Star Wars und die Kameraindustrie

Kameranamen
Wie hängen die beliebte Weltall-Saga und die Fotoapparate zusammen? Ganz einfach: Schauen Sie sich mal die Bezeichnungen der typischen Kameras an. Als wir letztens so über eine Veranstaltung bummelten, fielen uns jedenfalls als erstes R2-D2 und C-3PO ein.

Während das Kürzel durch die niedlichen Roboter positive Assoziationen weckt, taugen viele Kameranamen eher dazu, Verwirrung bei uns zu stiften. Häufig setzen sie sich aus komplexen Buchstaben- und Zahlenkombinationen zusammen – übrigens nicht erst seit dem Digitalzeitalter. Schon als Nikon im Jahr 1959 mit Spiegelreflexmodellen begann, bekamen die Kameras das Kürzel F vorangestellt und eine Zahl. Der Buchstabe leitete sich nicht etwa von einem Kamerafeature, sondern vom Namen des leitendenden Ingenieurs Fuketa ab. Bei anderen Kameraherstellern stehen die Buchstaben für Modellreihen und manchmal auch spezielle Features. Das in vielen Kameranamen enthaltene „D“ etwa bezeichnet ein digitales Modell und diente irgendwann einmal dazu, sie von den analogen zu unterscheiden. Die Notwendigkeit dazu ist mittlerweile obsolet, der Buchstabe verkompliziert den Kameranamen aber immer noch.

Früher – so geht es uns zumindest – kam man mit der Buchstaben-Zahlen-Kombination noch einfacher klar. Neue Modelle erschienen damals noch im Abstand von mehreren Jahren und die Hersteller zählten bei ihren Kamerabezeichnungen häufig logisch hoch. Auf die F1 folgte etwa die F2. Zwischenzeitlich waren die Produktzyklen so kurz, dass innerhalb eines Jahres nicht nur ein neues Modell innerhalb einer Produktreihe erschien – hier stellen wir übrigens eine Trendwende fest, die Produktzyklen werden wieder länger. Zurück zu den Kamerabezeichnungen.

Die Hersteller machen es uns oft nicht einfach. Da folgt zum Beispiel auf eine G1 zwar eine G2, aber auf die G3 mitnichten die G4, sondern eine G5. Und nach der G6 erscheint eine G70. Ob sich die Kamerahersteller da ein Vorbild an Microsoft genommen haben? Dort folgt auf Windows 8 ja auch nicht etwa Windows 9, sondern Windows 10. Löblich dagegen ist der Versuch einiger Hersteller, wie etwa Canon und Olympus, die Anzahl der Modellbezeichnungen gering zu halten und einfach eine Versionsnummer hinten an zu stellen. Da wird dann aus einer EOS 5D eine 5D Mark II oder aus einer OM-D E-M5 eine E-M5 Mark II. Kürzer und verständlicher werden die Namen dadurch aber leider nicht.

Noch schwieriger wird es, wenn man sich das Gesamtsortiment eines Kameraherstellers anschaut. Canon und Nikon versuchen, eine gewisse Logik einzuhalten und bezeichnen die Modellserien mit ein- bis vierstelligen Zahlen je nach Zielgruppe. Leider ist das System zwischen Canon und Nikon schon unterschiedlich.

Was aber könnte die Lösung sein? Die Computer- und Smartphone-Branche setzt statt kryptischer Zahlen-Buchstaben-Kombinationen auf Namen. Aber sind Mountain Lion und Yosemite, die bei Apple für eine bestimmte Betriebssystem-Version stehen, wirklich einfacher zu merken? Zumal sie überhaupt keine Reihenfolge nahe legen. Ubuntu versucht sich mit dem Spaßfaktor im Gedächtnis zu halten: Da bekommen die Versionen Tiernamen mit alliterierenden Attributen, so dass Version 13.10 „Saucy Salamander“ heißt und Version 14.10 „Utopic Unicorn“. Nicht besser ist es bei Android: Die Süßwaren-Bezeichnungen vom Gingerbread bis zu Lollipop wecken zwar positive Assoziationen, aber erleichtern den Überblick ebenfalls nicht. Und würden wir wirklich eine Kamera haben wollen, die „Schokobrezel“ oder „schnittiger Salamander“ heißt?

So müssen wir uns wohl oder übel mit den kryptischen Namen zurechtfinden, wünschen uns aber, dass die Kameraindustrie zumindest versucht, eine gewisse Logik einzuhalten. Auch loben wir uns Fachhändler, die unsere Misere verstehen. Wir erlebten jedenfalls kürzlich im Laden wie eine Kundin auf die Frage, welche Kamera sie besitze, sagte „Die ganz neue Olympus 5 irgendwas 2“. Der Verkäufer nickte verständig und wusste genau, dass sie die OM-D E-M5 Mark II gemeint hat.

Aufgegriffen 10 / 2015

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