Objektive - Optische Eigenschaften - Abkürzungen in den Typenbezeichnungen

Objektive - Optische Eigenschaften - Abkürzungen in den Typenbezeichnungen
Im zweiten Teil unserer dreiteiligen Serie gehen wir darauf ein, was die Abkürzungen auf den Objektiven über die optischen Eigenschaften verraten.

Neben der Eignung eines Objektivs für ein bestimmtes Aufnahmeformat, seine Rechnung für die digitale oder analoge Fotografie und seiner Kompatibilität mit einem bestimmten Bajonetttyp zählen seine optischen Parameter zu den wesentlichen Eigenschaften. Sie werden vor allem definiert durch Brennweite und Lichtstärke sowie natürlich vom Aufwand für seine optische Konstruktion. Bei den Wechselobjektiven für DSLR- und DSLM-Kameras wird die Brennweite in Millimetern (mm) meist in Kombination mit der Lichtstärke angeben. In der Regel folgen diese Angaben der Typenbezeichnung auf dem Objektiv. Dabei ist die Routine für die Angabe unterschiedlich, nicht nur im Hinblick auf die Reihenfolge. Mal wird die Lichtstärke zuerst angegeben, mal die Brennweite. Für beide Parameter verwenden die Hersteller unterschiedliche Schreibweisen. Die Lichtstärke wird als der Kehrwert der größten Blendenöffnung, also beispielsweise 1:2,8, angegeben. Sie gibt an, wie viel Licht bei voll geöffneter Blende auf den Sensor gelangt.

Eine einfache Kenngröße war zu analogen Zeiten die Brennweite. Ihre Wirkung auf den Bildausschnitt einzuschätzen, war für geübte Fotografen bis zu Beginn der digitalen Fotografie relativ einfach. Je größer das Format, umso länger musste die Brennweite sein, um vom gleichen Standpunkt den gleichen Bildausschnitt zu bekommen. So hat ein Objektiv mit der Brennweite von 50 mm im Kleinbildformat die Wirkung eines Normalobjektivs, während die gleiche Brennweite im Mittelformat schon einem Weitwinkel entspricht. Diese Einschätzung wurde mit der stark gewachsenen Formatvielfalt für digitale Kameras komplizierter. Deshalb geben manche Hersteller auf ihren kompakten Kameras die Brennweite als Äquivalent zum Kleinbildformat an, obwohl sie tatsächlich sehr viel kürzer ist, weil die in diesen Kameras verbauten Sensoren sehr viel kleiner sind. Sie benötigen also eine deutlich kürzere Brennweite für den gleichen Bildausschnitt vom gleichen Standpunkt als ein Kleinbildobjektiv. Während Festbrennweiten eine Brennweitenangabe haben, wird bei den Zoomobjektiven ab dieser Stelle der Zoombereich in ‚xx – xx mm angeben. Wenige Hersteller nutzen auch die korrekte Schreibweise für die Brennweite ‚f=xx mm.

Um auf eine aufwendige optische Konstruktion mit hoher Fehlerkorrektur hinzuweisen, geben viele Hersteller auch an, dass sie Linsen aus speziellen optischen Gläsern mit anomalem Brechungsindex eingesetzt haben. Solche Gläser werden vor allem für die Korrektur von Aberrationen eingesetzt. Auf die Verwendung solcher Spezialgläser wird auf den Objektiven mit Kürzeln, wie beispielsweise AD (Anomale Dispersion), ED (Extra Low Dispersion, extra niedrige Dispersion), Fluorit, SD (Super Low Dispersion, super niedrige Dispersion), HLD (High Refraction, Low Dispersion, hohe Brechung, geringe Dispersion), UD (Ultra Low Dispersion, ultra-niedrige Dispersion), in der Typenbezeichnung hingewiesen. Diese Bezeichnung ist mit wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel ED, herstellerspezifisch. Ebenfalls großen Einfluss auf die optischen Eigenschaften, vor allem die Reflexions- und Transmissionseigenschaften von Objektiven, haben die sogenannten Vergütungen, sprich Spezialbeschichtungen der verwendeten Linsen. Manche sind beidseitig beschichtet, bei anderen Objektiven sind es nur die Frontlinsen oder nur ganz bestimmte Linsenelemente einer Konstruktion. Der analoge Film hat kaum Licht reflektiert. Sensoren reflektieren im Vergleich dazu stärker. Diese Reflextionen können als Streulicht von den Linsen wieder auf den Sensor reflektiert werden und zu Geisterbildern führen. Daher werden in vielen modernen Objektiven auch die Rückseiten der Linsen vergütet, um die Reflextion zu mindern und die Transmission zu erhöhen. Neben der seit vielen Jahren üblichen Mehrschichtenvergütung (Multicoating), auf die Hersteller ebenfalls oft in der Typenbezeichnung mit Kürzeln wie MC (Multi-Coating) oder SMC (Super Multi Coating, Pentax), hingewiesen haben oder auch heute noch hinweisen macht ein N bei Nikon auf die hochwertige Nanokristallvergütung aufmerksam.

Auch spezielle Linsenformen, die auf eine hochwertige Korrektur und optische Konstruktion verweisen, finden in der Typenbezeichnung für Objektive als Kürzel Platz. Am häufigsten sind diese Hinweise, wenn asphärische Linsen verwendet wurden. Diese wird dann in der Regel mit den Abkürzungen ASPH., AL oder ASP gekennzeichnet. Auf eine spezielle Fertigungstechnik asphärischer Linsen macht das Kürzel ADH aufmerksam. Es weist darauf hin, dass Hybrid-Asphärische Linsen aus Glas und optischem Kunststoff verbaut wurden. Wird durch Einsatz asphärischer Linsen und anderer Maßnahmen eine nahezu völlige Fehlerfreiheit der Abbildung hinsichtlich der chromatischen Aberration erreicht, spricht man von einem apochromatisch korrigierten Objektiv, dass in der Typenbezeichnung meist am Ende das Kürzel APO aufweist.

Digitalfotografie 08 / 2012

0 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden