Stopp dem Bilderdiebstahl!!!

Stopp dem Bilderdiebstahl!!!
Urlaubszeit ist Diebstahlzeit. Neuerdings muss man jedoch nicht nur auf seine Handtasche und seine Wohnung aufpassen, sondern auch auf seine Fotos. Ein Online-Unternehmen namens „Wallpart“ hat sich als Geschäftsmodell ausgedacht, Bilder aus dem Netz zu ziehen und gegen Bezahlung auszudrucken. Der entscheidende Haken dabei: Weder fragt Wallpart die Urheber der Bilder noch beteiligen sie diese an den Gewinnen. Wallpart selbst hat übrigens kein Unrechtsbewusstsein: „Wir stehlen keine Fotos oder Bilder, die andere geteilt haben und behaupten, sie seien unsere eigenen.“ Das tun sie in der Tat nicht, denn sie gehen ganz offen damit um, dass es nicht die eigenen Bilder sind, die zum Druck feilgeboten werden. Aber macht es einen Diebstahl besser, wenn man sagt: „Ich hab ja nie behauptet, die Geldbörse gehöre mir“?

Wir verurteilen diese Bereicherung an fremdem Eigentum jedenfalls und rufen dazu auf, bei Wallpart nicht zu kaufen. Letzteres übrigens auch schon alleine wegen wenig vertrauensvoll anmutender Geschäftspraktiken: Die Website führt kein Impressum und nicht einmal der Inhaber der Domain lässt sich herausfinden, da sie über einen speziellen Dienst registriert wurde, der die Namen der Domaininhaber nicht weitergibt. Letzteres muss nicht per se unseriös sein, ist aber höchst ungewöhnlich im Internet. Das einzige, was sich über die Firma im Netz herausfinden lässt, ist der Serverstandort: Kiew.

Wallpart ist übrigens leider nicht der einzige Bilddienstleister, der ein Geschäftsmodell aus den zahllos zirkulierenden Fotos im Netz macht. Auch populäre Unternehmen wie Yahoo! haben die Chance erkannt und in der Vergangenheit aus den Bildbeständen der Nutzer seines Tochterunternehmens Flickr den Leinwanddruck angeboten – und das sogar völlig legal. Der Trick dazu war, die Bilder standardmäßig unter eine CC-Lizenz zu stellen, die die Weiterverwendung der Aufnahmen erlaubt (siehe dazu im Detail unseren Beitrag). Allerdings finden wir: Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Die Nutzer von Flickr sahen das ähnlich und protestierten auf weiter Front, so dass Yahoo! den Dienst mittlerweile eingestellt hat. Auch erfolgten Kostenrückerstattungen an diejenigen, die sich Fotos haben ausdrucken lassen – obskurer Weise aber nicht an die Rechteinhaber, also die Fotografen.

Wie es besser gehen kann, zeigt Fujifilm: Der Fotokonzern bietet seit rund zwei Jahren unter dem Namen PROline eine Bildergalerie an, über die Fotografen ihre Werke als Wandschmuck verkaufen können. Die beiden entscheidenden Unterschiede zu den beiden vorgenannten Anbietern: Fujifilm stellt nicht ungefragt etwas ein, sondern geht aktiv Kooperationen mit Fotografen oder Bildbesitzern ein – auch das renommierte Städel Museum in Frankfurt am Main etwa nutzt den Dienst. Und noch wichtiger: Fujifilm beteiligt die Fotografen am Gewinn und bereichert sich nicht einfach an deren kreativer Leistung. Ähnlich sieht es beim populären Smartphone-Dienst EyeEm aus. Dieser verkauft seit 16. Juli auch in Deutschland Bilder seiner Nutzer. Die Fotografen werden dabei mit 50% an den Einnahmen beteiligt. Wir würden uns wünschen, dass auch die anderen Dienste sich an diesen beiden Unternehmen ein Beispiel nehmen und nicht einfach selbst die Gewinne aus den kreativen Leistungen anderer komplett einstecken.

Wie aber kann man seine Aufnahmen vor dem Bilderklau der anderen schützen? Leider ist die einzig 100%ig sichere Methode, sie nicht ins Netz zu stellen – erst recht nicht öffentlich sichtbar. Leider vertut man sich damit die Chance, seine Werke anderen zu zeigen oder auch an Wettbewerben wie unserem Zeitungsleser-Fotowettbewerb „Blende“ teilzunehmen. Auf Portalen von Fotoenthusiasten wie Fotocommunity kommt es einem ja auch auf das Feedback der anderen an, von denen man viel lernen kann. Oder nehmen wir unsere eigenen Bildgalerien hier auf dieser Seite mit den „Blende“-Preisträgerbildern und Bildeinsendungen zum laufenden „Blende“-Fotowettbewerb. Wir wollen die Schaffenskraft visuell demonstrieren und die Teilnehmer verlangen danach.

Man muss daher für sich selbst abwägen, was einem wichtiger ist. Möchte man seine Bilder zeigen – und sei es auch nur privat zugänglich, empfehlen wir zunächst sorgfältig den Anbieter prüfen, bei dem man sie einstellt. Auch wenn es langweilig ist, führt kein Weg am Lesen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorbei, wenn man wissen möchte, was sich der Dienst mit den eigenen Bildern vorbehält. Lassen Sie sich auf eine freie Weiterverwendung wie die CC-Lizenz ein, prüfen Sie sorgfältig, um welche Variante es sich handelt. Bei CC-BY-NC (Detailerklärung https://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/de/) können Sie zum Beispiel die kommerzielle Nutzung ausschließen. Eine weitere Option ist, die Werke nur mit einer eher geringen Auflösung einzustellen. Der Haken daran ist, dass das oftmals zulasten der Bildqualität geht. Auch ein Wasserzeichen kann helfen, die Bilder unverwertbar für andere zu machen – dies ist bei unseren Bildgalerien der Grund dafür, warum wir die Namen der Bildautoren direkt in den Aufnahmen einblenden. Ein solches Wasserzeichen kann mittlerweile sehr einfach auch mit populären kostenlosen Programmen wie Picasa oder XNView eingefügt werden. Bei Kaufsoftware wie Adobe Lightroom und Photoshop ist es schon lange selbstverständlich.

Wer gezielt bestimmte Anbieter wie Wallpart aussperren möchte, kann auch deren IP-Adresse blockieren (eine genaue Anleitung dazu findet sich hier: http://fotowalther.de/verkauf-von-fotos-durch-wallpart-verhindern/). Leider helfen diese Maßnahmen bei ausreichend krimineller Energie wenig bis nichts. Wir haben etwa schon gehört, dass bei einem Stadtlauf Kunden die Vorschau-Fotos des anwesenden Fotografen, die in 200×300-Pixel-Auflösung mit Wasserzeichen im Netz standen, beim gleichen Labor ausprinten lassen wollten – und zwar ohne dem Fotografen das geringe Entgelt für die Bilder zu entrichten.

Wir appellieren daher: Gehen Sie selbst mit positivem Beispiel voran und beteiligen Sie sich nicht am allgemeinen Bilderklau! Die fotografische Leistung einen druckenswerten Moment eingefangen zu haben, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wir finden, das sollten Sie angemessen honorieren. Dies gilt übrigens auch für den Speicherplatz Ihrer Bilder. Entgegen landläufiger Vorurteile ist er im Internet auch für die Anbieter nicht kostenfrei. Gibt ein Unternehmen diese Kosten nicht an sie weiter, muss das Geld irgendwie anders verdient werden. Fragen Sie sich daher, ob es nicht mit Ihrer kreativen Leistung oder Ihren persönlichen Daten ist.

Aufgegriffen 07 / 2015

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3 Kommentare

@marco - leider fehlt dem Plughunter fotolia, aber wenn das noch kommt... :)

von Sascha Lamozik
23. Juli 2015, 20:34:19 Uhr

Falls Bilderklau trotz der hier vorgestellten Vorkehrungen dann doch einmal passiert, kann ich Plaghunter empfehlen. Es erstellt regelmäßig einen Report mit allen Webseiten, die die Bilder des Fotografen verwenden: http://www.plaghunter.com

von Marco von Plaghunter
22. Juli 2015, 13:51:05 Uhr

Gegen Wallpart gibt es eine Petition: https://www.change.org/p/remove-wallpart-com-stealing-people-s-work-without-persmission

von Dalia
22. Juli 2015, 11:33:18 Uhr

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