Bildkommunikation - Im Netz der Daten, das nicht vergisst

Bilderflut
Heute wird so viel fotografiert wie niemals zuvor – es wimmelt um einen herum nur so an Aufnahmegeräten, die mit verantwortlich für die ins Unermessliche wachsende Bilderflut sind. Ein wesentlicher Impulsgeber für das Bildermeer ist aber auch, dass sich der Umgang mit Fotografien durch die technischen Möglichkeiten verändert hat. Diente die Fotografie bis vor wenigen Jahren vornehmlich dazu, Augenblicke sowie Erlebnisse zu bewahren und zu dokumentieren, so liegt heute einer ihrer Aufgaben in der Kommunikation – Bilder haben sozusagen vielerorts die Sprache verdrängt. Dies verwundert nicht, bei der Kraft und der Macht, die von Bildern ausgeht – denn die „Fotografie, die Sprache des Sehens, ist ein Medium, indem sie die Kluft zwischen Sprache und Buchstaben überbrückt, wird sie zum idealen Mittel der weltweiten Kommunikation.”, so Andreas Feininger.

Bildkommunikation – Selbstverständlichkeit mit all ihren Auswüchsen

Bildkommunikation mit all ihren Auswüchsen ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Schnell sind Bilder und/oder auch Videos in sozialen Netzwerken wie Facebook, google+, Pinterest, Instagram gepostet. Strömungen von bestimmten Bilderpostings sind immer wieder auszumachen – viele sind nicht bedenklich, wenn das Netz sie für immer in seinen Klauen weiß, denn Gefahren gehen von Pustblumen oder dem getigerten Kater nicht wirklich aus. Anders verhält es sich bei Aufnahmen von Personen, die beispielsweise betrunken in der Ecke liegen oder bei dem aktuellen After-Sex-Selfie-Trend. Wir lassen das Urheberrecht hier einmal außen vor, denn rechtens ist es nicht, wenn Bilder von Personen gepostet werden, die hierzu nicht ihre Zustimmung gegeben haben. Die Frage in diesem Zusammenhang ist natürlich, inwieweit man von solchen Postings als Abgelichteter überhaupt Kenntnis hat.

Vergisst das Internet – Dateneinträge löschen

Fest steht, dass das Internet nicht wirklich vergisst und es schon eine Herausforderung darstellt, Beiträge – ob nun Text, Bild oder Video – in sozialen Netzwerken, aber auch in Foren zu löschen. Es verwundert deshalb nicht wirklich, dass es dafür inzwischen Dienstleister wie Web-Killer.de gibt. Die Kosten beginnen je nach Agentur bei um die € 30,— und können schnell aber auch über € 200,— liegen. Ob die Löschung von Erfolg gekrönt ist, hängt mit vom Portal ab. Ja, und ob die Daten im Netz wirklich verschwunden sind, kann wahrscheinlich nahezu ausgeschlossen werden – es wird nur erschwert, sie zu finden, aber irgendwo geistern sie bestimmt noch rum.

Natürlich kann man sich auch selbst um die Löschung bemühen. Dies setzt mitunter eine gewisse Hartnäckigkeit voraus, erst recht dann, wenn das Portal die Löschung von Einträgen (Bild/Text) nicht vorsieht. Neben dem elektronischen Weg über Mails und entsprechende Meldebuttons hilft möglicherweise der Weg über Fax oder den aufgegebenen Brief. Wichtig ist, in den schriftlichen Ausführungen den Grund für die Löschung oder Anonymisierung – hier verschwindet der Bezug zu einem – anzugeben, denn das erhöht die Erfolgsaussichten. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung verschwindet der Beitrag dann auch aus der Suchmaschine. Sogenannte Suchroboter durchsuchen wichtige Seiten mehrfach am Tag – man kann den Vorgang auch beschleunigen, indem man sich direkt an google und Co. wendet. Der Service ist kostenfrei. Oftmals erscheinen Beiträge, obwohl sie gelöscht wurden. Grund dafür ist, dass Webserver und Suchmaschinen Inhalte in sogenannten Zwischenspeichern – Cache – ablegen. Dieser dient der schnelleren Anzeige bei großem Andrang auf Webseiten und auch als Sicherungskopie. Aktualisiert man den Cache, dann müsste der Eintrag weg sein.

Meldefunktion in sozialen Netzwerken und auf Plattformen

In der Regel bieten soziale Netzwerke und Plattformen Meldefunktionen. Diese dienen dem Schutz vor Belästigung und Mobbing. Findet man Bilder und Textbeiträge, die man entfernt wissen möchte, kann die Löschung darüber erfolgen.

Bei Instagram können Bilder und Videos als „unangebracht“ gemeldet werden – der Grund ist anklickbar wie beispielsweise „Dieses Foto bringt andere in die Gefahr: Belästigung oder Mobbing“. In der Praxis sieht es dann so aus, dass Instagram den Link vom Foto zum Profil des Meldenden entfernt. Auf der Profilseite des Urhebers ist es aber nach wie vor noch sichtbar. Bei google+ läuft es ähnlich: „Diesen Beitrag melden“ und den Grund angeben. Text und Bilder werden von google+ im Profil des Melders gelöscht – auf der Seite des Urhebers bleiben Bild, Text und Link jedoch sichtbar. Auch bei Facebook kann man Beiträge sowie Fotos melden und einen Grund für die Löschung angeben. Facebook wendet sich per Mail an den Urheber, mit der bitte den Beitrag zu löschen. Reagiert der Urheber nicht, weil es sich beispielsweise um eine „unechte“ Profilseite handelt, dann muss man über die Funktion „Markierung entfernen“ gehen. Dadurch werden die verknüpften Inhalte von der eigenen Facebookseite entfernt. Bei Twitter muss man sehr hartnäckig sein, denn obwohl es auch hier eine Meldefunktion gibt, bleiben Beiträge einsehbar.

Fazit

Bilder, Videos und Beiträge, die einmal im Netz sind, können aus diesem nur mit viel Mühe mehr oder weniger gut entfernt werden. Aus diesem Grund sollte man, bevor man seine Spuren im Netz hinterlässt, sich genau überlegen, ob diese diskriminierend, belästigen und schikanierend sind und/oder ob sie zum Mobbing beitragen. Die Zukunft sollte man zudem im Blick haben, denn bewirbt man sich beispielsweise auf eine Stelle, dann wird gern nachgeforscht, was das Netz über einen hergibt.

Wichtig ist, das Recht am Bild zu wahren. Auch, wenn Aufnahmen von Personen nicht diskriminierend, belästigen und/oder schikanierend sind, so darf man diese ohne deren Zustimmung nicht in der Welt verbreiten.

Digitalfotografie 02 / 2015

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