Sicht betrachtet sicherlich nicht, aber es wird in Teilbereichen sicherlich so kommen. An der virtuellen Tastatur wird bereits gearbeitet, Apple hat kürzlich dazu erst ein Patent eingereicht.

Die Marktforscher Annette Zimmermann, Tuong Huy Nguyen und Brain Blau von Gartner gehen davon aus, dass die Verbindung zwischen Mensch und Computer auf eine ganz neue Ebene gestellt wird. Nun da sind sie sicherlich keine Hellseher, denken wir beispielsweise an die künstliche Intelligenz, an der unter anderem Facebook intensiv forscht. Wir berichteten kürzlich erst über Datenbrillen und sicherlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Bildschirm der Smartphones endgültig dauerhaft in den Kopfbereich wandert. Die Rede ist vom sogenannten head-mounted display (HMD). Nach Ansicht der Analysten sollen schon 2030 solche neuen „Interfaces“, Schnitt- und Nahtstelle zwischen Mensch und Computer, in 80 Prozent aller Fälle genutzt werden.

Nun stellt man sich natürlich die Frage, warum wir deshalb „Goodbye Smartphone“ sagen müssen. Hier sagen die Analysten von Gartner, dass Smartphones unsere Aufmerksamkeit nach unten lenken, also weg von der Welt. Dies sei alles andere als gut. Mit HMDs, so die Analysten, wird unser Blick wieder auf unsere Welt nach oben – also unsere Umgebung – gelenkt. Zudem werden wir mit Informationen versorgt und sparen Zeit, weil der immer wieder auf das Smartphone gerichtete Blick entfällt. Gartner geht davon aus, dass der Jahresabsatz an HMDs im Jahr 2019 bei deutlich mehr als zwei Millionen Stück liegen dürfte. Gartner rechnet mit einer Vielzahl an Formen und Größen – ob eingebaut/integriert in Brillen, Helmen oder Hüten. Die Analysten sind sich sicher, dass die Entwicklung von HMDs ähnlich verlaufen wird wie die der Smartphones. Sobald von der Gesellschaft die Vorteile erkannt werden und die Hindernisse, wie soziale Ausgrenzung oder beispielsweise Eindringen in die Privatsphäre, wegfallen, wird die Akzeptanz steigen.

Wir fragen uns natürlich, was sein wird, wenn Smartphones in 10 Jahren in die Bedeutungslosigkeit abrutschen. Der Selfie-Wahn könnte ein Ende haben. Stattdessen dokumentieren wir unsere Welt mit in HMDs eingebaute Kameras. Wir wissen es nicht – es bleibt in jedem Fall spannend. Und das Gute ist, dass jeder einzelne von uns selbst bestimmen kann, ob er die technologischen Weiterentwicklungen für sich nutzen möchte. Eines ist jedoch sicher, denn früher oder später werden diese HDMs unseren Blick trüben, denn wir sollten uns darüber bewusst sein, dass unsere Augen alles andere als auf HMDs ausgelegt sind.

Aufgegriffen 10 / 2015

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1 Kommentare

Vorstellung des hier aufgeführten ist grausam. dagegen ist das permanente auf das Smartphone schauen fast ein Segen.

von Siggi
16. Oktober 2015, 14:20:34 Uhr

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