Fotografieren mit dem Tablet: Konkurrenz zur Kamera?

Fotografieren mit dem Tablet: Konkurrenz zur Kamera?
Die einen belächeln es belustigt, die anderen nutzen es selbst: Fotografieren mit dem Tablet. Dies scheint immer populärer zu werden, schauen wir uns beispielsweise die fotografierenden Touristen in den Städten an. Kann das Tablet die Kamera ersetzen? Wir machen den Check für Sie und geben Praxistipps für alle Tablet-Fotografen. Soviel jedoch vorneweg – aus unserer Sicht ist jede Kamera zum Fotografieren handlicher und besser als ein Tablet.

Der größte Vorteil der Tablet-Fotografie: Das Gerät wird sowieso oft für E-Mail und die Informationssuche im Web genommen – die Kamera ist damit also immer dabei. Allerdings machen vor allem große Tablets, wie das iPad oder das Galaxy Tab S mit ihren knapp 10 Zoll-Bildschirmen einige Verrenkungen nötig, um damit zu fotografieren. Das führt nicht selten zur Belustigung der Umstehenden.

Pro: Großer Bildschirm

Der im Vergleich zum Kameradisplay geradezu riesige Bildschirm des Tablets garantiert Nutzern eine sehr genaue Vorschau. Dies ist besonders bei schlechten Augen hilfreich. Auch für die Betrachtung der erzielten Ergebnisse ist der große Bildschirm sehr nützlich. Praktisch ist zudem die Position der Kamera: Viele Tablets verfügen über eine Front- und eine Backkamera, so dass man für Selfies keine Verrenkungen machen muss. Da das Objektiv im Gehäuse liegt, sollte man jedoch darauf achten, es regelmäßig zu putzen. Gerade bei den kleinen Objektivgrößen wirken sich Staubkörner und Fettfinger noch schädlicher auf die Bildqualität aus als bei Kompaktkameras beziehungsweise kompakten System- und Spiegelreflexkameras.

Auch ist darauf zu achten, dass sich die Auflösung der beiden Kameras des Tablets oft unterscheidet. Beim iPad etwa hat die Front-Kamera selbst in den aktuellen Modellen nur 1,2 Megapixel-Auflösung, das brandneue Google Nexus 9 (gebaut von Samsung) kommt auf 1,6. Das entspricht gerade mal der Auflösung von Digitalkameras von vor 15 Jahren. Etwas ältere Modelle wie das iPad 3 kommen sogar nur auf 0,3 Megapixel.

Contra: Zu geringe Druckauflösung

Die Kamera auf der Rückseite dagegen verfügt bei aktuellen Tablet-Spitzenmodellen über 8 Megapixel. Aber auch das ist immer noch nur die Hälfte aktueller preisgünstiger Kompaktkameras. Die Megapixel sind für alle besonders wichtig, die ihre Aufnahmen später drucken wollen. Für eine seitenfüllende Darstellung in einem DIN A4-Fotobuch etwa liefern weder das aktuelle Apple iPad noch das aktuelle Spitzenmodell von Google-Samsung die optimale Auflösung. Mit der Frontkamera gemachte Aufnahmen taugen sogar allenfalls für etwas mehr als briefmarkengroße Ausdrucke.

Contra: Bildqualität – vor allem bei wenig Licht

Ein weiteres großes Manko der Tablet-Kameras ist ihr Rauschverhalten bei wenig Licht. Die Qualität einer Digitalaufnahme wird nämlich nicht nur durch die Anzahl der erfassten Pixel bestimmt, sondern hängt auch vom Aufnahmesensor ab. Vereinfacht gesagt: Je kleiner dieser ist und je mehr Pixel sich darauf drängen, desto stärker beeinträchtigen sie sich gegenseitig und führen vor allem bei Aufnahmen mit wenig Licht zu deutlich sichtbarem Rauschen. Dies wird schon im Vergleich zu guten Kompaktkameras und erst recht im Vergleich zu Spiegelreflex- und kompakten Systemkameras deutlich (siehe unsere Abbildung eines Detailausschnittes). Selbst ein Winzling, wie die Panasonic GM1 oder das Kamerahandy CM1, produzieren deutlich bessere Bilder als ein Tablet.

iPad versus Systemkamera
Detailausschnitte offenbaren wie viel höher die Abbildungsqualität bei größeren Sensoren und höherwertigen Linsen ist.

Contra: Gestaltungsmöglichkeiten

Wer von Spiegelreflex- und kompakten Systemkameras das Wechseln von Objektiven gewöhnt ist, vermisst beim Tablet schnell die entsprechenden Gestaltungsmöglichkeiten mit verschiedenen Brennweiten und Blenden. Allenfalls ein Digitalzoom und Hilfskonstruktionen, wie vorschraubbare Objektivvorsätze, werden für Tablets angeboten. Den Zoom sollten Tablet-Fotografen jedoch nicht einsetzen. Er ist nämlich in der Regel digital, d.h. vergrößert letztlich nur einen Teil des Bildes heraus – dabei hat dieses meist sowieso schon eine zu geringe Auflösung. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind auch in puncto Blende sehr begrenzt. Durch die kleinen Sensoren lassen sich selbst bei offener Blende nur begrenzt Schärfentiefe-Unterschiede realisieren. Dass die Bildqualität der Mini-Plastiklinsen im Tablet nicht mit größeren Präzisionsobjektiven mithalten kann, versteht sich von selbst.

Geübte Fotografen werden außerdem die gewohnten Einstellungsmöglichkeiten vermissen – seien es die Blende, der ISO-Wert oder der Weißabgleich. Die können beim Tablet nämlich in den mitgelieferten Foto-Apps oft nicht beeinflusst werden. Immerhin sind für einige, wie das iPad, kostenpflichtige Zusatzapps, wie ProCamera erhältlich, die weitergehende Einstellungen ermöglichen.

Fazit: Tablet für den Schnappschuss, Kamera fürs Fotografieren

Alles in allem ist ein Tablet als Schönwetter-Kamera für Schnappschüsse zu gebrauchen. Wer Wert auf Gestaltungsmöglichkeiten und hohe Bildqualität legt, greift jedoch besser zur Kamera. Selbst ein kleines, preisgünstiges Kompaktmodell kann bessere Ergebnisse liefern als die Kameras eines aktuellen Tablet-Spitzenmodells. Wer Smartphone und hochwertige Kamera in einem Gehäuse möchte, sollte sich nach einem speziellen Kamerahandy umschauen. Dazu in Kürze mehr in unserem Beitrag „Smartphonekamera versus Kamerasmartphone“.

Digitalfotografie 01 / 2015

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2 Kommentare

Bitte. Ich fotografiere mit Ipad, speichere auf iPhoto. Ich schicke Die Fotos weiter, zB auch Fb, warum ist die Bildqualität so schlecht? Auf Ipad perfekt. Ich danke für die Hilfe. Frida Lintner

von Frida Lintner
24. Juni 2016, 19:16:10 Uhr

ich finde sie gut

von dennis
12. Juni 2016, 01:28:46 Uhr

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