Fotografie - Spaß, Verzweiflung, Überforderung: Dateiformate

Fotografie - Spaß, Verzweiflung, Überforderung: Dateiformate
Wie unsere Verbraucherumfrage 10/2012, an der über 4.000 Personen teilnahmen, ergab, steht für 85 Prozent der Befragten der Spaß an der Fotografie im Vordergrund. Dieses Ergebnis erklärt unter anderem, warum wir von so vielen aktiven Bildermachern umgeben sind. Es macht einfach ungeheuren Spaß, den Auslöser zu betätigen. Nun könnte man denken, sich zurücklehnen zu können, denn dass was Spaß bereitet, dem geht man naturgemäß weiterhin mit großer Leidenschaft nach. Für zahlreiche Verbraucher nimmt der Spaß an der Fotografie ein jähes Ende – spätestens dann, wenn es an das Herunterladen, den Aufbau eines Bildarchives, den Ausdruck oder beispielsweise um die Bearbeitung der eigenen Aufnahmen geht. Auf einmal wird aus Spaß möglicherweise Verzweiflung, weil man sich überfordert fühlt. Dem muss aber nicht so sein. Mit etwas Grundwissen, beispielsweise über die Dateiformate und den Umgang mit ihnen, bleibt der Spaß an der Fotografie dauerhaft erhalten. Hier ergeht es dem Fotografen wie dem Gärtner. Möchte dieser Freude an seinem Garten haben, so muss er sich auch anlesen, welche Pflanzen sich vertragen, was man gegen Moos im Rasen macht und wie man seine Rosen zur Traumblüte bewegt.

Zurück aber zur Fotografie und den Dateiformaten. Um digitale Fotos auf dem PC, Fernseher oder anderen Geräten anschauen oder in einem der vielen Programme verwenden und bearbeiten zu können, müssen sie in einem der gängigen Dateiformate vorliegen. Das zurzeit nahezu uneingeschränkt von allen Programmen und Geräten lesbare Dateiformat für digitale Bilder ist, nach wie vor JPG (oftmals auch als JPEG bezeichnet). Seine Besonderheit: Es speichert nicht nur die Bildinformationen, sondern komprimiert und entwickelt sie auch gleichzeitig. Komprimiert werden die Bilddaten, damit möglichst viele Fotos wenig Speicherplatz benötigen. Allerdings gilt: Je höher der Kompressionsgrad, umso höher ist auch die Gefahr eines Qualitätsverlustes, der sich vor allem in der Detailwiedergabe und den Farbabstufungen bemerkbar macht. Eine Besonderheit des JPG-Formats, das an der Dateierweiterung „.jpg“ zu erkennen ist, besteht darin, dass der Fotograf den Grad der Kompression in verschiedenen Stufen wählen kann. Allerdings erhöht sich die Gefahr eines Qualitätsverlustes durch häufiges Öffnen und erneutes Abspeichern. Dies ist auch der Grund dafür, warum man das JPG-Dateiformat bei der Bildbearbeitung nicht wählen sollte. Das JPG-Dateiformat ist bei einer Vielzahl an Kompaktkameras das einzige angebotene Format, mit dem die Bilddaten abgespeichert werden können.

Höherwertige Kompaktkameras sowie Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras bieten die Option, Bilder auch im RAW-Format – Rohdatenformat – abzulegen. Wird im RAW-Format fotografiert, so werden die Daten nach der Digitalisierung weitgehend ohne Bearbeitung auf das Speichermedium geschrieben. Das RAW-Format, in der Fachwelt vielfach auch als „digitales Negativ“ bezeichnet, ist für die Weiterverarbeitung bestimmt, es stellt noch kein eigentliches Endprodukt dar. Obwohl sich die grundlegenden Funktionsweisen der digitalen Bildsensoren verschiedener Hersteller und Modelle nicht wesentlich voneinander unterscheiden, hat sich bisher kein Standard ausgebildet, vielmehr existieren zahlreiche unterschiedliche Varianten. Der große Vorteil des RAW-Formates liegt unter anderem darin, dass sich Aufnahmefehler leichter beheben lassen, was beim JPEG-Format vielfach nicht möglich ist. Der eventuelle Nachteil ist, dass RAW-Dateien am PC mit einem RAW-Konverter entwickelt werden müssen.

Wer nicht vor hat, seine Aufnahmen zu bearbeiten, für den ist das JPEG-Format sicherlich ausreichend. Wer jedoch mehr aus seinen Aufnahmen herausholen möchte, der sollte sich für RAW entscheiden, denn hier werden deutlich mehr Bildinformationen gespeichert. Bei der Belichtungsanpassung oder Tonwertkorrektur hat der Fotograf einen deutlichen größeren Spielraum und profitiert zudem von einer präziseren Detailwiedergabe.

Wird im JPG-Format fotografiert, so sollte immer die maximale Auflösung gewählt werden. Das erhöht den Spielraum deutlich und nichts ist ärgerlicher für einen Fotografen als eine zu kleine Bilddatei, die möglicherweise nur für die Bildschirmansicht ausreichend ist. Es lohnt sich also ein Blick in die Kameraanleitung, wenn man nicht weiß, wie das geht. Und nun noch ein letzter Punkt. Auch die Druckauflösung sollte auf „maximal“ stehen. Von Werk aus ist diese meist gering vorgegeben.

In den Anfängen der digitalen Fotografie hatten Anwender oftmals auch die Option, ihre Bilddaten im TIFF-Format abzulegen – inzwischen spielt dieses Dateiformat bei Kameras keine Rolle mehr. TIFF-Dateien sind bedeutend größer als JPEG-Dateien und nahezu alle Bildbearbeitungsprogramme bieten dieses verlustfreie Dateiformat an. TIFF ist, neben PDF und EPS, ein wichtiges Format zum Austausch von Daten in der Druckvorstufe in Verlagen und Druckereien, weil es das von ihnen verwendete CMYK-Farbmodell unterstützt. Außerdem kann man TIFF-Bilder mit hoher Farbtiefe (bis zu 32 Bit pro Farbkomponente) speichern, weshalb TIFF gern zum Datenaustausch bei der RAW-Konvertierung verwendet wird. Im Internet wird TIFF genutzt, um Anwendern, wie etwa Verlagen, hochaufgelöste Bilder in druckfähiger, verlustfreier Qualität zur Verfügung zu stellen. Dabei wird in Kauf genommen, dass diese Dateien ein Mehrfaches der Größe eines verlustbehaftet komprimierten JPEG-Bildes haben. TIFF hat sich so als Quasi-Standard für Bilder mit hoher Qualität etabliert.

Digitalfotografie 06 / 2013

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