Effektfilter in digitalen Kameras

Bäume im Nebel Bildgalerie betrachten

Blende ,“Bäume im Nebel”
Helmut Anger

Filter hatten schon zu Zeiten der analogen Fotografie eine Vielzahl von Aufgaben. Sie dienten zur Bildoptimierung, zur Anpassung der Farbempfindlichkeit des Films an die Eigenschaften der Beleuchtung oder zur Erzielung kreativer Effekte. In der digitalen Fotografie werden diese Aufgaben zum Teil automatisch von der kamera-internen Entwicklungssoftware oder auch von nachträglich angewendeten Bildbearbeitungsprogrammen erledigt. Mit zunehmender Rechenleistung der in modernen Aufnahmegeräten integrierten Prozessoren können immer mehr der früher nur nachträglich am PC möglichen Bearbeitungsfunktionen nun automatisch oder halbautomatisch direkt in der Kamera ausgeführt und ihre Auswirkungen schon vor der Aufnahme auf ihrem Monitor beurteilt werden.

Neben den Filtern zur Bildoptimierung, gewinnen zunehmend auch solche zur Erzielung kreativer Effekte an Beliebtheit. Anders als Szene- oder Motivprogramme dienen sie nicht als Hilfe zur Steuerung der Voreinstellungen, etwa um einfacher bestimmte Aufnahmesituationen zu bewältigen, sondern als Mittel zur kreativen Verfremdung, die der emotionalen Betonung der Bildaussage dienen kann.

Wie schon in der analogen Fotografie gilt auch für digitale Filtereffekte die Grundregel „Weniger ist mehr“. Je stärker ein Effekt ist, umso größer wird die Gefahr, dass er sich mit zunehmender Anwendung abnutzt und an Wirkung verliert. Als gekonnter Filtereinsatz gilt nach wie vor, wenn der Betrachter den Filtereinsatz nicht als solchen wahrnimmt.

Verfremdungen von Motiven durch Filtereffekte haben häufig zum Ziel, die Bildaussage emotional zu verstärken. Sie nutzen die Abweichung vom Gewohnten, vom Erwarteten als Stilmittel, um den Betrachter zu überraschen und so seinen Blick zu fesseln. So können auch landläufig als Aufnahmefehler geltende Bildeigenschaften zur emotionalen Verstärkung einer Bildaussage herangezogen werden. Dazu gehören beispielsweise das Rauschen oder die Körnigkeit eines Bildes. Beides wird gemeinhin als Schwäche des Aufnahmemediums betrachtet. Gezielt eingesetzt kann der Effekt einem Foto aber beispielsweise die Anmutung einer alten Aufnahme aus einer Zeit, als die Fototechnik noch nicht so perfekt war wie heute, geben. Diese Technik wird beispielsweise gern bei der kreativen Schwarzweißkonvertierung in den Kameras angewendet.

Gilt allgemein die höchstmögliche Schärfe als Gütekriterium, so lässt sich eine bewusst verursachte Unschärfe bestimmter Bildpartien gestalterisch nutzen, um unwichtige Details im Foto verschwinden und das Hauptobjekt eines Motivs hervortreten zu lassen. Dazu stellen manche Kameras sogenannte Weichzeichner zur Verfügung. Andererseits gibt es kamerainterne Filter, mit denen sich beispielsweise die Schärfenausdehnung des Hintergrunds begrenzen lässt. Musste der Anwender früher genau über den Zusammenhang von Schärfentiefe, Blende und Abbildungsmaßstab Bescheid wissen, um solche Effekte der selektiven Schärfe zu realisieren, übernehmen das heute in die Kamerasoftware integrierte, kreative Filter.

Was für die Schärfe gilt, gibt es auch für die Wahl der Farbe. So lassen manche Kameras eine selektive Farbgebung zu. Da kann der Fotograf eine Farbe bestimmen, die er im Motiv erhalten möchte. Alle anderen Farbtöne werden in Schwarzweiß konvertiert. Ein Effekt, wie er häufig auch in der Werbefotografie genutzt wird und früher aufwändige Nachbearbeitung nötig machte. Heute gibt es Kameras, deren integrierte Kreativfilter das schon bei der Aufnahme realisieren können.

Schon in der analogen Fotografie waren bei vielen Fotografen Filme beliebt, die besonders kräftige Farben lieferten, die den Himmel blauer, die Wiesen und Blätter grüner erscheinen ließen, als sie sich in der Wirklichkeit präsentierten. Heute wird dafür kein spezieller Film mehr benötigt. Über die Einstellungen von Kontrast, Weißabgleich und Farbsättigung lassen sich für Könner praktisch alle Filmeigenschaften simulieren. Noch einfacher machen das Filtereinstellungen, die manche Kameras in Form von Stilvorlagen zur Verfügung stellen. Da kann der Fotograf unter Voreinstellungen für sogenannte Low- oder High-Key-Aufnahmen wählen oder eine Filtereinstellung für besonders kräftige, übersteigerte Farbwiedergabe nutzen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, wie das technisch bewerkstelligt wird.

Beliebt sind auch Effekte, die Aufnahmen einer Lochkamera mit kreisrunder Vignettierung simulieren oder solche, die ein Landschafts- oder Städtebild aus der Vogelperspektive wie eine Modellaufnahme, ein sogenanntes Diorama, aussehen lassen.

Eine Kontrastanhebung und kräftige Farben verwandeln sogar eher ruhige Motive in dramatische Szenen. Fast schon zur Mode wurden High-Dynamic-Range-Fotos. Diese faszinierende Form der Kontrastbewältigung durch die Kombination mehrerer, unterschiedlich belichteter Aufnahmen desselben Bildausschnitts bieten manche modernen Kameras als automatische Filterfunktion. Zum Teil werden dazu auch tatsächlich mehrere Aufnahmen in schneller Folge hintereinander geschossen und dann zu einem neuen Bild zusammengesetzt. Andere verwenden stattdessen auch die als Tone Mapping bezeichnete Pseudo-HDR-Technik, die einen ähnlichen Effekt mit nur einer Aufnahme erreicht.

Die Liste kreativer Digitalfilter wird von Kamerageneration zu Kamerageneration länger. Schon längst geht es vielen Fotografen nicht mehr nur darum, die Wirklichkeit möglichst naturgetreu zu dokumentieren. Stattdessen nutzen sie immer mehr kreative Verfremdungen, um ihre Bildaussage emotionaler zu gestalten und beim Betrachter das Gefühl auszulösen, das den Fotografen zum Druck auf den Auslöser bewogen hat.

Digitalfotografie 04 / 2011

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2 Kommentare

Danke schön für den Hinweis. Wir haben es korrigiert.

von Constanze Clauß
23. September 2011, 10:49:31 Uhr

Bitte Rechtschreibung beachten: Keine VERWAKELTEN Striche und es sind keine BUNDSTIFTE

von Manfred
22. September 2011, 18:05:40 Uhr

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