Weißabgleich als gestalterisches Mittel

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Kameras werden immer intelligenter – wenn heute von künstlicher Intelligenz die Rede ist, dann halten wir diese mit unserer Kamera irgendwie schon ein Stückweit in den eigenen Händen. Dessen sind wir uns oftmals gar nicht bewusst. Gute Dienste leistet die künstliche Intelligenz in jedem Fall und sie wird immer schlauer. Nehmen wir hier nur den Weißabgleich. In den Anfängen der digitalen Fotografie musste man oftmals eingreifen, um ja keine Farbverfälschungen zu erhalten. Heute arbeitet der automatische Weißabgleich in den aktuellen Kameras so perfekt, dass Farbverfälschungen Seltenheitswert haben. Das hat zur Folge, dass man sich mit dem Weißabgleich auch nicht mehr wirklich auseinandersetzt. Das ist schade, denn die Einflussnahme über den Weißabgleich nicht nur während der Aufnahme, sondern auch nachträglich ist ein wunderbares gestalterisches Mittel. Wie war neulich im Netz zu lesen „Weißabgleich, Du geile Sau“.

Weißabgleich – Was bedeutet das?

Der Weißabgleich ist dazu da, die Kamera auf die Farbtemperatur des Lichtes am Aufnahmeort einzustellen. Die durch das Licht entstehenden Farbstiche werden durch Verschiebung der roten, blauen und grünen Farbkanäle zum Weiß hin ausgeglichen – daher auch der Name Weißabgleich. Das Ergebnis sind in der Regel farbgetreue/neutrale Aufnahmen.
Neben der Quelle des Lichtes haben auch die umgebenden Flächen Einfluss auf die Farbe. Grund dafür ist, dass diese Licht absorbieren beziehungsweise reflektieren. Zudem verändert das Licht seine Färbung im Tagesverlauf und in Abhängigkeit von den Begebenheiten. Ein wolkenverhangener Himmel hat auf die Farbgebung ebenso einen Einfluss wie die Zusammensetzung der Luft.

Weißabgleich – Einstellung an der Kamera

Neben dem automatischen Weißabgleich kann man je nach Kameramodell zwischen Tageslicht, Kunstlicht, sonnig und wolkig, Halogen-, Blitz- und Glühlampenlicht wählen. Immer mehr Kameramodelle bieten zudem die Option, mittels Graukarte oder direkter Wahl der Kelvin den Weißabgleich festzulegen. Die Bedienungsschritte unterscheiden sich je nach Kameramodell voneinander. Wichtig ist, dass die Graukarte den gleichen Winkel zur Lichtquelle einnimmt, wie das zu fotografierende Objekt. Ändert sich also die Lichtsituation so ist der erneute Weißabgleich notwendig.

Das menschliche Auge verfügt übrigens über die Möglichkeit der chromatischen Adaption – also dem automatischen Weißabgleich. Die Folge ist, dass der Mensch einen Wechsel der Farbtemperatur kaum wahrnimmt. So wird ein weißes Blatt Papier sowohl unter Kunst- als auch unter Tageslicht immer als gleich weiß angesehen. Die digitale Kamera kann das nicht automatisch, hier greift der Weißabgleich, auf den man als Fotograf Einfluss nehmen kann.

Weißabgleich – Zwei Optionen der Einflussnahme

Als Fotograf hat man die Option, über die Kamera Einfluss auf den Weißabgleich zu nehmen oder aber im Nachhinein mittels Bildbearbeitung. Letzteres setzt jedoch voraus, im RAW-Format zu fotografieren. Höherwertige Kameras bieten die Option, im JPEG- oder RAW-Format fotografieren zu können. Bei einigen Kameras ist die gleichzeitige Aufnahme sowohl im JPEG- als auch RAW-Format möglich. Hier hält man sich natürlich alle Möglichkeiten offen. Wichtig ist, dann an genügend Speicherkapazität zu denken. Im RAW-Format werden die Bilddaten „roh“ abgespeichert – eine Veränderung des Weißabgleichs führt zu keinen Qualitätsverlusten wie beim JPEG-Format.

Digitalfotografie 03 / 2016

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