Soziale Netzwerke - Die modernen Fundbüros

Vorsicht ist angesagt – Verstoß gegen das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild

Soziale Netzwerke - Die modernen Fundbüros
Es ist schnell passiert – man ist in Gedanken, legt seine Digitalkamera auf einen Geldautomaten, holt Geld, geht weg und hat vergessen, die Kamera mitzunehmen. Oder man sitzt an einem Brunnen, auf einer Parkbank mit Freunden, ist in eine Unterhaltung vertieft, bricht auf und lässt die Kamera versehentlich liegen. Ehrliche Finder nutzen verstärkt soziale Netzwerke wie Facebook, um den Besitzer ausfindig zu machen. Dazu laden sie Bilder von der Kamera im Netzwerk hoch, machen einen sogenannten ReTweet (RT), also eine Weiterleitung des Aufrufs, so dass schnell zigtausend User die eingestellten Aufnahmen mit dem Aufruf sehen.

Der Erfolg gibt der Vorgehensweise Recht. Immer wieder ist zu lesen, dass auf diesem Weg Besitzer und Fotoapparat zueinander finden. Dies bestärkt einen in der Vorgehensweise, auch, wenn man als Finder so gegen das Urheberrecht des Fotografens verstößt. Ohne dessen Einwilligung dürfen streng genommen keine Aufnahmen im Netz veröffentlicht werden. Da der Fotograf auf diesem Wege wieder an seine Kamera kommt, wird er es wahrscheinlich billigenden in Kauf nehmen und nicht gegen den Finder vorgehen.

Wesentlich kritischer sieht es beim Recht am eignen Bild aus. Um den Kamerabesitzer im Netz ausfindig zu machen, werden Aufnahmen von Personen im Netz hochgeladen, in der Annahme, dass sie etwas mit dem Kamerabesitzer zu tun haben beziehungsweise mit ihm in Verbindung stehen. Dem muss aber nicht zwangsläufig so sein – auf den Bildern kann es sich auch um Personen handeln, die mit dem Fotografen nichts zu tun haben. Werden Aufnahmen von Personen beziehungsweise kleinen Personengruppen im Netz veröffentlicht, so müssen diese ihre Zustimmung dafür geben, ansonsten können sie dagegen vorgehen. Da das Netz bekanntlich nichts vergisst, lassen sich einmal eingestellte Aufnahmen aus ihm nicht mehr löschen.

Dem Finder kann möglicherweise Fundunterschlagung vorgeworfen werden, wenn der Besitzer davon ausgeht, dass die Kamera gestohlen wurde und er Anzeige erstattet hat. Mit der Veröffentlichung der Aufnahmen in sozialen Netzwerken gibt man zu, die Kamera gefunden und an sich genommen zu haben. Bleibt die Suche über soziale Netzwerke erfolglos, so darf man die Kamera nicht behalten, denn das wäre Fundunterschlagung. In keinem Fall sollte man die Kamera selbst nutzen, denn das könnte als Besitzanmaßung ausgelegt werden.

Auf der sichersten Seite sind Finder, wenn sie das klassische Fundbüro nutzen. Das kostet, dank der skurrilen Öffnungszeiten, zwar Zeit und ist auch lästig – aber man ist auf der sicheren Seite.

Digitalfotografie 09 / 2012

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1 Kommentare

Sowas gibt's schon lange – nicht erst seit es Social Media gibt. Bei www.fundbuero24.de haben schon mehr als 40.000 User aktiv mitgemacht-

von Rudi
19. September 2012, 20:26:04 Uhr

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