Bildbearbeitung für Anfänger: Take it easy

Mit der Digitalisierung der Fotografie wurde auch die Bildbearbeitung revolutioniert – und ist mittlerweile nicht nur für jedermann erschwinglich, sondern auch bedienbar.

Wenn Sie das nächste Mal an einem Zeitungskiosk stehen, greifen Sie sich ein beliebiges Herren- oder Damenmagazin und schauen Sie sich die Bilder darin an: Jedes einzelne davon hat unter Garantie einen nicht selten mehrstündigen Bearbeitungsprozess auf dem Computer hinter sich. Das seitenfüllend abgedruckte Model einer Parfum-Werbung lässt auf seiner makellosen Gesichtshaut keine einzige Pore erkennen? Wie wir wissen ist dafür nicht etwa eine besonders hochwertige Ernährung oder eine äußerst fähige Stylistin verantwortlich, sondern Personen, die die Bilder bearbeiten. Das können Fotografen ebenso sein wie Grafiker. Durch selektives Weichzeichnen oder schlichtes Überstempeln mit einer glatten Hautpartie retuschieren sie praktisch jede „Unzulänglichkeit“ der Natur weg. Bildbearbeitung ist heute nicht nur Profis vorbehalten, sondern jedem, also auch absoluten Laien. Wichtig ist der Grundsatz, dass Bildbearbeitung als Mittel zum Zweck genutzt werden sollte und nicht einem Selbstzweck folgt.

1. Was kann Bildbearbeitung?

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Die Möglichkeiten der Bildbearbeitung sind nahezu unbegrenzt: Sie reichen von einfacher Aufhellung über Farbangleichungen bis hin zu kompletten faltenentfernenden „Schönheitskuren“.
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Im Prinzip: Alles. Jede Aufnahme setzt sich aus Millionen einzelner Bildpunkte, den Pixeln, zusammen. Jeder dieser einzelnen Punkte kann theoretisch und damit auch praktisch verändert werden. Natürlich erlaubt das auch, beliebige Teile des Bildes auszuschneiden, zu überdecken oder zu entfernen.

Was Bildbearbeitung im Einzelnen ermöglicht:

  • Belichtungskorrektur
  • Ausschneiden von Elementen
  • Automatische und manuelle Korrekturen von Kontrast, Farbe, Helligkeit, Gradation usw.
  • Drehen und geradestellen von Fotos
  • Kopierstempel zur Übertragung von Bildabschnitten in einen anderen Abschnitt (darunter fällt auch die Retusche von Falten usw.)
  • Farbbearbeitung: Dies reicht von einfacher Einstellung der Sättigung bis hin zum Erstellen eines Schwarzweißfotos
  • Fotos mit Rahmen umgeben
  • Überlagerung mit Filtern (etwa, damit das Foto wie eine Polaroid-Aufnahme wirkt)
  • Beschriftung: Einem Bildbearbeitungsprogramm auf dem PC stehen die gleichen Schriftarten wie den Schreibprogrammen zur Verfügung, sodass Fotos mit Texten oder auch Sprechblasen versehen werden können
  • Freistellen: Das Entfernen überflüssiger Bildteile, um das Hauptmotiv in den Fokus zu bringen
  • Weichzeichnen, um Hintergründe ins Unscharfe zu setzen oder Motive z.B. lieblicher wirken zu lassen.

Dies sind die typischsten Grundfunktionen, die nahezu alle Bildbearbeitungsprogramm mit sich bringen und mit denen man bestens vom Umfang her als Einsteiger aber auch ambitionierter Fotobegeisterte auskommt, möchte man seine Aufnahmen bearbeiten.

2. Wie benutzerfreundlich ist das Ganze?

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Den Enkel am Strand zum Himmelsstürmer machen? Auch das geht und zwar mit dem Lasso-Werkzeug.
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Hier kommt es vor allem darauf an, für welche Zielgruppe das jeweilige Programm entworfen wurde. Unangefochtener Marktführer im Profi-Bereich ist „Photoshop“ – und zwar so sehr, dass die ganze Bildbearbeitung mittlerweile auch mit dem Adjektiv „photoshoppen“ beschrieben wird. Photoshop bietet einen gigantischen Funktionsumfang. Möchte man diesen für sich nutzen, dann ist schon eine intensive Auseinandersetzung mit dem Programm notwendig. Es ist in der Cloud hinterlegt und wird im monatlichen Abonnement vertrieben. Franzis hat diverse Softwaretools in seinem Programm – welches man wählt hängt davon ab, welche Art von Bildbearbeitung man anstrebt. Ebenfalls sehr umfangreich aber vollkommen kostenlos ist „The GIMP“. Allerdings sehen wir hier den Nachteil, dass es vergleichsweise wenig ergonomisch ist und die Einarbeitung viel Zeit erfordert.

Eine gute Auswahl an Bildbearbeitungsprogramme zum freien Download bieten Portale wie Chip.de, darunter auch eine etwas ältere, aber durchaus brauchbare Photoshop-Version – natürlich vollkommen legal. Aber Achtung: Teilweise handelt es sich dabei um gekennzeichnete „Shareware“, die nur für einen begrenzten Zeitraum (typsicherweise 30 Tage) benutzbar ist. Für eine gewerbliche Nutzung ist allerdings immer zu einer lizenzierten Version zu raten.

3. Brauche ich dazu einen PC?

Bildbearbeitung setzt nicht unbedingt einen Rechner voraus. Hat man auf seinem Smartphone/Tablet entsprechende Bildbearbeitungs-Apps installiert, so geht das auch über diese Geräte. Der Vorteil dieser Geräte ist ihre Mobilität, sodass man seine Fotos beispielsweise bereits im Urlaub bearbeiten kann.

Je nach Ausstattung ist die Bildbearbeitung über einen Rechner mit einem großen Monitor wesentlich komfortabler. Die zu bearbeitenden Aufnahmen werden wesentlich größer dargestellt, wodurch man filigraner auf sie Einfluss nehmen kann. Zudem ist die Bedienung mit Maus sowie Tastatur sehr präzise und außerdem verfügt ein PC meist über großzügigen Speicherplatz und höhere Rechenleistung.

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Der mitunter größte Vorteil der PC-gestützten Bildbearbeitung: Es ist schlicht ein wesentlich größerer Bildschirm vorhanden, als auf dem besten Smartphone oder Tablet.
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Vorteile der Bildbearbeitung über einen PC:

  • Selbst hochauflösende Bildschirme mobiler Geräte sind wesentlich kleiner als jeder Laptop-Monitor
  • Die Bedienung über Touch-Screens ist oftmals diffizil und nicht so präzise wie mit der Maus
  • Der Speicherplatz ist eingeschränkt, wer dafür Online-Speicher nutzen will, braucht eine WLAN- oder gute Netzverbindung
  • Mobile-Apps, vor allem kostenlose, bieten oft nur vergleichsweise rudimentäre Möglichkeiten der Bearbeitung

Wen das nicht stört, der findet in mobilen Programmen eine durchaus praktische Alternative zu jenen auf dem heimischen Rechner. Zudem gibt es auch noch eine dritte Alternative: Sogenannte „Portable Programme“. Diese werden auf einem USB-Stick gesichert und können so unterwegs ohne Installation auf praktisch jedem Computer gestartet werden.

4. Was hat es mit Dateiformaten auf sich?

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Das gleiche Bild, RAW oben, JPEG unten. Man muss schon genau hinsehen, aber der Unterschied zwischen beiden Bilden ist klar sichtbar, weil JPEG diverse Bildinformationen verschwinden lässt.
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Je nach Aufnahmegerät werden Bilder im JPEG- oder RAW-Dateiformat gesichert. Das JPEG-Dateiformat – Endung jpg – ist das am weitesten verbreitete und das obwohl es verlustbehaftet ist. Im möglichen Nachteil, der sich daraus ergibt, liegen die Vorteile. Aufnahmen benötigen weniger Speicherplatz, können nahezu von jedem Gerät ausgelesen werden und vor der Ausgabe ist eine Bearbeitung nicht zwingend notwendig. Das RAW-Dateiformat – englisch für „roh“ bietet Fotografen eine deutlich größere Einflussnahme – Bildbearbeitung ist ein Muss. Nicht jedes Bildbearbeitungsprogramm unterstützt das RAW-Format. Jeder Kamerahersteller kocht hier seine eigene „RAW-Suppe“, sodass im Bildbearbeitungsprogramm für jede Kamera ein neues RAW-Plugin installiert werden muss. Alte Programme, wie die erwähnte kostenlose Photoshop-Variante, unterstützen das RAW aktueller Kameras nicht.

Immer mehr Kameramodelle bieten die Option Bilder sowohl im JPEG- als auch im RAW-Dateiformat sichern zu können. Pro Auslösung landen dann auf der Speicherkarte zwei Fotos, eins in RAW, das andere in JPEG. Das ist eine gute Option für alle Fotografen, die sich alle Optionen offen halten möchten. Ein Foto im RAW-Format ist vom Datenumfang wesentlich größer als die JPEG-Datei.

5. Wie steige ich als Anfänger ein?

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Schon einfachste Bildprogramme, wie das in Windows integrierte „Paint“ erlauben es, ein Foto mit Sprechblasen und Textfeldern zu überlagern und so aus Fotos beispielsweise Geburtstagsgrüße zu machen.
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Bei allen Bildbearbeitungsprogrammen gilt das Prinzip „Learning by doing“. Das bedeutet: Je mehr man damit herumspielt, desto besser lernt man.

Die wichtigste Grundregel dabei lautet: Auch wenn die Programme jeden Arbeitsschritt wieder rückgängig machen können, sollte niemals die Originaldatei bearbeitet werden. Zu schnell kann durch einen falschen Klick ein Foto unwiederbringlich zerstört werden. Deshalb sollte jedes Bild, das bearbeitet werden soll, kopiert werden und das „Photoshoppen“ in dieser Bilddatei erfolgen.

Eine gute Einstiegsmöglichkeit ist immer, nach den Bedienfeldern für Farben und Sättigung zu suchen und dort mit den Reglern zu spielen: Dabei zeigt sich sehr schön, wie die Farben satter oder ins Gegenteil verkehrt werden. Ebenfalls anfängertauglich ist das Regulieren der Belichtung, sowie Kontrast und Tiefe.

Wer das gemeistert hat, kann sich daran versuchen, Texte in das Foto einzubauen: Viele Programme bieten die Möglichkeit, Sprechblasen zu integrieren. Und wer das geschafft hat und eine Software hat, die es ermöglicht, kann versuchen, am Foto seines Gatten die Blinzelfältchen neben den Augen mit dem Stempelwerkzeug zu überdecken. Ein weiteres Motive für erste Retuschearbeiten mit dem Stempelwerkzeug sind beispielsweise einzelne Strommasten in einer Landschaftsfotografie. Dabei sollte eines immer im Hinterkopf bleiben: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Fazit

Bildbearbeitung und Digitalfotografie gehören heute einfach zusammen: Die Kombination erlaubt es nicht nur, fotografische Unzulänglichkeiten zu kaschieren, sondern darüber hinaus auch, Bilder in nahezu nur jeder denkbaren Form zu verändern und zu verbessern. Dadurch, dass Anfängerprogramme vieles automatisch erledigen, was bei Profi-Software Schritt für Schritt erledigt werden muss, erzielen auch Einsteiger schnell respektable Ergebnisse.

Bildbearbeitung sollte niemals Selbstzweck sein, sondern immer Mittel zum Zweck. Menschen sollte man ihr Lebensalter ruhig ansehen – das macht sie authentisch. Bildbearbeitung sollte maßvoll ihren Einsatz finden und natürlich sind die optischen Gesetze zu beachten.

Übung macht auch in Punkto Bildbearbeitung den Meister. Schritt für Schritt sollte man sich ihr nähern und gerade am Anfang, die eigenen Ansprüche nicht zu hoch schrauben.

Bildbearbeitung 06 / 2016

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