Zwinkern ersetzt den Auslöser

Blincam
Es gibt flüchtige Situationen, da denkt man sich „Hätte ich doch die Kamera schussbereit gehabt“ und schaut etwas wehmütig dem in der Ferne verschwindenden Motiv nach. Man wünscht sich insgeheim einen Ausstatter wie „Q“ in den James Bond Filmen zu haben, der einem eine Brille mit eingebauter Kamera hat zukommen lassen.

Eine neue Brille muss es nicht grade sein, denn unlängst gibt es ein solches Brillen-Zubehör, das von Shota Takase, dem Gründer des japanischen Startups Blincam, gestaltet und per Crowdfunding zur Marktreife gebracht wurde. Mit einem Zwinkern lässt sich die Kamera auslösen und nimmt dann einen fünf Megapixel großen Schnappschuss auf. Die blink-to-shoot-Kamera arbeitet dabei mit einer Technik, die auch bei Google Glass und einigen Selfie-Kameras zum Einsatz kommt. Ein zusätzlicher Sensor ist bei der Unterscheidung zwischen einem natürlichen Blinzeln und bewussten Zwinkern behilflich.

Blincam wird einfach am Bügel einer handelsüblichen Brillenfassung befestigt, durch gezieltes Zwinkern ausgelöst und die aufgenommenen Schnappschüsse per Bluetooth auf das Smartphone übertragen. Startup-Gründer Takase zufolge soll keine Kamera durch sein Produkt ersetzt werden, sondern Blincam dient als Bereicherung für eben jene Momentaufnahmen, die man nicht machen könnte, wenn man eine Kamera erst hervorholen müsse.

Kritisch beäugt wird das optische Brillen-Zubehör bereits von Fotografen, da man nicht wirklich sehe, was aufgenommen wird und man keine richtige Kontrolle über die Perspektive und die Bildgestaltung habe. Gegenwind von Datenschützern dürfte ebenfalls vorprogrammiert sein, da die Zwinker-Kamera in Bezug auf die Privatsphäre ähnliche Bedenken schüren dürfte wie einst bei Google Glass.

Die Privatsphäre ist zweifelsfrei ein schützenswertes Gut. Doch darf man bei dieser Diskussion durchaus von einem „Zwei-Klassen-Datenschutz“ reden. Während Kamerabrillen für verschärfte Richtlinien sorgen, da Dritte vielfach nicht erkennen und einschätzen können, dass fotografiert oder gefilmt werden. Solche Vorgaben gibt es jedoch nicht für Smartphones. Hier könnte ein neues Patent von Apple greifen, dass die Fotofuktion von Smartphones per Infrarotsignal außer Kraft setzt.

Ende 2014 beschlossen in den Vereinigten Staaten die Motion Picture Association of America (MPAA) und die National Association of Theatre Owners (NATO) Wearables während Kinovorführungen zu verbieten. Träger von Google-Glass wurden bereits tätlich angegriffen und als rücksichtslose „Glassholes” beschimpft.

Die Technik bereitet bereits den Weg, den insbesondere Augmented Reality in naher Zukunft beschreiten könnte. Doch setzt AR auch entsprechende Kameras an Brillen voraus, die einer gesellschaftlichen Akzeptanz bedürfen. Die berechtigten Bedenken der Datenschützer und die vielfach geschürte Medien-Paranoia dürften Gründe genug liefern, weshalb technische Neuerungen bisweilen einen sehr langen Weg vor sich haben, bis sie unseren Alltag bereichern.

Änderungen vorbehalten. (http://www.blincam.co/)

Aufgegriffen 08 / 2016

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1 Kommentare

Solche Erfindungen haben nur eine Funktion: Dass "normale" Fotografen es immer schwerer haben, ihrem Handwerk oder Hobby nachzugehen. Klar, dass dies wieder Verbote bringen wird. Eigentlich sind das Erfindungen, welche die Welt nicht braucht.

von Detlev Motz
31. August 2016, 09:44:16 Uhr

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