Bildbearbeitung - Von der RAW-Datei zum Bild

Eine Aufnahme im RAW-Format bietet dem Fotografen alle Möglichkeiten, das Beste aus seinen Bildern herauszuholen. Moderne RAW-Konverter garantieren dafür einen riesigen Werkzeugkasten mit tausenden Möglichkeiten. Da ist es ganz praktisch, wenn man sich auf eine Reihenfolge festlegt.

Rohbild
Rohbild
Diese Reihenfolge kann im Prinzip jeder Fotograf für sich selbst so festlegen, wie es ihm bequem ist. Erfolgversprechend ist in jedem Fall, Bilder immer nach dem gleichen Schema zu bearbeiten, also nicht einmal mit Schritt fünf anfangen und dann kreuz und quer durch die Menüs zu springen, bis es irgendwie passt. Wer vor den vielen Möglichkeiten am liebsten kapitulieren würde, für den gibt es hier einen kleinen Leitfaden mit den wichtigsten Bearbeitungsschritten. Die können je nach verwendeter Software etwas anders benannt sein oder auch anders aussehen als in unseren Beispielbildern, aber vorhanden sind die einzelnen Menüpunkte fast überall.

Schritt 1: Die Auswahl des richtigen Bildes.

Objektivkorrektur
Objektivkorrektur
Hört sich leicht an, kann aber auch Probleme verursachen. Wer eine Belichtungsreihe gemacht hat, Menschen vor der Kamera mal so oder so hat schauen lassen und sich am Ende nicht entscheiden kann, der kann sich an objektiven Fakten orientieren. Erstens natürlich die Frage, welches Bild scharf ist. Das schärfere gewinnt immer. Bei einem Porträt sollten die Augen scharf sein, nicht der Haaransatz und auch nicht die Nasenspitze. Ansonsten sollte man zu einem Bild greifen, das so belichtet ist, wie man es gerne hätte, in der Regel also mit einer einigermaßen gleichmäßigen Kurve, die sich über das ganze Histogramm zieht. Gilt natürlich nicht für Nachtaufnahmen, High- oder Low-Key.

Schritt 2: Die Fehler des Objektivs korrigieren.

Viele RAW-Konverter bieten entsprechende Voreinstellungen an, fortgeschrittene User können sich auch für ihre eigenen Objektive eine LCC-Korrektur erstellen und dann natürlich auch diese anwenden.

Schritt 3: Weißabgleich und das gewünschte Farbprofil einstellen.

Farbprofil und Gradation auswählen
Farbprofil und Gradation auswählen
Oft liefert die Kamera den bei der Aufnahme verwendeten Weißabgleich mit. Aber wer sagt, dass der auch richtig ist? Zudem kann jetzt das ICC-Profil gewählt werden und die Gradation, wenn so etwas entsprechend hinterlegt ist. Man sollte also schon eine Vorstellung vom fertigen Bild haben. Das alles kann – RAW sei Dank – später ohne Probleme wieder geändert werden. Wer aber zielgerichtet arbeitet, tut sich deutlich leichter.

Schritt 4: Das Bild muss erst einmal gerade gerückt werden.

Bei der Gelegenheit kann auch gleich der Ausschnitt festgelegt werden. So lassen sich bei allen weiteren Arbeitsschritte alle Dinge, die außerhalb des Bildausschnitts sind, auch getrost vergessen.

Schritt 5: Belichtung.

Belichtungsparameter einstellen
Belichtungsparameter einstellen
Jetzt ist klar, was ins Bild soll, das Hauptmotiv ist festgelegt, jetzt kann die Aufnahme ein bisschen entwickelt werden. Es geht an die Einstellung der Belichtung. Wer nun gar keine Ahnung hat, was er machen soll, drückt mal auf den Automatik-Knopf und schaut, was die Software für richtig hält. Ansonsten: Tonwertbereich oben und unten festlegen, also wie dunkel ist Schwarz, wie hell Weiß. Dann die Belichtung vorsichtig anpassen, den Kontrast ebenso. Die Farbsättigung kann leicht optimiert werden. Wer vor einem guten Monitor sitzt, sieht in jedem Fall alle Änderungen sofort.
Schärfe und Rauschreduzierung
Schärfe und Rauschreduzierung
Unsere Software bietet noch die Möglichkeit, den Mikrokontrast zu steuern („Klarheit“). Dieses Feature sollte vorsichtig eingesetzt werden, kann aber das Bild etwas knackiger machen.

Schritt 6: Es geht ins Detail.

Schärfe und Rauschreduzierung sollten angepasst werden. Beim Schärfen darauf achten, dass diese Möglichkeit nur mit Gefühl eingesetzt wird. Überschärfte Aufnahmen sind nicht schön. Die Rauschreduzierung kann das Ganze dann wieder matschiger aussehen lassen, also auch hier vorsichtig sein. Vielleicht gibt es noch ein Moirée, das beseitigt werden muss? Tipp: Ein Moirée taucht meist nur in der 100-Prozent-Ansicht auf.

Schritt 7: Retusche.

Beautyretusche
Beautyretusche
Unser Model hat in der tropischen Hitze geschwitzt. Das ist auch am Make-Up nicht spurlos vorbei gegangen. Die Beautyretusche lässt Hautunreinheiten verschwinden, außerdem müssen vielleicht auch noch Staubflecken beseitigt werden? Das Überstempeln von groben Hautunreinheiten ist schon ok, hier kommt ja nicht der gefürchtete Weichzeichner zum Einsatz, der die Porträts auf dem Covern von Fernsehzeitschriften das ganze Jahr über gleich aussehen lässt.

Schritt 8: Wir gehen nochmal ins Detail.

Abwedeln und Nachbelichten
Abwedeln und Nachbelichten
Bei unserem Foto sind die Beine des Models zwar absichtlich etwas dunkler, aber das war dann doch zu viel. Mit einer partiellen Bearbeitung mittels einer Maske (wird hier rot dargestellt) wird der Teil ein wenig aufgehellt. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass man hinterher nicht sieht, wo mittels Maus aufgehellt oder abgedunkelt wurde. Außerdem ist jetzt der Zeitpunkt für weitere Detailkorrekturen. Den Pupillen etwas Kontrast geben und vielleicht eine selektive Farbkorrektur am Lippenstift.

Schritt 9: Nochmal das ganze Bild anschauen.

Ecken ganz leicht abdunkeln
Ecken ganz leicht abdunkeln
Fertiges Bild
Fertiges Bild
Wie siehts aus? Kommt das Hauptmotiv gut zur Geltung? Wir dunkeln hier die Ecken ein wenig ab, um so den Fokus mehr auf das Model im vorderen Bilddrittel zu lenken.

Schritt 10: Alles erledigt? Alles kontrolliert?

Dann kann das Bild ja im Wunschformat ausgegeben werden.

Bildbearbeitung 01 / 2014

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