Activate your Megapixels. PRINT. - Bilder muss man fühlen können

Activate your Megapixels. PRINT! Bildgalerie betrachten

Aus dem Leben: Seit Kristof F. das erste Bild bei seiner Portfoliopräsentation auf dem iPad geöffnet hatte, waren keine 90 Sekunden vergangen, als der Gesprächspartner schon auf die Uhr sah. Und nach einem Dutzend Bilder war die Präsentation schon beendet. „Wir werden uns melden, wenn wir Sie brauchen“. So hatte sich der junge engagierte Fotograf den Gesprächsverlauf nicht vorgestellt. Glücklicherweise hatte Kristof F. Freunde, bei denen er sein Portfolio-Album auf Fineart-Medien in perfekter Qualität drucken konnte. Kristof F.: „Beim nächsten Gespräch gab ich das gedruckte Album dem Gesprächspartner aufgeschlagen in die Hände. Besser hätte es nicht laufen können. Statt nach sieben Minuten wieder draußen zu sein, entwickelte sich ein wunderbares Gespräch über meine Bilder.“

Was Kristof F. erlebte, bestätigt aus eigener Erfahrung der Berliner Porträtspezialist Götz Schleser. Er fotografiert Merkel, Schäuble, Trittin und andere Politprominenz. Schleser: „Die Betrachtungsdauer und Intensität eines Fineart-Portfolio-Albums ist um ein Mehrfaches höher als die einer Präsentation auf dem Display.“

Vor dem Hintergrund derartiger Erlebnisse und der Tatsache, dass hochauflösende Sensoren mit 16, 24 und 36 Megapixel in vielen Fototaschen beinahe Standard geworden sind, entstand im Sommer 2014 der Slogan „Activate your Megapixels. PRINT“. Während der photokina 2014 konnte man dieses Motto an den Ständen verschiedener Drucker/Medien-Hersteller finden. Ein 3 × 5 Meter Banner über dem photokina-Boulevard vermittelte den Claim an zigtausende Messebesucher und ließ erkennen, wer das Logo bereits nutzt. Dies sind die Unternehmen Canon, Canson, Epson, Hahnemühle, Ilford, Le Bon Image, Mitsubishi, Lasersoft Imaging, Rauch, Sihl, Sander Imaging und Tecco. Initiator Hermann Will, Chefredakteur des Magazins FineArtPrinter, erläutert zu der Initiative: „In der Geschichte der Fotografie wird die Dekade zwischen 2004 und 2014 als eine Findungsphase der Digitalfotografie eingehen. Dass man in dieser Zeitspanne beinahe gänzlich darauf verzichtete Bilder, also Prints, zu fertigen, ist nur durch die Polarität zwischen Befürwortern der digitalen Fotografie und solchen, die sie möglichst lange ablehnten, erklärbar. In diesen Diskussionen ging es nicht um das Bild als Endergebnis unserer Fotografie, sondern ausschließlich um technische Versprechungen. Und hinsichtlich der Bildpräsentation auf dem Display zeigt sich, dass sich diese Versprechungen nicht erfüllen, weil Bilder mehr sind als Rechnungen, die man getrost elektronisch archivieren kann. Aber Bilder sind dann am wirkungsvollsten, wenn wir sie „begreifen“. Nicht intellektuell sondern schlichtweg haptisch, also mit den Händen anfassen können.“

Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts gab es den Begriff „Multimedia“. Darunter verstand man die Präsentation von Bild mit Ton. Eine Bildpräsentation am kalibrierten 24-Zoll-Monitor, mit Musik unterlegt, mag heute in der Tat multimedialen Charakter haben. Doch welche Musik hinterlegt man, wenn man eine Reportage aus dem Ukraine-Konflikt präsentiert oder eine Serie über Kinderheime in Rumänien? Multimedial im einfachsten Sinne des Wortes wird es jedoch auch schon, wenn unsere Augen mit der Bildaussage und unsere Hände unterschwellig mit der Struktur des Papier(-Bildes) beschäftigt sind. Zudem lässt sich auch wissenschaftlich nachweisen, so Hermann Will, dass Inhalte auf dem Monitor flüchtiger betrachtet werden als in gedruckter Form. Dies hat auch damit zu tun, dass der Monitor für viele von uns Arbeitsgerät ist. Dass man unbewusst dann zur Ungeduld neigt, wenn sich am (Arbeits-)Monitor ein schwaches Bild zeigt, ist nachvollziehbar. Und noch einen weiteren Vorteil hat das gedruckte Bild: es konfrontiert uns schonungslos mit unseren Fehlern, die wir bei der Aufnahme möglicherweise gemacht haben. Das gedruckte Bild können wir nicht mehr wegklicken, wie wir dies am Monitor gerne tun. Der Print belügt uns nicht – im Gegenteil, er erzieht uns. Drucken ist der einzige Vorgang im fotografischen Workflow, bei dem es schmerzt, wenn man Fehler macht, weil es Geld kostet. Ob Fotografen eine Speicherkarte erneut formatieren, ist kostenneutral. Ein neues Blatt Papier einzulegen ist ein erzieherischer Effekt, der in der Fotografie leider verloren ging.

FineArtPrinter-Chefredakteur Hermann Will erklärt dazu: „Wer sich der Aufgabe stellt, seine Bilder selber zu drucken, wird nach einigen Monaten feststellen, dass er sich in einem phantastischen Lernprozess wiederfindet, denn um das für den Druck geeignete Motiv aus einer Serie auszuwählen, muss man sich mit allen seinen Aufnahmen beschäftigen. Doch genau dies ist vielen Anwendern lästig geworden. Der Selektionsprozess, um aus 80 Fotos das optimale auszuwählen, ist extrem lehrreich. Dieses Bild dann gedruckt in Händen zu halten ist der nächste Schritt, denn anders als in der Monitor-Sicht sehen wir im Print alle Bildpunkte und können in aller Ruhe feststellen, ob wir gut gearbeitet haben. Ob die Schärfe da liegt, wo sie hin soll, ob die Durchzeichnung in den Schatten und Lichtern stimmig ist, ob die Farben oder Grauwerte unserer Aufnahme entsprechen.“

„Activate your Megapixels. PRINT“ ist nichts anderes als eine Rückbesinnung auf das Bild als finales Ergebnis unseres fotografischen Schaffens. Der Print war seit Erfindung der Fotografie vor 175 Jahren das Ziel für die Benutzung einer Kamera. Daran ändern auch die Möglichkeiten, Bilder auf Social-Media-Plattformen und im Web generell zu teilen, nichts. Auch die in den Millionen zählenden Bilderströmen des Netzes wirklich relevanten Bilder werden letztlich gedruckt. Die Sensoren der modernen Systemkameras mit 16, 24 oder 36 Megapixel jedenfalls sind nicht dazu gemacht, um deren Ergebnisse ausschließlich am Monitor zu betrachten. Dafür genügen 3 Megapixel.

Digitalfotografie 10 / 2014

8 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden