Was sind Exif-Daten und wofür braucht man sie?

© Marc Böhnen, Zwischen den Welten
© Marc Böhnen, Zwischen den Welten
Das Dateiformat Exif (Exchangeable Image File Format) dient als Standardformat, um verschiedene Metadaten in digitalen Bildern abzuspeichern. Bilder können hierbei in den Formaten JPEG oder TIFF vorliegen. Als Metadaten werden Informationen bezeichnet, die noch vor den eigentlichen Bilddaten in den Dateicode integriert werden, beispielsweise der Name und Typ der Datei, Erstelldatum und Größe, Bildabmessungen und Bittiefe. Bei Aufnahmen von Digitalkameras sind in der Regel die Metadaten weiterhin durch die Aufnahmeparameter eines jeden Bildes um Blende, Belichtungszeit, Brennweite, ISO-Wert, Datum und Uhrzeit ergänzt. Der Exif-Standard ist bei aktuellen Kameramodellen weitreichend verbreitet und nahezu jede Digitalkamera sichert diese zusätzlichen Informationen automatisch im Bild ab. Auch bei Aufnahmen mit dem Smartphone werden diese Daten in den Dateicode integriert, je nach Modell ergänzt um die geografischen Angaben zur Aufnahme (Geotagging).

Exif Datei - Eigenschaften-Details
Exif Datei – Eigenschaften-Details
Natürlich haben die Hersteller von Bildbearbeitungssoftware auf die Verbreitung von Exif-Daten längst reagiert und ermöglichen mit ihren Programmen das Auslesen dieser Informationen. Wer auf seinen Bildern die Exif-Daten entfernen und nicht der Öffentlichkeit zur freien Verfügung stellen möchte, muss diese Informationen bei jedem Bild einzeln entfernen. In den Dateieigenschaften ist dies durch die Funktion „Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen“ möglich. Man kann sich dafür entscheiden, alle oder einzelne Informationen zu entfernen. Selbstredend haben die Hersteller auch hierfür Softwarelösungen parat, die eine deutliche Erleichterung für das Entfernen vieler Exif-Daten darstellen.

Sind die Exif-Daten ein Segen oder eher ein Fluch? Gehen wir dazu in der Fotogeschichte einige Jahrzehnte zurück. In Zeiten der analogen Fotografie war es allen Fotografen – ob Anfänger oder Fortgeschrittene – angeraten, genaue Notizen zu Blende, Belichtungszeit und anderen Werten für jede Aufnahme niederzuschreiben. Bei der späteren Betrachtung der Abzüge war es möglich, technische Aufnahmefehler zu erkennen und davon zu lernen, um diese bei ähnlichen Motiven und Lichtsituationen möglichst zu vermeiden. Solche gewissenhaften Aufzeichnungen für jede Aufnahme machen zu wollen ist ebenso zeitaufwändig wie mühsam. Digitale Kameramodelle kamen auf den Markt, deren Elektronikparameter neben den zahlreichen Automatikfunktionen auch Einfluss auf die Belichtungsdaten der CCD-Chips nahmen. Mit der Entwicklung der Exif-Daten fanden die Hersteller einen Weg für die Fotografen, die umfassenden Informationen direkt in jede Aufnahme zu integrieren, anstatt diese aufzuschreiben zu müssen.

Windos Explorer - Infoleiste
Windos Explorer – Infoleiste
Wer ein besonders gelungenes Foto in einem Forum oder einem der vielen Social Media Kanäle veröffentlicht, wird mitunter interessierte Fragen zu den Exif-Daten bekommen. Das ist auf der einen Seite nachvollziehbar, da es augenscheinlich jemanden gibt, der mit seinen Mitteln ebenfalls eine solche Aufnahme zustande bringen möchte. Lernen durch abschauen oder nachahmen scheint hier die Methode zu sein, die vordringlich für Anfänger von Interesse ist. Die Gier nach den Exif-Daten, insbesondere Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert, ist insofern aber auch unverständlich, da Fotografie – vielleicht abgesehen von einem Studio – eigentlich nicht unter Laborbedingungen betrieben wird, sondern sich Aufnahmen von Motiv zu Motiv unterschieden. Wichtige Parameter wie Lichteinfall, Tageszeit, Kameraposition oder Bildgestaltung scheinen bei der Frage nach Exif-Daten irrelevant, jedoch sind es die Dinge, die den Charakter und die Erscheinung eines Bildes prägen. Die individuellen Einstellungsdaten von Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert sind rein technische Informationen, die einem nicht wirklich weiterhelfen.

PS-Elements Dateiinformationen
PS-Elements Dateiinformationen
Einsicht in Exif-Daten zu nehmen mag da sinnvoll sein, wo es sich um eine Aufnahme mit einem ganz speziellen Effekt handelt – beispielsweise eine knackig scharfe Nahaufnahme vom Gesicht eines Boxers, der gerade einen Gesichtstreffer erleidet oder der Wasserfall, dessen Fließbewegung mit einer Langzeitbelichtung eingefroren wurde. Wer einen bestimmten Effekt bei Motiven mit Bewegung erzielen will, muss zweifelsfrei das Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert beherrschen und hier können Exif-Daten hilfreich sein. Die Blende sorgt für die nötige Schärfentiefe, die Belichtungszeit bestimmt die einfallende Lichtmenge und der ISO-Wert gibt die Empfindlichkeit wieder. Diese Parameter stehen untereinander in einer Abhängigkeit. Wird ein bewegungsloses Motiv abgelichtet, ist es eigentlich belanglos, ob die Aufnahme mit einer Verschlusszeit von 1/15 Sekunde oder 1/125 Sekunde gemacht wurde. Sicher ist die Einstellung der Blende für einen unscharfen Hintergrund relevant, doch viel größeren Einfluss nimmt hierfür der Abstand vom Motiv zum Mittel- und Hintergrund. Um Bildrauschen zu verhindern ist ohnehin immer ein möglichst niedriger ISO-Wert empfohlen, also kann auch ISO außer Acht gelassen werden. Was die Exif-Daten jedoch nicht automatisch liefern, sind die Informationen zum Standort und der Tageszeit sowie den metrologischen Verhältnissen, die sich je nach Ort und Tag ändern können. Auch kann es sein, dass ein anderes Kameramodell oder ein lichtstärkeres Objektiv verwendet wird. Vielleicht wurde ein ND-Filter für die Aufnahme verwendet.

PS-Elements Dateiinformationen
PS-Elements Dateiinformationen
Abschließend lässt sich durchaus feststellen, dass ein gutes Bild nicht allein durch die Beherrschung der Kameratechnik entsteht, für die ein grundlegendes Wissen und Verständnis der Interaktion von Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert sowie deren gegenseitiger Abhängigkeit durch den Fotografen die Basis darstellt. Eine gute Aufnahme zeichnet sich neben der technischen Umsetzung vor allem durch den Einsatz und Umgang mit Licht sowie die Bildgestaltung und den Aufbau aus. Diese nicht technischen Informationen erhält man nicht durch Exif-Daten, sondern nur durch die eigene, praktische Erfahrung.

Digitalfotografie 04 / 2016

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3 Kommentare

man lernt nie aus

von Fotowolke
21. April 2016, 15:57:50 Uhr

Ergänzen könnte man noch: Es gibt für die Browser, insbesondere Firefox, Plugins zum Exif auslesen. Das macht es sehr einfach gerade angezeigte Bilder auszulesen (sofern exif vorhanden). Exif-Daten werden im Web meistens von Programmen entfernt, da sie einen großen overhead in der Datei erzeugen und man sich diesen ja sparen möchte. Hierbei gibt es ein besonderes (Exif Viewer). Mit diesem Plugin, sieht man den IPTC Core (Adobe XMP). Wenn das Bild mit einem Adobe Programm bearbeitet wurde, kann man dort auch die einzelnen Stufen der Bearbeitung sehen. Man sieht ob nachgeschärft wurde, ode der Klarheitregeler, oder ob das Rauschen reduziert wurde etc. Keiner kann dann mehr behaupten, out of the box ;-)

von Christopher K.
20. April 2016, 22:30:52 Uhr

Ein sehr umfassender und schöner Beitrag. Ob ich das brauche, weiß ich nicht. Aber ist gut das alles mal gehört zu haben. Danke und weiter so!!!

von Erwin D.
20. April 2016, 16:22:21 Uhr

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