Die Lust nach Snapchat - Momente der Lebensfreude

Regenbogen-Zunge
Snapchat ist nicht erst seit heute der aufgehende Stern am Horizont der Social Media-Apps – Snapchat mausert sich zu einer der beliebtesten Communities vorrangig junger Menschen. Es scheint so, dass die ältere Generation – und die fängt hier mitunter bereits mit einem Lebensjahr von ab 25 Jahren an – hingegen womöglich mit Snapchat grenzenlos überfordert ist. Sie versteht eventuell den Sinn hinter Snapchat nicht. Für uns liegt dieser in den bildlichen kurzweiligen lebensbejahenden Glücksmomenten – wenn das nicht Sinn genug ist. Und die Nutzer von Snapchat lieben diese Glücksmomente derart, dass sie Geduld mit Snapchat haben und auch so einiges verzeihen. Wenn also mal wieder eine Anwendung abstürzt – was je nach Feature gar nicht so selten vorkommt – so nimmt man das nicht übel, lädt es erneut und startet einen neuen Versuch. Nicht alle Bilder, so unsere Beobachtung, verlassen dabei das eigene Smartphone, sondern werden als Glücksmomente auf diesem gespeichert.

Rein aus fotografischer Sicht – natürlich kommt es hier auch auf den persönlichen Anspruch an – muss man je nach Features den einen oder anderen Qualitätsabstrich bei den Fotos machen. Aber nach unserem Verständnis kommt es den Machern, aber auch den Nutzern dieser App auch nicht vorrangig auf die Bildqualität an. Und damit handelt die Snapchat-Fangemeinde sicherlich ein stückweit gegenläufig zu Instagram, Facebook oder beispielsweise WhatsApp. Hier geht es doch vielfach um die perfekte Selbstdarstellung, um den aktuellen „Schönheitsidealen“ zu folgen. Darauf pfeift Snapchat mit seinen Tools sogar, denn welchem Ideal sollte eine zum Regenbogen mutierte rausgestreckte menschliche Zunge folgen? Ein weiterer Pluspunkt, warum die Nutzer ihr Snapchat wahrscheinlich so lieben ist die Flüchtigkeit der Bilder – nach wenigen Sekunden sind sie wieder verschwunden und man muss sich theoretisch keine Gedanken darüber machen, dass sie wie bei anderen sozialen Netzwerken einem zu einem späteren Zeitpunkt zum Verhängnis werden könnten. Nun, ob die Bilder wirklich endgültig verschwinden und nicht doch irgendwo gespeichert werden, das hinterfragen nur die wenigsten Teenager.

Wer wie wir einmal von Snapchat-Nutzern umgeben war, der wird der App attestieren, dass sie hochgradig kommunikativ ist, dass sie mit ihren Features zum Mitmachen animiert, dass der Spaßfaktor durch sie ohrenbetäubend ist und, dass man selbst als Mitglied der älteren Generation Freude an Snapchat entwickeln kann. Dazu gehört natürlich, dass man sich für sie öffnet und auch versteht, dass die Fotografie heute weitaus mehr zu erfüllen hat, als Augenblicke zu Erinnerungszwecken festzuhalten. Es geht bei Snapchat auch nicht darum, Szenerien in perfekten qualitativ hochwertigen Fotografien festzuhalten. Mit Snapchat wird gelacht über die bereits erwähnte menschliche Zunge die zur Hundezunge mutiert, da wird vor Begeisterung geschrien, wenn Köpfe wie von Geisterhand den Oberkörper wechseln, da wird sich über die Kontaktaufnahme mit Bilder gefreut, auch wenn diese nur eine ganz kurze Lebensdauer haben. Es geht in diesem Moment den Snapchat-Nutzern darum, mit ihrer Kontaktaufnahme dem anderen eine Freude zu machen und/oder ihm zu signalisieren, dass man gerade an ihn denkt. Das alles zusammen und noch sehr viel mehr sind die Pluspunkte und damit unseres Erachtens das Erfolgsgeheimnis von Snapchat.

130 Millionen Menschen nutzen weltweit täglich Snapchat – im September wird die App fünf Jahre alt. Nach einer kürzlich durchgeführten Umfrage des Magazin Bravo zählt die Anwendung für 35 Prozent der Befragten zwischen 10 und 19 Jahren zu den drei meistgenutzten Social Media Apps. Facebook landete übrigens nur auf Rang fünf mit 32 Prozent. Nach einer Studie aus 2015 der US-Forscher der Universität Michigan, sind es die positiven Emotionen, die Snapchat so beliebt machen. Ob der Hype um Snapchat in dem rasanten Tempo weitergeht wird sich zeigen und hängt sicherlich auch von den Nutzern ab. Spätestens wenn wohl die Großeltern auf Snapchat sind, dann wird der Nachwuchs möglicherweise umsteigen.

Aufgegriffen 05 / 2016

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