Google Photo - Ein bisschen unbegrenzter Speicherplatz

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Es war eine klare Kampfansage an Flickr und andere, als Googles Produktmanager Anil Sabharwal bei der Entwicklerkonferenz I/O ankündigte, der Suchmaschinen-Riese biete künftig unbegrenzten Speicherplatz für Fotos mit einer Größe von bis zu 16 Megapixeln. Seit dem Wochenende gibt es Google Photo und wir haben uns die Sache mal angeschaut. Fazit: Für Hobby- und Smartphone-Knipser geeignet, für Fotografen nur eine Spielerei.

Der Teufel steckt wie immer im Detail und Details gibt es hier viele, Teufel entsprechend auch. Denn die vollmundige Ankündigung, unbegrenzt Speicherplatz für Bilder und Videos bereitzustellen ist nur die halbe Wahrheit. Denn zum einen werden nur Bilder mit einer Größe von maximal 16 Megapixel akzeptiert beziehungsweise alle anderen Bilder entsprechend klein gerechnet, zum anderen komprimiert Google die Bilder stark. So wird aus einem 18,4 Megabyte großen TIFF-Bild dann eben ein knapp 1,5 Megabyte großes JPEG. RAWs lassen sich grundsätzlich nicht speichern. Damit ist der Traum eines unbegrenzten kostenlosen Archivs in einer Cloud gleich mal dahin. Denn wer ernsthaft seine Bilder archivieren will, wird sich natürlich die Originale aufheben, nicht klein gerechnete, komprimierte JPEGs.

Über die genauen Modalitäten der Komprimierung macht Google keine Angaben, ein Test zeigt aber, dass die Bilder allenfalls in einer mittleren Qualität gespeichert werden. Da mag Anil Sabharwal zwar Recht haben, wenn er sagt, auch das reicht noch, um ein Poster zu drucken, aber ein gutes Gefühl bleibt dabei nicht. Zwar bietet Google auch die Möglichkeit, Bilder ohne Größenbeschränkung zu speichern, allerdings ist dann der Speicherplatz auf 15 Gigabyte begrenzt. Wer mehr will, muss zusätzlichen Speicherplatz kaufen, zwar zu moderaten Preisen, aber auch hier werden die Bilder komprimiert, wenn auch nicht verkleinert, und auch hier müssen TIFFS (werden automatisch umgewandelt) und RAW-Dateien draußen bleiben.

Die Foto-Verwaltung ist ansonsten recht komfortabel, es gibt Zugang über Apps und Desktop, Bilder können bearbeitet werden und wer seine Fotos für alle Ewigkeit mit einem Filter überziehen will, kann das auch machen. Zudem ist es einfach, Bilder aus Google Photo zu teilen und anderen zur Verfügung zu stellen. Es gibt in der Beziehung nichts zu meckern. Wohl aber an anderer Stelle.

Denn wer Google Photo nutzt, muss sich natürlich den Nutzungsrichtlinien des Konzerns unterwerfen. Und da steckt ein ganz großer Teufel im Detail. Zum einen kann man sich seitenweise durch die entsprechenden Richtlinien kämpfen. Die sind zwar verständlich geschrieben und eigentlich auch übersichtlich aufbereitet, aber dermaßen umfangreich und verschachtelt, dass man davon ausgehen kann, dass man sie ohnehin nicht ganz erfassen kann. Und es verbirgt sich darin ein wahres Prachtstück amerikanischer Prüderie. Denn Google möchte nicht, dass seine User pornografische Inhalte hochladen und dazu gehören, wörtlich(!), „Inhalte, die Nacktheit (…) enthalten.“ Also bitte keine Aktaufnahmen. Auch keine Kunst, die nackte Haut zeigt. Pistolen sind dagegen wohl kein Problem, nur deren Einsatz, denn grundlose Gewalt wird auch nicht gerne gesehen. Wobei hier das „grundlos“ ja noch Möglichkeiten zur Diskussion lässt, im Gegensatz zur Nacktheit.

Damit hat sich Google Photo zwar endgültig disqualifiziert, aber es lohnt sich, noch ein wenig weiter zu kramen in den Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen. Auf jeden Fall behält der Nutzer das Urheberrecht an seinen Bildern, Google will die Bilder auch nicht haben, man muss aber gewisse Nutzungsrechte einräumen, damit beispielsweise die automatische Gesichtserkennung funktioniert. Auch nicht jedermanns Sache ist das inzwischen umfangreiche Angebot von Google. Wer sich für einen Dienst anmeldet, ist automatisch auch bei allen anderen angemeldet, und die schließen Google+ und YouTube mit ein. Zwar gibt es auch hier Möglichkeiten, die Erfassung von Daten einzuschränken, aber bei der Anzahl der Dienste ein sportliches Unterfangen. Da kann es dann schon vorkommen, dass dem User ein neues Fahrrad angeboten wird, wenn Google der Meinung ist, er hat jetzt ausreichend Bilder von seinem Drahtesel hochgeladen – bildlich gesprochen.

Bleibt die Frage, wie sicher die Bilder sind. Wer Zugriff auf die Google-Konten eines Users hat, hat auch Zugriff zu allen Diensten. Es empfiehlt sich also, ein sicheres Passwort zu wählen und das auch sicher zu verwahren. Zudem sei jedem geraten, die sichere Authentifizierung über zwei Wege zu wählen. Ansonsten steht in den Nutzungsbedingungen, dass man sein Konto jederzeit kündigen kann. Und dass auch Google seinen Dienst jederzeit einstellen kann. Dieses Recht behalten sich alle Firmen vor, aber man muss sich vor Augen führen, dass Google Photo vielleicht doch kein Bilderspeicher für die Ewigkeit ist.

Digitalfotografie 06 / 2015

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