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Fotografie im Grenzbereich - Low-Light-Fotografie

Aktuelle Entwicklungen in der Digitalfotografie machen heute Langzeitbelichtungen in guter Qualität möglich, so dass von einer neuen Ära der Low-Light-Fotografie gesprochen werden kann. So wurde in den letzten Jahren die Empfindlichkeit der Sensoren enorm verbessert, wodurch Langzeitbelichtungen heute leichter umsetzbar und aufwändige Lichtaufbauten nicht mehr unbedingt notwendig sind. Auch das eventuell höhere Rauschen des Kameraprozessors ist problemlos in den Griff zu bekommen, wenn beispielsweise die Option Rauschunterdrückung gewählt wird. Blooming, dieser Effekt tritt bei hochwertigen Sensoren seltener auf, ist bei typischen Low-Light-Situationen mit hellen Lichtern vor dunklem Hintergrund unvermeidbar. In der Regel fallen jedoch die Störungen durch das Objektiv, wie zum Beispiel Blendenflecke, mehr ins Gewicht, als das Sensor-Blooming.

Die Low-Light-Fotografie kann und muss als große Herausforderung angesehen werden, denn sie setzt Grenzen für Bilder, deren Schärfe von Verschlusszeit, Blende und Rauschen abhängig ist. Der Fotograf hat mit einer Lichtsituation zu kämpfen, die für eine perfekte Kameraeinstellung eigentlich nicht ausreichend ist. Kameras mit ihren Sensoren sind vornehmlich so konzipiert, bei Tageslicht zu guten Bildergebnissen zu gelangen. Die Low-Light-Fotografie, die stets als Kompromiss verstanden werden muss, weil eine Kameratechnik meist zu Lasten einer anderen geht, stellt höchste Ansprüche an den Fotografen. Low-Light-Fotografie bedeutet, fotografieren im Grenzbereich gepaart mit der Ungewissheit, ob die Aufnahme auch den eigenen Ansprüchen genügt. In irgendeiner Form bedeutet gute Fotografie aber immer auch, an seine Grenzen zu stoßen. Das können kreative, wie bei der Bildkomposition, sein oder aber technische, wie bei der Low-Light-Fotografie. Heranwagen sollte man sich in jedem Fall an dieses Thema, denn die Aufnahmen sprechen für sich.

Wird beispielsweise mit einer langen Verschlusszeit gearbeitet, so besteht bei der Low-Light-Fotografie die Gefahr von Kamera- und Bewegungsunschärfe. Dieser kann durch eine größere Blende entgegengewirkt werden. Eine weitere Option ist, die ISO-Empfindlichkeit zu erhöhen. Dies kann aber ein höheres Bildrauschen bedingen. Oder man entscheidet sich für eine andere Brennweite oder ändert den Aufnahmestandpunkt. Die Möglichkeiten sind groß und für welche man sich entscheidet, hängt von der Situation ab. In jedem Fall muss sich der Fotograf bei der Low-Light-Fotografie wesentlich stärker mit der Technik auseinandersetzen, um zu guten Bildergebnissen zu gelangen, als wenn optimale Lichtverhältnisse vorliegen. Das Ziel sollte bei der Low-Light-Fotografie für den Fotografen darin bestehen, den Anteil der unbrauchbaren Aufnahmen beziehungsweise der Fehler zu reduzieren. Nicht jede Aufnahme kann technisch perfekt sein, denn wenn dem so wäre, dann würde dies die Schlussfolgerung zulassen, dass man nicht bis zum Allerletzten in der Low-Light-Fotografie gegangen ist.
 

Digitalfotografie 01 / 2009

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Karl-Heinz Schleder, Rue du Nord, Luxemburg

Blende ,"Rue du Nord, Luxemburg"
Karl-Heinz Schleder