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GPS und GEO-Tagging - Wo bin ich?

Wo bin ich? Wo war das? Wie komme ich dort hin? Fragen, die demnächst wohl jede Kamera beantworten kann - vorausgesetzt sie besitzt einen GPS-Empfänger und kann die Ortsangaben automatisch in den Metadaten der Bilddatei speichern.

Wie oft kommt beim Sichten der Urlaubsphotos die Frage auf: Wo war das denn noch? Zukünftig wird diese Frage leicht zu beantworten sein, denn durch die Speicherung der mittels GPS (Global Positioning System) ermittelten Koordinaten des Aufnahmestandpunkts in den Metadaten digitaler Bilddateien lässt sich leicht herausfinden, wo ein Photo oder Video entstanden ist. Diese in der Exif-Datei parallel zu den eigentlichen Bilddaten gespeicherten Informationen lassen sich dann beispielsweise dazu nutzen, sich auf einer Landkarte oder einem Satellitenbild im Internet präzise den Standort, von dem aus photographiert wurde, anzeigen zu lassen. Werden die Positionsangaben noch mit einer Datenbank verknüpft, kann der Photograph zusätzlich Informationen über das Motiv im World-Wide-Web anzeigen lassen. So kann er beispielsweise Informationen über den Eiffelturm in Paris, die Tower Bridge in London oder die Seufzerbrücke in Venedig via Hot-Spot-Verbindung aus dem Internet auf seine Kamera holen. Doch damit nicht genug. Kommt gerade der große Hunger auf, kann ihm die Kamera mit kabellosem Webzugang auch das nächste Restaurant nennen oder den Weg zum Bahnhof beziehungsweise die nächste U-Bahnstation.

Noch gibt es keine Kameras mit integriertem GPS-Empfänger und kabellosem Internetzugang - doch Kamerazubehör macht beides möglich. Dazu gehören zum Beispiel die so genannten GPS-Tracker. Darunter versteht man GPS-Empfänger, auch GPS-Mäuse genannt, die über eine Funktion verfügen, die kontinuierlich die Position des Gerätes ermittelt und im internen Speicher festhält. Diese Daten lassen sich dann kabellos oder über eine USB-Kabelverbindung auslesen und automatisch mit den während einer Reise gemachten Aufnahmen einer beliebigen Digitalkamera oder eines Camcorders synchronisieren.

Immer öfter werden GPS-Empfänger und Funktionen zur mobilen Navigation in Kamerahandys integriert. Waren es 2006 nur zwölf Prozent aller Handys, die über einen GPS-Empfänger verfügten, so stieg der Anteil im letzten Jahr bereits auf 16 Prozent. In diesem Jahr gehen die Marktforscher davon aus, dass bereits 21 Prozent aller Handys mit GPS ausgestattet sein werden. Bis 2009 sollen es knapp ein Drittel aller Mobiltelefone sein. Bis dahin sollen weltweit rund eine Milliarde Handys verkauft werden, von denen dann gut 300 Millionen GPS-fähig sind.

Die GPS-Empfangschips sind innerhalb der letzten Jahre immer kleiner und sensibler geworden. Dadurch lassen sie sich einerseits leichter in mobile Geräte integrieren und zudem auch noch in Umgebungen mit schwachem GPS-Signal, wie etwa in Gebäuden, einsetzen. Hinzu kommt die ausgereifte Massenproduktion. Damit ist der Weg dieser Technik nicht nur in alle erdenklichen elektronischen Geräte weit offen, sondern man denkt sogar daran, GPS-Empfänger in Produkte, wie Uhren oder gar in Kleidung, zu integrieren. Zahlreiche Hersteller verbinden GPS mit Bluetooth. Das bedeutet, dass die empfangenen Standortinformationen kabellos entweder zur Kamera oder zum PC weitergegeben werden können, um sie dort automatisch mit den Aufnahmen zu synchronisieren.

Im Handel erhältlich sind bereits GPS-Geräte mit integriertem Speicherkartenleser, die ihre aufgezeichneten Tracks automatisch mit den auf der Speicherkarte aufgezeichneten Photos synchronisieren und die Ortsangaben ihrer Exif-Datei hinzufügen.

Gewusst wo!
GPS ist momentan das bekannteste und auch am intensivsten genutzte System zur Standortbestimmung und Navigation. Es kündigen sich aber bereits Alternativen an, die beispielsweise, wie das europäische Projekt Galileo, ein zweites Satellitensystem etablieren wollen oder aber ganz andere Verfahren zur Lokalisierung verwenden. So haben zum Beispiel Forscher des Fraunhofer Instituts ein Navigationssystem für Fußgänger auf WLAN-Basis entwickelt. Die WLAN-Lokalisierung des Fraunhofer IIS ermöglicht die sichere Orientierung in engen Innenstädten, Gebäuden oder U-Bahn-Bereichen. Zudem kann sie ortsgebundene Informationen direkt auf den PDA oder das Smartphone liefern. Im Gegensatz zu GPS erlaubt die WLAN-Lokalisierung eine Ortung auch innerhalb von Gebäuden. Das System nutzt verfügbare WLAN-Sender, arbeitet aber ohne Netzverbindung. Für die Erprobung in der Praxis stellt das Fraunhofer IIS diese Technologie zur Lokalisierung erstmals in Nürnberg auf einer Fläche von 25 km2 zur Verfügung. Hier werden zusammen mit Partnern ortsabhängige Dienste entwickelt und unter realen Bedingungen getestet.

Anwendungen
Inzwischen lassen sich digitale Photos mit eingebetteten Ortsangaben auch von Navigationsgeräten verwenden, um den Photographen zum Motiv zu bringen. Dieser spart sich so die umständliche Eingabe über die Menüführung. Das Navigationsgerät erkennt automatisch die Ortsangaben im Bild und führt den Anwender direkt zum Motiv.

Sehr verbreitet ist das so genannte Geo-Tagging, das es gestattet, Photos automatisch auf einer Landkarte oder einem Satellitenbild zu positionieren. Photographen können damit über die entsprechenden Internetdienste präzise zeigen, wo sie das Photo aufgenommen haben. Restaurants, Cafés, Hotels, Läden oder Institutionen können so informieren, wo sie sind und wie sie aussehen. Der Anwender fährt im Internet mit der Maus über die auf der Landkarte per Geo-Tagging markierte Stelle und schon wird das Bild geöffnet. Umgekehrt kann diese neue Anwendung Photos automatisch an der Stelle auf der Landkarte positionieren, wo sie photographiert wurden. Entsprechende Software kann neuerdings die automatische Positionserfassung auch zum automatischen Führen eines Fahrtenbuchs nutzen. GPS-Module können dabei sehr viel Zeit einsparen.

Die Erstellung von Photoalben und Photobüchern wird mit den ortsabhängigen Informationen noch einfacher und interessanter. Jetzt kann die Software für die automatische Zusammenstellung der Bilder nicht nur die Angaben über den Zeitpunkt, sondern auch über den Ort der Aufnahmen nutzen.
 

Digitalfotografie 10 / 2008

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Rainer Düchs