Digitalfotografie-Ratgeber: In 4 Schritten zur passenden Speicherkarte für Ihre Kamera

Wer demnächst in Urlaub fährt oder bei dem eine Fototour ansteht, sollte einen Blick auf seine Kameraausrüstung werfen und die Prüfung der Speicherkarten nicht vergessen: Ist ausreichend Platz vorhanden? Sollte noch eine neue erworben werden, damit man alle Erlebnisse und Erinnerungen auf die Karte bannen kann? Wir raten grundsätzlich dazu, mehr als eine Karte mitzunehmen – schon damit man notfalls eine in Reserve hat. Wer nun noch schnell eine neue kaufen möchte, den kann die Vielzahl verschiedener Typen ganz schön verwirren. Wir zeigen Ihnen daher nun, wie Sie in vier Schritten zielgerichtet zum passenden Speicherkarten-Modell finden:

1) Den richtigen Speicherkarten-Typ wählen

Welchen Speicherkarten-Typ man verwenden muss, hängt vom Kameramodell ab und kann einfach im Handbuch nachgeschaut oder beim Kauf erfragt werden. Der häufigste Speicherkarten-Typ ist heutzutage die SD-Karte. Sie ist in drei Varianten erhältlich: der konventionellen Größe, einer Mini- und einer Micro-Variante. Minis werden nur selten benötigt. Micro-SDs sind vor allem für kleine Action Cams und als Speicheraufrüstung für Smartphones verbreitet. Sie können über einen Adapter, der manchmal sogar mitgeliefert wird, auch auf eine konventionelle SD-Kartengröße umgerüstet werden. Dann können sie problemlos in allen Kameras mit diesem Standard verwendet werden. Das macht Micro-SDs universell und potenziell attraktiver als konventionell große SD-Karten. Allerdings sind sie auch so winzig, dass man sie ohne Adapter leicht verlieren oder beschädigen kann.

Speicherkarte - Kartenstandard
Leider ist man mit der Entscheidung für einen Kartentyp oft noch nicht fertig, denn innerhalb der SD-Karten etwa gibt es noch drei verschiedene Standards: SD, SDHC und SDXC. Sie sind aus dem stark zunehmenden Speicherplatzbedarf der letzten Jahre entstanden. Der initiale Standard konnte nur maximal 2 GB speichern. Als die nicht mehr ausreichten, wurde der Nachfolger „SDHC“ eingeführt. Das „HC“ steht für High Capacity, denn auf eine SDHC können bis zu 32 GB geschrieben werden. Mittlerweile reicht jedoch auch das vielen begeisterten Fotografen und vor allem den Filmern nicht mehr aus. Deshalb wurde der SDXC-Standard geschaffen, bei dem das XC für „extended Capacity“ steht. Karten auf dieser Basis können theoretisch bis zu 2 TB umfassen – auch, wenn derzeit erst Modelle mit bis zu 512 GB auf dem Markt sind.

Als Käufer muss man sich mit diesen Standards insofern herumschlagen, als dass die Kamera, in der man die Karten verwenden möchte, den jeweiligen Standard unterstützen muss. SDHC können dabei die meisten halbwegs modernen Geräte verwenden, SDXC dagegen ist noch relativ neu und kann in einigen Kameras zu Problemen führen. Bei SDXC ist auch darauf zu achten, ob es um die Variante UHS-I oder UHS-II handelt. Die Variante UHS-II hat zwei Kontaktreihen auf der Rückseite und muss entsprechend an der Kamera einen passenden Kartenslot haben.

Einige wenige Kameras – vor allem im hochpreisigeren Profi-Segment – benötigen statt der SD-Karten solche im CompactFlash-Format. Sie hatten vor allem in der Vergangenheit deutliche Vorteile in puncto Geschwindigkeit und Kapazität, kommen aber mehr und mehr aus der Mode, weil SD-Karten in beiden Punkten massiv aufgeholt bzw. überholt haben. Bei CompactFlash-Karten gibt es zwei Bauhöhen: Typ I und Typ II. CompactFlash Typ II ist dabei doppelt so dick und kann entsprechend in vielen Geräten nicht verwendet werden. Mittlerweile sind aber sowieso allenfalls noch gebrauchte Karten in dieser Dicke auf dem Markt. Exotisch geworden und ebenfalls allenfalls noch im Gebrauchtbereich relevant sind auch andere Kartentypen wie etwa die MemorySticks, die Sony jahrelang verwendete.

Ganz neu und daher auch noch exotisch ist das Format XQD. Es ist der Nachfolger der CompactFlash und wird etwa von der Nikon D4 und dem Sony FDR-AX1 i Camcorder verwendet. Es zeichnet sich durch eine extrem hohe Geschwindigkeit aus. Heute schon erhältliche XQD-Karten sind rund 20 Mal so schnell wie derzeit weit verbreiteten typischen SD-Speicherkarten der Geschwindigkeitsklasse 10. Und sie sollen noch schneller werden. Dies ist vor allem für 4K-Videofilmer mit hoher Framerate wichtig. Allerdings gilt auch hier: Nur dann, wenn die eigene Kamera den Standard unterstützt, kann eine solche Karte verwendet werden.

2) Die passende Kapazität festlegen

Steht der Kartentyp fest, sollte man als nächstes nach der gewünschten Speicherkapazität eingrenzen. Auch da ist die Palette heutzutage jedoch breit: Zwischen 4 und 512 GB stehen zur Auswahl. Als Faustregel dabei gilt: Je mehr Kapazität, desto höher der Anschaffungspreis.

Speicherkarte - Speicherkapazität
Welche Speicherkapazität für die eigenen Zwecke am besten geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, denn das hängt von der Kamera, der gewählten Bildauflösung und der Art des eigenen Fotografierens ab. Bei einem halbwegs aktuellen Kameramodell mit 12 Megapixel passen wenigstens 170 JPEGs auf eine 4 GB-Speicherkarte. Wer gerne viele Bilder macht und vor allem, wer im Rohdatenformat RAW oder gar in der Kombination RAW- und JPEG aufnimmt, benötigt mehr Platz und kann entsprechend weniger Aufnahmen auf der gleichen Speicherkartenkapazität unterbringen. Auch alle Video-Filmer benötigen große Kapazitäten: 1 Minute in 4K braucht rund 1 GB (kann je nach Kompression auch mehr oder weniger sein).

Manche argumentieren, dass man doch einfach eine Karte mit größtmöglicher Speicherkapazität kaufen solle. Neben dem Preis, der dann rapide ansteigt, ist jedoch in unseren Augen das Sicherheitsargument zu bedenken: Auch die beste Speicherkarte kann kaputt oder verloren gehen. Waren alle Aufnahmen vom Urlaub dort gespeichert, sind sie komplett futsch. Hat man sie auf mehrere Karten verteilt, ist zumindest ein Teil gerettet. Umgekehrt sollte die Karte allerdings so groß sein, dass sie nicht innerhalb einer Fotosession voll ist. Besonders ärgerlich ist das bei Videos, da man unter Umständen den Film unterbrechen muss.

Wir raten daher dem durchschnittlichen Fotografen derzeit zu mindestens 8, besser 16 GB, beim Filmen mindestens zu 16 besser zu 32 oder 64 GB.

3) Die richtige Geschwindigkeit finden

Ist die Kapazität festgelegt, bleiben häufig selbst von einem einzigen Hersteller immer noch mehrere Modelle zur Auswahl. Der wesentliche Unterschied dabei liegt in der Regel in der Geschwindigkeit. Dabei geht es darum, wie schnell die Daten auf die Karte geschrieben bzw. von ihr ausgelesen werden können. Im Prinzip gilt: Je schneller, je besser. Allerdings wird es dann auch teurer. Ob sich die Investition lohnt, hängt davon ab, ob Sie die Geschwindigkeit wirklich brauchen. Vor allem, wer Videos und auch HighSpeed-Serienaufnahmen aufzeichnet, benötigt eine gewisse Mindestschreibgeschwindigkeit, damit der Datenstrom kontinuierlich auf die Speicherkarte geschrieben werden kann und nicht abreißt. Je nachdem, mit welcher Auflösung und Framerate man aufnimmt, sind die Anforderungen an die Karte unterschiedlich hoch. Bei konventionellen Videos in FullHD reicht in der Regel die Geschwindigkeitsklasse 6, bei 4K-Aufnahmen muss es mindestens 10 oder sogar U1 bzw. U2 sein. Die Geschwindigkeitsklasse ist in der Regel klein auf die Karte aufgedruckt. Sie reicht von 2 bis 10 bzw. bei den neuen SDXC-Karten noch bis zu U1, U2 und U3. Dabei ist jeweils die höhere Zahl schneller. Sie ist eine garantierte Mindestgeschwindigkeit.

Speicherkarte - Geschwindigkeit
Einige Hersteller geben auch die konkreten Schreib-/Lesegeschwindigkeiten auf der Karte an. Dies ist zum Detailvergleich interessant, denn vor allem im Segment der SDXC-Karten mit den Geschwindigkeitsbereichen U1 bis U3 sind die Sprünge zwischen den Klassen relativ hoch. Ob eine Karte etwa 11 oder 19 Megabyte pro Sekunde schreibt, macht einen deutlichen Unterschied aus und kann darüber entscheiden, ob sie in einer modernen 4K-Videokamera verwendet werden kann oder nicht. Sie kann einem entsprechend auch einen höheren Preis wert sein. Bei einigen wenigen Herstellern und vor allem bei CompactFlash-Karten wird die Geschwindigkeit nicht in konkreten Werten oder Klassen angegeben, sondern im X-fachen der CD-ROM-Lesegeschwindigkeit. Eine Klasse 10 entspricht dabei in etwa dem 66-fachen.

4) Zusatzleistungen beurteilen

Hat man die Auswahl wie bisher beschrieben eingegrenzt, dürften allenfalls noch zwei bis drei Modelle übrig bleiben. Innerhalb derer können Sie anhand von Zusatzleistungen entscheiden. Einige Hersteller etwa bieten eine erweiterte Garantie und ersetzen eine Karte, wenn sie innerhalb der Laufzeit kaputt geht. Andere liefern eine kleine Kartenhülle mit, in der man die Karte transportieren kann. Bei Micro SD-Karten kann auch ein mitgelieferter SD-Adapter eine interessante Zusatzleistung sein. Und schließlich gibt es noch Speicherkarten, die Zusatzfeatures wie etwa ein WLAN-Modul enthalten.

Ein Kriterium kann außerdem die Robustheit sein. Wer etwa eine Extremtour in die Arktis oder den Dschungel vorhat, der sollte darauf achten, dass die Karte für das Klima vor Ort ausgelegt ist. Mittlerweile bieten einige Hersteller spezielle Modelle an, die auch besonderen Belastungen, wie etwa einem Temperaturbereich von -25 oder +80 Grad, standhalten. Manche bieten gar standardmäßig Wasserfestigkeit (bis 72 Stunden in Süßwasser). Auch Stoßfestigkeit und Magnetsicherheit wird als Plus bei einigen beworben.

Ist das alles abgehakt, bleiben nur noch Preis und Hersteller als Kriterium. Da müssen Sie selbst entscheiden, wie Ihre persönlichen Präferenzen sind.

Fazit: Kartenlesen im Überblick

Alles in allem ist der Kartenkauf – und vor allem das Entschlüsseln der vielen Aufdrucke auf einer Speicherkarte – also gar nicht so schwer. Hier noch mal im Überblick:

Speicherkarte - Überblick
Ein wichtiger Hinweis noch: Prüfen Sie beim Kauf, ob Ihr Kartenleser für den Computer Ihre Neuerwerbung überhaupt auslesen kann. Vor allem bei den neueren SDXC-Karten kann es sein, dass dieser Standard noch gar nicht unterstützt wird. Ein weiterer Faktor, der eine Neuanschaffung sinnvoll machen kann, ist die Übertragungsgeschwindigkeit. Fast alle älteren und auch noch viele aktuelle Kartenleser unterstützen nur den USB-Standard 2.0 (steht dann entsprechend auf der Verpackung). Der ist jedoch deutlich langsamer als der neuere USB-3.0-Standard. Vor allem wer viele große Bilddaten überträgt, merkt den Unterschied. Da lohnt sich die Anschaffung von in der Regel unter 20 Euro.

Sind Karte und eventuelle Kartenleser gekauft, sollten Sie übrigens pfleglich damit umgehen. Das bedeutet vor allem, die Karte an den Plastikrändern und nicht an den Kontakten anzufassen. Wir haben zwar auch schon glaubwürdige Berichte gehört, bei denen SD-Karten eine Maschinenwäsche überlebt haben, aber Sie wollen ja bestimmt nicht das Modell erwischt haben, bei dem dies nicht der Fall ist. Wir empfehlen jedenfalls dringend die Lagerung in der mitgelieferten Speicherkartenbox oder besser noch in einer speziellen Schutzbox/-hülle. Gerade SD- und Micro-SD-Karten haben nämlich die Unart, durch ihre geringe Größe sehr leicht verloren zu gehen (was deutlich problematischer ist als das Mitwaschen). Eine größere Hülle ist deutlich leichter zu finden und beim Herausfallen aus der Tasche auch zu hören. Wir haben sogar schon von Leuten gehört, die sich nach einem Kartenverlust nun immer ein kleines Glöckchen (etwa von einem der beliebten Schokohasen/-Weihnachtsmänner) an das Kartenetui binden, damit es nicht unbemerkt herausfallen kann und sich vor allem auch in einer Damenhandtasche schneller findet.

Digitalfotografie 07 / 2015

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3 Kommentare

Hallo H. Fey, die Gründe können vielfältiger Natur sein und möglicherweise im Rechner begründet liegen. Unsere Erfahrung mit MAC-Rechnern ist, dass externe Medien erst gelöscht werden, wenn der Papierkorb geleert wurde. Was allerdings auch für uns erstaunlich ist, dass das Problem auch bei Löschung in der Kamera auftritt. Unser Tipp ist die komplette Formatierung der Karte in der Kamera.

von Prophoto-Team
23. September 2015, 11:34:39 Uhr

Jetzt fehlt mir nur noch der Tip, wie ich zuverlässig eine Karte vollständig löschen kann. Wenn bei der Übertragung neuer Daten( Fotos ) die Karte nicht "voll"war, schreibt mein PC die "alten" Bilder die vom vorigen Mal -trotz Löschung - noch vorhanden waren , erneut hinter die neue Serie. Das geschieht ,egal ob in der Kamera (Sony alpha... /Lumix....) oder im PC gelöscht wurde. Wo liegt der Fehler ?

von h.fey
22. September 2015, 16:18:27 Uhr

Danke, endlich mal ein Artikel mit Übersicht für den Durchblick

von Thomas S
31. Juli 2015, 14:58:19 Uhr

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