Festplatten Headcrash - Höhenangst der Fotografen

Festplatten Headcrash - Höhenangst der Fotografen
Die Bergwelt zählt zu den imposantesten und beliebtesten Fotomotiven. Überwältigende Motive wohin man blickt: Gipfelpanoramen, Schluchten, Wasserfälle, Steilwände, Flora und Fauna drängen sich dem Fotografen auf, so dass die Speicherkarte schnell voll ist. Für viele Fotografen gehören daher Notebooks und externe Festplatten als Datenspeicher und die Bildbearbeitung vor Ort zur Ausrüstung dazu. Doch Vorsicht: Nicht nur beim Extremklettern, Snowboarden oder Skifahren sondern auch Wanderern und Tourengehern, droht ab bestimmten Höhen bei Festplatten, Datenverlust durch Headcrash.

Der atemberaubende Panoramablick vom Gipfel eines Dreitausenders gehört für viele zu den einzigartigen Erlebnissen, die festgehalten im eigenen Foto oder Video, für möglichst viele Jahre in der Erinnerung bleiben sollen. Um die überlaufende Speicherkarte für weitere Aufnahmen frei zu schaufeln, weil der Fotograf überwältigt vom Anblick der Natur, der Berge, der Gämsen und Murmeltiere besonders häufig auf den Auslöser gedrückt hat, werden die Daten auf die Festplatte gespielt. Doch noch am Berg droht nicht etwa nur Extremsportlern wegen der rauen Bedingungen der Verlust ihrer auf der Festplatte des mitgeführten Notebooks gesicherten Fotos, sondern auch bei einer beschaulichen Wanderung oder Bergtouren sind die auf Festplatten gespeicherten Fotos und Filme bereits ab einer Höhe von 3.000 Metern gefährdet. Deshalb sollten Amateur- und Profifotografen, Abenteuer-Urlauber oder auch Ballonfahrer besondere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, wenn sie sich auf den Weg nach oben begeben.

“Die wenigsten Anwender wissen, dass bereits ab 3.000 Höhenmetern die Datenverlust-Gefahr für ihre wertvollen Foto- und Filmaufnahmen drastisch zunimmt, wenn diese auf Festplatten gespeichert werden”, warnt Nicolas Ehrschwendner, Geschäftsführer des Datenrettungsspezialisten Attingo. Kaum eine Gebrauchsanweisung der Festplattenhersteller weist auf diesem Umstand hin. Höchsten in den technischen Datenblättern und Gebrauchsanweisungen sind Hinweise darauf zu finden. Doch wer liest die schon. Daher verwundert es wenig, dass ausgerechnet im Frühjahr und Herbst – in der Hauptsaison der Bergsteiger – sich bei den Datenrettungsfirmen die Aufträge für Datenrekonstruktionen nach Bergtouren häufen.

“Während die Flash- oder SSD-Speicher in den Kameras selbst unempfindlich gegen Höhenlagen sind, reagieren Festplatten je nach Bauart ab rund 3.000 Höhenmetern mit einem Blockieren der Schreib-Leseköpfe”, erklärt Ehrschwendner. Da die Schreib- und Leseköpfe der Festplatten teilweise nur wenige Nanometer über der Magnetscheibe schweben, auf die die Daten geschrieben werden, kann sich bei abnehmendem Luftdruck der Abstand weiter verringern, so dass die Köpfe die Oberfläche zerkratzen, wie es manchmal auch durch Erschütterungen geschehen kann. Die Datenretter sprechen dann von einem Headcrash.

Die Festplatte ist nicht mehr funktionsfähig, der Zugriff auf die bereits gespeicherten Daten blockiert. In diesem Fall dürfen das Notebook oder die Festplatte auf keinen Fall erneut eingeschaltet werden, da die Gefahr besteht, dass die Magnetoberfläche weiter zerkratzt wird. Dann sind wertvolle Foto- oder Videoaufnahmen endgültig verloren. Wenn die Oberfläche nur teilweise physisch unzerstört ist, lassen sich in den Reinraumlaboren der Datenrettungsdienste auch bei einem Headcrash, die sonst nicht mehr lesbaren Daten, wieder herstellen.

Ein Ausweg aus dieser Situation ist bei Ausflügen in das Hochgebirge die Verwendung von Flashspeichern, wie sie in den Speicherkarten oder SSD-Laufwerken verwendet werden. Hier sollte man einfach darauf achten, dass man hochwertige Karten in ausreichender Menge in Reserve hat. Flash-Speicher sind unempfindlich gegen Luftdruckschwankungen. Berufsfotografen bevorzugen Aufnahmegeräte mit zwei Speicherslots. So kann die eine Karte zur Aufzeichnung und die andere zum gleichzeitigen Back-up genutzt werden. Außerdem lassen sich bei fehlerhaften Speicherkarten oder auch SSD-Laufwerken die Inhalte meist vollständig wiederherstellen. Datenrettungsfirmen entnehmen dazu die Speichereinheiten der Karten einzeln heraus und lesen sie dann mit einer speziell dafür entwickelten Hardware aus. Danach werden die Daten wie ein Puzzle wieder zusammengesetzt.

Datenverluste drohen bei allen Speichermedien ob Festplatte oder SSD. Jedoch ist der Aufwand für die Datenwiederherstellung bei den neuen und relativ widerstandsfähigen SSD-Laufwerken deutlich höher. SSD-Speicher bestehen aus Controllern und den eigentlichen NAND-Flash Bausteinen. Doch die von den Herstellern dieser Medien verwendeten Komponenten, stammen häufig von anderen Lieferanten. Da je nach Contoller aber häufig auch unterschiedliche Algorithmen verwendet werden, die obendrein auch nicht in den Anleitungen dokumentiert sind, wird die Rekonstruktion der Daten schwierig. SSDs enthalten mehrere Dutzend Speicherelemente, die zum Teil in Sandwich-Bauweise zusammengesetzt werden.

Aber nicht nur Höhenluft kann den Bilddaten gefährlich werden. Auch Hitze, Gewitter oder heftiger Regen, starke Temperaturschwankungen und klimatische Veränderungen setzen den Datenspeichern zu. Computer sind wetterfühlig und Festplatten können zu Hitzezeiten buchstäblich einen Kreislaufkollaps erleiden. Vor allem in warmen Regionen, in die Urlauber und Fotografen jetzt gern für ihre Fotos flüchten, besteht die Gefahr eines Verlustes, der auf den mitgeführten, externen Festplatten gespeicherten Daten.

“Die von den Festplattenherstellern spezifizierte maximale Umgebungstemperatur kann gerade jetzt rasend schnell erreicht werden“, erklärt Andreas Mortensen, Vertriebsleiter Deutschland des Hamburger Datenrettungsunternehmens Attingo. Viele externe USB-Festplatten sind auf eine Temperatur bis maximal 35 Grad Celsius ausgelegt. Werden die empfindlichen Datenträger nicht ausreichend gekühlt, können sie im Betrieb ohne Kühlung, Oberflächentemperaturen von über 70 Grad Celsius erreichen.”

So können ungekühlte Festplatten durch direkte Sonneneinstrahlung oder auch der im Auto vergessene Laptops zum ‚Hitzetod‘ wichtiger Daten führen. Ebenso erfordern Unwetter mit Blitz, Sturm oder Regen erhöhten Daten-Schutz. Blitze kommen oft unbemerkt durch die Leitung und können Defekte auf Festplatten verursachen. Auch hierzulande werden an heißen Sommertagen Datenretter bis zu zweimal öfter als normalerweise zu Hilfe gerufen.

Auch Nässe ist ein Gefahrenfaktor für Festplatten. Regengüsse oder Überflutungen sind schwer kontrollierbare Datenkiller. Wichtigster Tipp der Datenretter zum Schutz gegen Datenverlust bei Unwettern: Den Stecker ziehen sobald ein Unwetter aufzieht oder mit einem Überspannungsschutz arbeiten.

Bei Schadensfällen durch Nässe darf die Festplatte keineswegs mit dem Föhn getrocknet oder auf die Heizung gelegt werden. Es sollten auch keine eigenen Rettungsversuche gestartet werden. Die Datenretter von Attingo empfehlen, den Datenträger in ein feuchtes Tuch zu wickeln und schnellstmöglich zum professionellen Datenretter bringen, um Folgeschäden, wie beispielsweise Korrosion, zu vermeiden. Überhitzte, verbrannte, heruntergefallene oder durch Blitzschlag beschädigte Datenträger sollten professionellen Datenrettern übergeben werden. Statistisch sind Datenrettungsunternehmen in der Lage, in mehr als 90 Prozent der Fälle, die Daten wieder herstellen zu können. Billig ist die Rettung vor Wasserschäden, Hitze oder Blitzschlag nicht. Im Gegenteil, sie ist aufwändig und teuer. Aber wie viel ist einem die Erinnerung an die schönsten Momente des Lebens wert?

Früher lautete die Antwort auf die Frage, was die Bewohner eines brennenden Hauses als erstes zu retten versuchen würden meist: „Das Fotoalbum.“ Nach einer neuen Umfrage von Kapersky-Lab, sind es elektronische Geräte, die die Menschen retten würden, wenn sie nur einen Sachgegenstand retten dürften, wenn das eigene Haus oder die Wohnung in Flammen steht. Dieser Umfrage zufolge würden mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Deutschen ihren Laptop, Tablet-PC oder ihr Smartphone bei einem Haus- oder Wohnungsbrand als Erstes in Sicherheit bringen. Wobei fast ein Drittel der Männer (32 Prozent, im Vergleich zu 22 Prozent der Frauen) größten Wert auf die Sicherung elektronischer Geräte legt. 18 Prozent der Frauen sind hinsichtlich der Rettung von Sachgegenständen unschlüssig. Dabei macht das Alter der Befragten allerdings noch einmal einen großen Unterschied: Bei den jüngeren Leuten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren würden fast 43 Prozent ihren Laptop, Tablet-PC oder ihr Smartphone retten. Älteren Menschen ab 55 Jahre waren mit 16 Prozent auch „andere Gegenstände“ wichtig. Doch auch bei den Senioren stehen laut Kapersky Umfrage Laptop, Tablet-PC oder Smartphone mit 20 Prozent ganz oben auf der Rettungsliste.

Digitalfotografie 10 / 2012

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1 Kommentare

Ein sehr interessanter Artikel mit hinreichenden Begründungen und Verhaltensregeln gut

von Hartmut Münch
07. November 2012, 14:05:40 Uhr

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