Digitale Bilder groß projizieren

Impressionistische Kreuzung Bildgalerie betrachten

Blende ,"Impressionistische Kreuzung"
Herwig Spielvogel

Wer digital photographiert, möchte seine Bilder natürlich auch angemessen präsentieren. Neben einem Ausdruck oder der Ausbelichtung als Photo ist die digitale Projektion eine faszinierende Art der Bildpräsentation. Fast jeder DigiCam liegt ein Programm bei, mit dem Bilder nicht nur angeschaut und sortiert, sondern auch bearbeitet und als "Dia"-Show präsentiert werden können.

Wie aus Bildern Shows werden
Praktisch jede Viewer-Software ist in der Lage, eine Auswahl von Aufnahmen nacheinander groß darzustellen. Dabei kann der Anwender entweder eine bestimmte Standzeit vorgeben oder die Bilder per Mausklick wechseln. Leistungsstärkere AV-Software bietet weit raffiniertere Funktionen für die kreative Gestaltung von audiovisuellen Shows, denn Bilder können weich überblendet oder mit Übergangseffekten versehen werden. Mit sogenannten Kamerafahrten lassen sich Bilder in Bewegung setzen, also beispielsweise ein Schwenk am Horizont entlang einer Gebirgskette oder das Hineinzoomen in ein Bild, um bestimmte Details vergrößert zu zeigen. Für eine gute Bildqualität ist es wichtig, daß die Software die Bilder in voller Auflösung des angeschlossenen Monitors beziehungsweise Beamers darstellen kann, indem sie Hardware-Rendering moderner Graphikkarten ausnutzt. Programme, die Präsentationen nur auf Basis von Video-CDs oder -DVDs erstellen können, begrenzen die Qualität erheblich.

Natürlich ist auch das synchrone Arrangieren zu einer passenden Musik möglich. Selbst Kommentar und Geräusche lassen sich dazumischen, so daß ein richtiger Soundtrack entsteht. Wer Photos und Videos kombinieren möchte, kann dies bei einer digitalen AV-Show mit geeigneter Software ebenfalls tun, denn einem Datenprojektor ist es völlig egal, ob er stehende Bilder oder bewegte Videos projiziert.

Das Bild entsteht im Projektor
Natürlich kann eine digitale Show am Monitor erstellt und präsentiert werden. Doch wenn mehrere Zuschauer gleichzeitig in den Genuß kommen sollen, ist der Einsatz eines Datenprojektors, auch Beamer genannt, sinnvoll. Da bei der Projektion ein Bild anhand von Daten erst im Beamer entsteht, sollte man diesem Gerät besondere Aufmerksamkeit schenken.

Im Vergleich zu einer Business-Präsentation stellt die Projektion von Bildern oder Videos erheblich höhere Ansprüche an die Qualität. Kommt es bei der Projektion von Diagrammen und Texten während eines Geschäftsmeetings meist auf ein möglichst helles Bild an, sind es bei der photorealistischen Darstellung insbesondere Farbwiedergabe, Kontrast und Auflösung, die den Bildgenuß bestimmen.

Die Hersteller haben inzwischen die unterschiedlichen Anwendungsfälle erkannt und bieten entsprechende Projektoren an. Sehr verbreitet sind Heimkinoprojektoren, die auf gute Bildwiedergabe und weniger auf Helligkeit getrimmt sind. Eine relativ geringe Helligkeit von vielleicht 800 bis 1.000 ANSI-Lumen muß kein Manko sein, wenn man im abgedunkelten Raum projiziert. Im übrigen bieten auch normale Diaprojektoren kaum ein helleres Bild, wohl aber Vorteile bei der Schärfe beziehungsweise Auflösung.

Für eine homogene, detailreiche Darstellung sollte der Anwender möglichst auf Beamer mit DLP- oder LCoS-Bildchips zurückgreifen, denn bei den weit verbreiteten LCD-Projektoren ist die Pixelstruktur viel deutlicher sichtbar, was sich für eine photorealistische Darstellung als ungünstig erweist. Für eine gute Detailwiedergabe sollte der Projektor eine Auflösung von wenigstens 1.024x768 Pixel besitzen. Zwar wären 1.280x1.024 oder 1.400x1.050 Pixel wünschenswert, aber sie machen sich leider auch in einem höheren Anschaffungspreis bemerkbar. Heimkinoprojektoren besitzen oft Auflösungen im 16:9 Format, also zum Beispiel 1.280x720 Pixel, was für Bilder mit 4:3 Format allerdings ungünstig ist, denn der teuer bezahlte Bildchip wird nicht voll genutzt. Mit dem richtigen AV-Programm kann man seine Bilder allerdings auch beschneiden und im 16:9 Format präsentieren. Jedoch sollten die Bilder möglichst schon für dieses Format photographiert worden sein.

Bei naturgetreuer Darstellung dunkler Farben kann ein zu geringer Kontrast, wie er häufig bei LCD-Projektoren zu finden ist, ein Problem werden, weil diese dann schmutzig grau wirken und die Brillanz fehlt. Wünschenswert ist ein Kontrastverhältnis von 800:1 oder höher. Moderne DLP-Projektoren protzen heute teilweise mit 2000:1 und mehr - Werte, die selbst das klassische Dia übertreffen. Doch die Farbwiedergabe von preiswerten DLP-Beamern mit einem Chip weist oft Schwächen auf, denn Rot wird meist zu dunkel oder "schmutzig" wiedergegeben und Gelb wirkt zu grünlich. Für eine optimierte Wiedergabe bieten gute Geräte heute Farbmanagement und die Wahl des PC-Standardfarbraum sRGB.

Gratwanderung zwischen Qualität und Preis
Wie so oft muß sich ein Anwender beim Beamerkauf für einen Kompromiß aus Qualität und Preis entscheiden. Zwar haben wir hier einige Grundlagen zur Qualitätsbewertung vermittelt, aber wir empfehlen Ihnen den Besuch beim AV-Fachhändler, denn Bildqualität muß man selbst gesehen haben, da helfen noch so viele gut gemeinte Worte nicht. Es lohnt sich auch, einige AV-Programme auszuprobieren, ehe man mit dem Gestalten umfangreicher Shows beginnt. Übrigens gibt es auch einige interessante Freeware- oder Shareware-Programme für die Präsentation, die Aufmerksamkeit verdienen.
 

Digitalfotografie 04 / 2004

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