Bilddatensicherung - Wie Fotografen die Cloud nutzen können

Cloud-Computing
Die Cloud ist in aller Munde. Für die einen ist sie das Mittel der Wahl, um große Datenmengen sicher zu verwalten, für andere ist sie die reinste Datenschleuder, weil die Daten eben aus der Hand gegeben werden. Wohin also mit den Fotos? Weiter auf der Festplatte speichern und bei Bedarf auf einen USB-Stick kopieren? Oder vielleicht doch zentral speichern? Es gibt viele Möglichkeiten – nur eine der vielen sollte man nutzen, denn nichts ist ärgerlich als Bilddatenverlust.

Allein schon der Begriff „Cloud“ deckt einen so großen Bereich ab, dass es einfach keine generelle Empfehlung geben kann. Aber einige Hinweise, wie Daten sinnvoll verwaltet und bereitgehalten werden können. Welche Sicherheitsstufe, die jeder Fotograf für seine Bilder anlegt, muss jeder für sich selbst beantworten. Aber es gibt verschiedene Varianten des schwammigen Begriffs „Cloud“ und selbst wer seine Fotografien nicht aus der Hand geben möchte, kann trotzdem mit einer Cloud eine passende Lösung für sich finden.

Das Wesen der Cloud und ihr hauptsächlicher Zweck ist es, Inhalte an verschiedenen Stellen immer abrufen zu können. Man sollte deshalb die Cloud nicht mit anderen externen Speicherlösungen verwechseln, die beispielsweise dazu dienen, ein Backup auszulagern. Auch das wird an einem entfernten, mitunter nicht genau zu bestimmenden Ort gelagert, und gewissermaßen ist das dann auch eine Cloud-Lösung. Cloud bedeutet im Prinzip nichts anderes, als dass Daten aus der Hand gegeben werden, die dann wieder abgerufen werden können, wenn sie gebraucht werden. Aber die eigentliche Cloud-Lösung für Fotografen ist eben die, dass Bilddateien gespeichert und von verschiedenen Stellen abgerufen werden können.

Braucht man die Cloud?

Nun stellt sich die Frage: Brauche ich das überhaupt? Wer immer nur an einem Computer sitzt, dort seine Bilder bearbeitet und hin und wieder mal eines verschickt, braucht das nicht. Aber schon wer vielleicht auch eimal mit dem Laptop auf dem Sofa arbeiten möchte, muss seine Bilddateien ja transportabel machen. Das ging natürlich auch vor der Cloud und geht nach wie vor, mit CDs, USB-Stick oder direktem Zugriff auf ein netzwerkfähiges Laufwerk des Computers. Aber nur letztere Lösung hat den Vorteil, dass bearbeitete und wieder gespeicherte Fotos auch gleich überall auf dem neusten Stand sind. Händische Varianten, also das Hin- und Hertragen von Bilddateien, haben den entscheidenden Nachteil, dass sie manuell wieder auf allen Geräten aktualisiert werden müssen. Da kann einem die Lust an den Urlaubsbildern auf dem Sofa ganz schnell wieder vergehen, wenn hinterher erst alles auf einen Datenträger und dann am Computer auf die Festplatte kopiert werden muss. Und spätestens, wenn mal fünf, zehn USB-Sticks auf dem Schreibtisch liegen, lähmt allein der Anblick. Also dann doch eine Cloud.

Die heimische Cloud-Lösung

Die heimische Cloud-Lösung besteht im Prinzip aus einem zentralen Bilderspeicher, auf dem alle Dateien abgelegt sind und auf den alle zugreifen. Ein eigener Server muss es dabei gar nicht sein. Das Zauberwort für die heimische Cloud heißt NAS („Network Attached Storage“) und ist in den verschiedensten Ausführungen erhältlich. Ein NAS wird einfach ins heimische Netzwerk integriert und stellt die Daten darauf allen Geräten zur Verfügung. Moderne NAS sind meist mit einem eingängigen und einfach zu bedienenden User Interface ausgestattet, so dass niemand vorher Informatik studieren muss, um einen eigenen Cloud-Speicher zu Hause einzurichten.

Viele NAS, die derzeit auf dem Markt sind, sind als RAID ausgelegt, also „Redundant Array of Independent Disks“, was nichts anderes bedeutet, als mehrere Festplatten, die sich gegenseitig auf dem neuesten Stand halten. Damit ist eine vergleichsweise hohe Ausfallsicherheit gegeben, was bedeutet, dass Bilddateien im heimischen NAS vor Verlust erst einmal gesichert sind. Allerdings ist ein NAS auch mit RAID-System kein Backup. Wenn das NAS in Flammen aufgeht, sind alle Bilder zerstört. Ein Cloud-Speicher ersetzt zuerst einmal keine Datensicherung.

Cloud-Dienst über das Internet

Ein bisschen sicherer kann sich jeder fühlen, der einen Cloud-Dienst über das Internet in Anspruch nimmt. Zumindest dann, wenn der Anbieter die Sicherheit der Daten garantiert. Wer sich nur in einem Rechenzentrum einen Server mietet und seine Bilder dorthin schaufelt, sich aber nicht um ein Backup kümmert, hat das Problem der Datensicherung nur ausgelagert. Und überhaupt: In Zeiten wöchentlich neuer Enthüllungen über Datenspionage stellt sich die Frage mit der Cloud ohnehin neu.

Man mag sich unbehaglich fühlen, wenn der Geheimdienst im Bildarchiv wühlen kann und dann weiß, wo welcher Urlaubstrip hingeführt hat. Realistisch betrachtet weiß das der Geheimdienst aber längst, weil er ja überwacht, wann welches Handy wo ist. Und auch ein Computer, der gar nicht ans Internet angeschlossen ist, ist nicht sicher, wie zuletzt klar wurde. Im Zweifelsfall kann sich ein Geheimdienst überall Zugriff auf elektronische Daten verschaffen. Man sollte sich diesbezüglich keinen Illusionen hingeben. Aber das ist ja auch nicht das Problem. Da mag die NSA den Datenverkehr überwachen und bei Bedarf Bilder herausziehen, so sie denn Interesse an Urlaubsbildern oder solchen aus dem eigenen Schlafzimmer hat, die Gefahr lauert aber ganz wo anders.

Hacker-Zugriffe

Wie ist das eigentlich, wenn Hacker sich Zugriff auf einen Cloud-Speicher verschaffen? Ein paar pikante Bilder, eine Adresse, E-Mail-Adresse oder nur Name sowie Land des Besitzers und dann die einfach mal in aller Welt auf einer Website streuen und nur gegen Geld wieder entfernen? Erpressung wäre das und allzu abwegig ist die Vorstellung nicht, nachdem Ähnliches auch schon mit heimlich aufgenommenen Videos von Webcams passierte. Und die Gefahr, dass ein Hacker sich Zugriff verschafft, scheint ungleich höher als die Möglichkeit, dass ein Geheimdienst, der die Bilder im Keller liegen hat, diese wieder hervorkramt. Es ist eine gewisse Vorsicht geboten, wenn es darum geht, Daten in der Cloud außer Haus zu speichern. Wer auf Nummer sicher gehen will, verschlüsselt seine Daten, bevor sie das Haus verlassen.

Verschlüsselte Daten

Aber dann liegen verschlüsselte Daten in der Cloud und der Nutzen ist futsch. Denn wenn man darauf zugreifen möchte, müssen die Daten ja auch wieder entschlüsselt werden. Das funktioniert am Computer zu Hause wahrscheinlich perfekt, aber unterwegs, am Laptop? Dann muss auf allen Geräten der gleiche Client installiert sein und schon war es das mit dem Zugriff von überall her. Mal eben bei einem Freund ein paar Bilder aus der Cloud ziehen? Geht nicht, sind ja verschlüsselt. Dann muss die passende Software installiert werden, der mitunter elend lange Schlüssel importiert werden – es wird keinen Spaß mehr machen. Was bleibt ist dann doch nur die Möglichkeit, auf den Anbieter seines Vertrauens zu setzen und zu hoffen, dass die Daten dort sicher sind.

Externe Cloud

Die externe Cloud funktioniert ansonsten im Prinzip genauso wie die heimische Variante. Nur eben, dass man sich weder um Festplatten noch um das Backup Gedanken machen muss. Das ist der wirklich große Vorteil. Wer viel mit seinen Bildern arbeitet, kann dann aber noch ein Problem haben: die Internet-Anbindung. Denn eine eigentlich schnelle Anbindung kann ganz schnell zur lahmen Ente werden, vor allem wenn es um den Upload geht. Da die meisten DSL-Anschlüsse in Wirklichkeit ADSL-Anschlüsse sind, die unterschiedliche Geschwindigkeiten für Upstream und Downstream bieten, wird es in den meisten Fällen am Upstream haken. Der ist mitunter zehnmal langsamer als der Download und wenn dann jedes einzelne Bild eine Minute braucht, um in der Cloud zu landen, macht es einfach keinen Spaß mehr. Und deshalb gibt es weitverbreitete Cloud-Lösungen für Bilder, heute vor allem für Mobilgeräte, die ihre Daten in die Cloud senden, von wo aus sie dann verteilt werden.

Cloud-Lösungen über das Internet kommen bisher vor allem für Backups in Frage – dabei kommen viele Probleme nicht zum Tragen. Ein Backup wird in der Regel nicht von verschiedenen Geräten abgerufen, kann also problemlos sicher verschlüsselt werden. Außerdem müssen auch nicht beim Arbeiten alle Daten gleich übertragen werden. Eine entsprechende Software vorausgesetzt, läuft ein Backup in der Cloud im Hintergrund mit und dann stört es auch nicht, wenn das Backup ein bisschen nachhängt. Die Arbeitskopie bleibt dann auf dem heimischen Computer oder in der eigenen kleinen Cloud im Haus.

Digitalfotografie 02 / 2014

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1 Kommentare

toller Artikel, der noch einmal neue Gedanken aufwirft. ich habe mich vor einiger Zeit für eine cloud entschieden und habe sie bei meinem webhoster goneo eingerichtet, da ich dort ja eh Daten für mein Webspace lagere, erschien es mir als richtig, dort zu bleiben, ich bin noch nicht enttäuscht worden. ich finde das Teilen der Bildmenge über die cloud als sehr angenehm und leicht. emails können meist die Größe nicht versenden, die ich an Freunde verteilen muss, wenn mal wieder Bilder gemacht wurden, und es ist durch einen passwortschutz auch sicherer, als bei facebook &co. sämtliche freunde, die sich in meiner cloud die Bilder herunterladen meinen, die handhabung ist auch nicht allzu kompliziert. reine datensicherung betreibe ich aber auf externen festplatten, dafür sind die relativ großzügig bemessenen 100GB meiner cloud nämlich nicht ausreichend.

von Hannah
04. März 2014, 17:45:19 Uhr

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