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Die Heinzelmännchen der Photographie - Automatisierung im digitalen Photolabor

In unserer immer schnelllebiger werdenden Zeit erscheint der Wunsch, die besonderen Augenblicke des Lebens im Photo festzuhalten, um sie der Vergänglichkeit zu entreißen, als ein natürliches Grundbedürfnis. Nie wurde häufiger photographiert als heute. Nie war das Photographieren einfacher als heute. Dank der Digitaltechnik wurden Kameras zu ständigen Begleitern, die unser Leben auf Schritt und Tritt in Bildern dokumentieren. Doch nicht selten folgt der Freude beim Druck auf den Auslöser der Frust bei der Konfrontation mit der Bilderflut. Der Kick beim Klick ist angesichts der zeitraubenden Aufgabe, Ordnung in das Bilderchaos zu bringen, schnell verflogen. Je mehr photographiert wird, umso schwieriger werden Auswahl, Aufbereitung und Aufbewahrung der Bilder. Der Unmut danach scheint angesichts des Aufwands für das Ordnen und Nachbearbeiten von Photos vorprogrammiert.

Mittel gegen den Frust danach
Frust muss nicht sein, denn kluge Köpfe haben intelligente Programme entwickelt, die häufig wiederkehrende, zeitraubende Routinearbeiten automatisieren. So gehört es fast schon zum Standard, dass Transferprogramme, mit denen Photos aus einer mit dem PC verbundenen Kamera auf die Festplatte übertragen werden, automatisch nach dem Aufnahmedatum geordnet werden. Manche Digitalkameras verfügen über spezielle Tasten, mit denen sich Photos schon in der Kamera als Favoriten kennzeichnen lassen und so die spätere Auswahl am PC erleichtern.

Je mehr Aufnahmen von einem Motiv gemacht wurden, umso schwerer fällt später die Auswahl, welches Bild für das Familienalbum ausgedruckt oder im neuen Photobuch auf welcher Seite erscheinen soll. Da sind Programme, die aus einem ungeordneten Bilderwust automatisch ein Photobuch zusammenstellen, eine willkommene Hilfe. Angeboten werden solche praktischen Software-Tools von fast allen digitalen Bilderdiensten, die das gedruckte Photobuch als Alternative zum Photoalbum vermarkten. Allerdings mit deutlichen Unterschieden hinsichtlich des Automatisierungsgrades.

Mit wenigen Klicks zum guten Buch
Die besten von ihnen ordnen nicht nur das vorhandene Bildmaterial automatisch chronologisch nach dem Aufnahmedatum, sondern wählen aus mehreren Aufnahmen vom gleichen Motiv automatisch das technisch beste Photo aus und gewichten die Bilder bezüglich Größe und Platzierung im Layout des Buches. Dabei werden die Photographien hinsichtlich Helligkeit, Kontrast und Farbe automatisch für den Druck optimiert. Das Beste an der ganzen Sache: Der Photograph kann den Vorschlag der Software, wo es ihm wesentlich erscheint, nach eigenen Vorstellungen modifizieren. Er erhält nahezu vollautomatisch einen Grundvorschlag, den er jederzeit seinen Wünschen entsprechend optimieren kann.

Doch der Frust über die zeitaufwändigen Routineaufgaben bei der Nachbearbeitung digitaler Photos beginnt meist schon viel früher. Zum Beispiel bei der Sichtung und Archivierung der Bilder. So sind trotz Vorblitzfunktion und ähnlicher Maßnahmen bei Blitzaufnahmen im Schummerlicht auf den Partyphotos die roten Augen kaum zu vermeiden. Nun gibt es zahlreiche Programme, mit denen sich dieser Effekt im Nachhinein korrigieren lässt. Doch dazu muss meist jedes Photo einzeln im Programm geöffnet und der Bereich der geöffneten Pupille markiert werden, damit das Programm dann per Mausklick die „Kaninchenaugen“ verschwinden lässt. Doch inzwischen kann man sich auch diese Mühe sparen. Einige Spezialprogramme erkennen heute rote Blitzaugen im Motiv und korrigieren sie ganz allein. Das machen zum Beispiel fast alle Großlabore und Minilabs. Deren professionelle Bildverarbeitungssoftware weiß beispielsweise aus den Aufnahmedaten, ob geblitzt wurde oder nicht und über eine integrierte Gesichtserkennung auf Basis komplexer Algorithmen erkennt das praktische Softwarewerkzeug auch, ob es sich auch wirklich um Augen und nicht um zwei rote Punkte im Motiv handelt.

Automatisch Ordnung halten
Mehr Freude am Photographieren, das war bisher die Devise der Entwickler im Bereich der Digitalphotographie. Jetzt soll auch dem Umgang mit Bildern bei der Nachbearbeitung durch weitgehende Automatisierung von Routine-Arbeitsabläufen der Frust genommen werden. Wie das geschehen soll, haben unter anderen die Software-Entwickler des Fraunhoferinstituts mit ihrem aceMedia Projekt gezeigt. Das von der EU geförderte Projekt soll Profis und Amateuren helfen, auch nach Jahren noch automatisch im Bilderwust auf der Festplatte ein bestimmtes Photo zu finden. Dazu untersucht das Programm schon beim ersten Speichern auf der Festplatte die Bilder nach visuellen und inhaltlichen Eigenschaften. Es weiß automatisch, ob es sich um eine Innen- oder Außenaufnahme, ob am Strand oder in den Bergen handelt oder ob beispielsweise die Skyline einer Stadt abgebildet ist. Die Software „beschriftet“ dann automatisch die digitale Bilddatei und ordnet die Bildersammlungen nach Themen und Zeiträumen. Erkennt aceMedia ein Gesicht wieder, so ordnet das Programm es automatisch dem Namen der Person zu.

Ein weiteres Projekt ist der Pocket-PC-Browser, der automatisch große Bildbestände auf mobilen Geräten ordnet. Gibt etwa der Anwender des Programms ein Bild mit einem Schiff ein, so zeigt es ihm alle anderen gespeicherten Photos auf denen das Schiff zu sehen ist. Das Programm erzeugt von allen gespeicherten Photos eine Minidatei, die nach bestimmten Merkmalen analysiert wird. Später kann der Photograph dann mit Hilfe des Programms die gespeicherten Photos nach diesen Merkmalen durchforsten und automatisch nach bestimmten Motiven suchen lassen.

Schweizer Bildtresor mit automatischer Fehlerkorrektur
Einen ähnlichen Ansatz verwendet das PhotoBot Programm der kalifornischen „Tribeca Labs“ Softwareschmiede. Es nimmt für sich in Anspruch das erste Zero-Klick-Programm zur automatischen Nachbearbeitung digitaler Photos zu sein, das aus fehlerhaften Aufnahmen gute Bilder zu machen verspricht. Es ist für alle Schnappschützen gedacht, die sich nach dem Druck auf den Auslöser nicht mehr mit der Weiterbearbeitung der Photos beschäftigen wollen. Ganz nach dem Motto: „Photographieren macht Spaß, Nachbearbeitung ist Hausarbeit“. PhotoBot durchsucht ständig die Computerfestplatte nach neuen Photos und korrigiert sie automatisch in Bezug auf Helligkeit, Kontrast und Farbgebung. Es eliminiert selbsttätig rote Blitzaugen und überträgt die Bilder auf Wunsch automatisch in das persönliche Bildarchiv bei der „Swiss Picture Bank“, der Schweizer Telefongesellschaft, wo sie sicher aufbewahrt und nach Datum und Inhalt geordnet jeder Zeit und überall auf Abruf zur Verfügung stehen, um sie Freunden, Bekannten und Familienangehörigen stolz zeigen zu können.
 

Digitalfotografie 03 / 2007

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