„Activate your Megapixel - Print!“ - Warum Drucke und Abzüge dem Monitor überlegen sind

Egal, ob man ein Fotobuch in Händen hält oder beispielsweise einen hochwertigen Druck im FineArt-Printing-Verfahren: Die physikalische Ausgabe unserer Fotos begeistert auch – oder vielleicht gerade – im digitalen Zeitalter ungemein. Nur: Warum eigentlich? Wir sind dieser Frage für Sie nachgegangen und haben festgestellt, dass sich dieses Gefühl sogar wissenschaftlich begründen lässt.

Der Reiz beginnt schon mit dem Haptischen: Wer schon einmal ein Bild auf Leinen oder Büttenpapier gesehen hat, versteht intuitiv, dass durch die Kombination von Papierstruktur und Bild eine einzigartige Wirkung erzielt werden kann – und die Finger freuen sich, wenn sie die Struktur eines hochwertigen Papiers ertasten dürfen. Waren bei konventionellen Abzügen früher Hochglanz, Seidenmatt und Matt die einzigen Wahlmöglichkeiten, kann man die Aussage eines Fotos heute mit einer Vielfalt an Papieren unterstreichen. Das macht nicht nur Spaß, sondern hilft auch, das Gesehene besser zu behalten, denn je mehr Sinne beteiligt sind, desto intensiver wird eine Information im Gehirn verankert.

Die Oberfläche eines Monitors dagegen bleibt immer gleich. Nicht nur deshalb entsteht leicht der Eindruck des Beliebigen beim Betrachten von Aufnahmen am Bildschirm. Geht man diesem Gefühl etwas wissenschaftlicher nach, stößt man auf zahlreiche Untersuchungen, die sich mit den Unterschieden der Wahrnehmung von Gedrucktem versus Informationen auf dem Monitor beschäftigen. Dabei wurde herausgefunden, dass sogar beim Lesen von Text die Position einer Information eine wesentliche Rolle spielt. Ändert sich diese ständig wie beim Scrollen am Monitor wird das Behalten erschwert. (siehe http://healthland.time.com/2012/03/14/do-e-books-impair-memory und http://www.scientificamerican.com/article/reading-paper-screens)

Auch scheint eine an einen konkreten Gegenstand wie ein Buch oder ein Bild geknüpfte Erinnerung leichter zu behalten sein als eine an eine Datei im Computer. Das erklärt, warum viele immer noch gerne ein physisches Foto ihrer Liebsten in der Brieftasche mit sich herumtragen oder auf den Schreibtisch stellen. Das Anfassbare vermittelt uns einen Eindruck von Dauer und gibt damit Sicherheit.

Ein wesentlicher Reiz von ausgedruckten oder belichteten Fotos besteht aber auch schlicht darin, dass man auf ihnen immer noch viel mehr Details entdecken kann als am Monitor. Das liegt daran, dass die Auflösung von Ausdrucken und Abzügen immer noch wesentlich höher ist. Selbst ein über 1.000 Euro teurer hochwertiger Monitor, wie ihn Grafiker verwenden, kommt nur auf eine Auflösung von unter 100 PPI. Der typische Durchschnitts-Monitor erreicht sogar nur um die 70 PPI. Die Abkürzung „PPI“ steht für „pixel per inch“ und meint die Bildpunkte auf 2,54 Zentimetern. Je mehr sich auf der gleichen Fläche drängen, desto mehr Informationen lassen sich natürlich unterbringen. Und wir Betrachter können entsprechend mehr Details erkennen und zum Beispiel genau sehen, ob die Schärfe in einem Porträt richtig gesetzt ist oder doch eher auf die Ohren als auf die Augen. Experten wie der FineArtPrinter-Chefredakteuer Hermann Will sprechen deshalb sogar davon, dass man erst durch den Druck seiner Bilder einen wirklichen Lernprozess beim Fotografieren erlebt, weil man sich bei verkleinerter Darstellung der Aufnahmen am Monitor sehr leicht selbst über die Qualität belügen kann.

72DPI maxZoom
300DPI
Um einen Eindruck der Unterschiede des Detailreichtums verschiedener Auflösungen zu geben, hier ein Bildausschnitt einer Fliege auf einer Blume. Links ist aus einem Bild mit 72 PPI herausvergrößert worden, rechts aus einem mit 300 PPI.

Der Digitaldruck wie er in Fotobüchern meist eingesetzt wird und Fotoabzüge bilden noch bis rund 300 DPI ab. Hochwertige Drucke im FineArt-Printing-Verfahren verarbeiten sogar Bilder mit 360 PPI.

Druckraster, Quelle: WIKIPEDIA
Druckraster, Quelle: WIKIPEDIA
Häufig hört man im Zusammenhang mit der Auflösung auch die Abkürzung „DPI“, die für „Dots per Inch“ steht und vor allem bei der gedruckten Wiedergabe gebraucht wird. Der Unterschied zwischen PPI und DPI ist, dass in einem Pixel jeweils eine Farbinformation steckt. Viele Drucker können diese jedoch aufgrund einer begrenzten Anzahl an Druckfarben nicht direkt wiedergeben, sondern müssen die jeweilige Farbe aus mehreren Druckpunkten (dots) zusammensetzen. Dazu überlagern sie die Farben teilweise (siehe Abbildung) und arbeiten dann z.B. mit 1.440 DPI. (Wen das Thema genauer interessiert, kann es in diesem sehr informativen Artikel von Andreas Jankowsky nachlesen: http://www.jam-fineartprint.de/media/wysiwyg/FAP02-08-dither.pdf)

Beim Monitor kann man zwar durch Hineinzoomen in die 1:1-Ansicht die Details einer Aufnahme dann doch entdecken, aber der Prozess ist mühsam (siehe die wahrnehmungspsychologischen Ausführungen weiter oben) und erlaubt nicht gleichzeitig die Gesamtansicht des Fotos. Beim Druck und Abzug dagegen gelingt es unserem Auge und Gehirn blitzschnell, von einer Detailansicht auf die Totale umzuschalten.

Herrmann Will hat deshalb die Aktion „Activate your Megapixel – Print!“ ins Leben gerufen, um auszudrücken, dass wir den Detailreichtum der heutigen Sensoren nur im Druck wirklich ausreizen können. Die Aktion wird von zahlreichen Unternehmen unterstützt. Das Credo der Bewegung bringt Dr. Martina Mettner in ihrem Buch „Fotografie mit Leidenschaft“ auf den Punkt: „Erst der Print beendet den kreativen Prozess in der Fotografie, erst das gedruckte Bild ist das finale Kunstwerk.“

Digitalfotografie 07 / 2014

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