Bildbearbeitung „to go“

5 Foto-Apps für den mobilen Foto-Feinschliff

Bildbearbeitung „to go“
Wer auf dem Smartphone und Tablet seine Fotos gleich unterwegs bearbeiten möchte, findet eine breite App-Auswahl für Android und iOS. Aktuelle Mobilgeräte sind für die Bildbearbeitung rechenstark genug. Grundsätzlich ist die Bildbearbeitung auf Smartphone allein wegen der Displaygröße herausfordernd. Doch welche Bildbearbeitungs-App nehmen und was können sie im Vergleich zur gängiger Desktop-Software? Und wie einfach lassen sich die Bilder später am PC weiterbearbeiten? Um die Auswahl zu erleichtern, stellen wir fünf populäre Bildbearbeiter mit Google Fotos, Snapseed, Pixelmator, Pixlr und Lightroom mobile für Android und iOS vor.

Google Fotos: Als Verwalter top, als Editor Flop

Google Fotos Android - wenig Bearbeitungsmöglichkeiten
Die kostenlose App Google Fotos (Android, iOS) ist in erster Linie ein Bildverwalter, der durch seine automatische Motiverkennung und Verschlagwortung hervorsticht. Aus der Fotosammlung kann Google Fotos zudem automatisch Collagen, Animationen und Bildgeschichten erstellen. Die Bearbeitungsfunktionen fallen hingegen recht spartanisch aus. Anwender öffnen die Bearbeitung in der Einzelbild-Ansicht über das Stift-Icon. Neben einer Autokorrektur ermöglicht Google, Fotos mit einfachen Reglern, zum Beispiel die Helligkeit und Farbsättigung, zu verändern. Bemerkenswert ist der Regler „Pop“, der für einen knalligen und geschärften Look an Mitteltonkontrast und Farbdynamik schraubt. Als Ein-Klick-Lösung stehen 14 recht durchschnittliche Effektfilter parat.

Google Fotos bearbeitet non-destruktiv. Bei Android wird das veränderte Bild als Kopie abgelegt. In der iOS-App lässt sich über die drei Punkte oben rechts der Originalzustand widerherstellen. Über das persönliche Google-Konto sind sämtliche Fotos, inklusive der Änderungen, auf allen verknüpften Geräten verfügbar, selbst am PC. Und das auch in RAW, sofern die Upload-Größe „Original“ eingestellt ist. Da die App als Bildbearbeiter wenig zu bieten hat, verzahnt Google sie mit dem populären Editor Snapseed. Ist dieser installiert, können Bilder aus Google Fotos über die drei Punkte oben rechts an Snapseed durchgereicht werden.

Snapseed: Einmal farbig durchwischen bitte

Snapseed - intuitive Menübedienung mit Wischgesten
Snapseed (Android, iOS) gehört inzwischen zu Google, ist aber als eigenständige Gratis-App verfügbar. Mit Optionen für Belichtung, Farbe, Detailschärfung, Beschnitt, Perspektivkorrektur und vieles mehr bietet Snapseed jede Menge Freiraum, wie Anwender ihn von Desktop-Programmen kennen. Dazu wischen sie auf dem Display von oben nach unten, um aus einem Menü den Parameter zu wählen. Eine Wischgeste nach links oder rechts verändert den jeweiligen Wert. Auch selektives Aufhellen und Bereichsreparaturen sind verfügbar. Pinsel-Werkzeuge ermöglichen noch gezieltere Eingriffe. Dazu wird die entsprechende Stelle einfach mit dem Finger markiert. Die integrierten Effektfilter gehören zu den originelleren ihrer Art, vor allem „HDR-Scape“ liefert tolle Ergebnisse. Praktisch: Ab vier Änderungen ermöglicht eine Historie in der rechten oberen Ecke, Schritte gezielt zurückzunehmen. Auch die Rückkehr zum Originalzustand ist kein Problem.

Natürlich kann Snapseed Fotos in Dropbox und anderen Cloud-Diensten speichern. Die App bietet aber keine spezielle Synchronisation, die die nahtlose, non-destruktive Bearbeitung an verschiedenen Geräten ermöglicht. Die Weiterentwicklung der Desktop-Anwendung wurde zudem inzwischen eingestellt.

Pixelmator: Grafik-Allrounder für iOS

Pixelmator - aufwendige Montagen möglich
Photoshop-Herausforderer Pixelmator ist nicht nur auf dem Mac, sondern auch für 4,99 Euro als iOS-Version verfügbar. Welchen Funktionsumfang die mobile Variante unter der schlichten und aufgeräumten Oberfläche bündelt, ist erstaunlich. Pixelmator ist nicht nur ein Foto-Editor, sondern auch ein ausgewachsenes Grafikprogramm. Die Basis-Optionen für die Fotoentwicklung verstecken sich seltsamerweise unter „Farben anpassen“. Hier sind auch Profi-Funktionen wie ein Histogramm, Gradationskurven sowie eine manuelle Weißabgleichs-Pipette zu finden. Darüber hinaus bietet Pixelmator diverse Retusche-, Mal-, und Effektwerkzeuge, mit denen erfahrene Anwender selbst komplexe Montagen kreieren können. Wie von Grafiksoftware für den Desktop gewohnt, lassen sich Änderungen auf verschiedenen Ebenen vornehmen.

Über den Apple-Dienst iCloud Drive können Nutzer ihre Entwürfe als Photoshop-Datei (psd) oder als proprietäres Pixelmator-Format unkomprimiert, inklusive der Ebenen, an die Desktop-Anwendung schicken.

Pixlr: Filter-Paradies für Instagram-Fans

Pixlr - große Filterauswahl
Eigentlich stellt Autodesk 3D-Software für Profis her, hat mit Pixlr (Android, iOS) jedoch auch eine Anwendung für Hobbyfotografen im Programm. Pixlr ist gratis (die Werbung zu entfernen kostet ca. 2 Euro) und richtet sich besonders an Fans des Bildernetzwerks Instagram. Unter „Made with Pixlr“ stellt die App ausgewählte Instagramer vor und wirbt um Teilnehmer für von Pixlr ausgelobte Foto-Missionen im Bildernetzwerk, das die Nutzung von Effektfiltern erst populär gemacht hat.

Die Pixlr-App selbst bietet mehrere hundert Effekt-, Überlagerungs- und Stilisierungsfilter und geht damit weit über die Grundversorgung in Instagram hinaus. Filter lassen sich auch kombinieren, sodass selbst Einsteiger im Handumdrehen ihren Bildern einen persönlichen Look verleihen können. Bei dem Filter-Overkill geht fast unter, dass Pixlr auch viele manuelle Werkzeuge für fortgeschrittene Anwender bereitstellt. So befinden sich unter dem Doppelkreis-Symbol in der unteren Icon-Leiste und dann unter „Anpassung“ Regler für Korrekturen wie Belichtung, Temperatur, Glanzlichter, Schatten, Klarheit und mehr.

In Pixlr bearbeitete Bilder können bei Cloud-Diensten gespeichert und auf dem Smartphone – wenig überraschend – bei Instagram hochgeladen werden. Obwohl Pixlr auch als Desktop-Version und Web-App verfügbar ist, gibt es keine spezielle cloudbasierte Sync-Funktion zwischen den Plattformen.

Lightroom mobile: Startrampe zur Foto-Wolke

Lightroom iPad - Flaggen Sterne zum Selektieren
Auf Desktop-Rechnern gehört Lightroom seit Jahren zu den populärsten RAW-Editoren, inzwischen ist es in einer abgespeckten Variante auch auf Smartphones und Tablets erhältlich. Die Spezialität von Lightroom für Android und iOS ist das Sichten und Bearbeiten großer Fotomengen. Für eine schnelle Auswahl stehen wie auf dem Desktop Flaggen- und Stern-Markierungen zur Verfügung. Der Bearbeitungsmodus entspricht in großen Teilen den Grundeinstellungen im Entwicklungsmodul der Desktop-Variante. Er bietet unter anderem Weißabgleich, Belichtung, Kontrast, Lichter, Tiefen, Dynamik oder Sättigung. Statt Regler zu verschieben, wischen Anwender auf einer Skala nach links und rechts. Mit einem Fingerdruck auf das Blenden-Symbol in der unteren Hauptleiste gelangen Anwender zu weiteren Menüs, in denen sich Farben und die Gradationskurve bearbeiten lassen. Unter „Vorgaben“ hat das mobile Lightroom einige wenig originelle Effektfilter im Programm.

Als Gratis-App bietet Lightroom mobile solide Editor-Hausmannskost. Richtig zur Hochform läuft es erst auf, wenn Anwender es über ein kostenpflichtiges Abo (ab ca. 12 Euro / Monat) mit den anderen Anwendungen der Creative Cloud von Adobe verknüpfen. Dann können Anwender zum Beispiel die unterwegs selektierten und bearbeiteten Bilder direkt in der Sammlungs-Ansicht von Lightroom CC am Desktop öffnen und nahtlos weiterbearbeiten. Außerdem stehen die in Lightroom mobile synchronisierten Fotos auch automatisch in anderen mobilen Anwendungen von Adobe zur Verfügung.

Fazit

Foto-Bearbeitung ist keine Domäne für PC-Software mehr. Mobile Anwendungen sind erwachsen geworden und können viel – und das sogar zum Teil zum Nulltarif. Für welche App sich Anwender entscheiden, hängt vom gewünschten Einsatzzweck ab. Bilder lediglich ein wenig aufzuhübschen, geht mit allen vorgestellten Programmen. Wer bei Instagram mit einem Filterfeuerwerk auffallen möchte, greift zu Pixlr. Für aufwendige Kompositionen mit mehreren Ebenen ist Pixelmator eine passende Wahl. Pixelmator eignet sich zudem, ebenso wie Google Fotos und Lightroom mobile, um Foto-Kreationen mit anderen Geräten zu synchronisieren. Allerdings fällt Google Fotos bei der Bearbeitung stark ab und macht nur mit Snapseed zusammen eine gute Figur. Lightroom ist vor allem ein leistungsstarkes Arbeitstier für sehr aktive Fotografen, die sehr viele Bilder sichten und am Desktop-Rechner mit Lightroom CC weiterbearbeiten wollen. Für diese Funktionalität verlangt Adobe allerdings auch deutlich mehr als die Konkurrenz. Sparfüchse, die ohnehin ihre Fotos nicht stark bearbeiten möchten, greifen zu Google Fotos.

Bildbearbeitung 12 / 2015

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1 Kommentare

Hat mein Foto in einem Wettbewerb eigentlich bessere Chancen, wenn ich es entsprechend stark nachbearbeite?

von Philipp
09. Dezember 2015, 11:06:52 Uhr

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