Updates - Jungbrunnen für Digitalkameras

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Blende ,"Sara und Kiara"
Sebastian Büsser

Die Technik der digitalen Photographie entwickelt sich mit ungeheurer Dynamik. In immer kürzeren Abständen kommen neue Kameras auf den Markt. Da mag manchem ein heute gekauftes Gerät morgen schon veraltet erscheinen. Das muss nicht sein, denn viele Kameras lassen sich über ein Update ihrer Firmware dem jüngsten Entwicklungsstand anpassen.

Als Firmware wird ganz allgemein das Betriebssystem zur Steuerung digitaler Geräte bezeichnet. Sie steuert sämtliche gerätespezifischen Funktionsabläufe. Dazu gehören beispielsweise bei Digitalkameras die Belichtungsprogramme, die automatische Entfernungseinstellung sowie die Erfassung, Bearbeitung und Speicherung der Bilder. Auch Aufgaben wie etwa die Vorbereitung der Bilddaten für den Austausch mit anderen Geräten werden von der Firmware vorgenommen.

Ähnlich wie bei den Betriebssystemen für den PC - etwa die Entwicklung von Windows 98 bis zu Windows XP - optimieren und erweitern auch Kamerahersteller die Steuersoftware für ihre Geräte kontinuierlich. Das kommt in erster Linie bei den PCs wie bei den Kameras jeweils den Geräten der neuesten Generation zugute. Allerdings lassen sich - ebenfalls vergleichbar mit dem PC - auch ältere Kameras mit neueren Betriebssystemen aufwerten. In der Regel sind allerdings nur höherwertige Markenprodukte für solche Updates vorbereitet. Käufer von No-Name-Kameras werden in den meisten Fällen auf dieses Feature verzichten müssen. Geradezu unverzichtbar ist die Firmware-Update-Funktion bei digitalen Spiegelreflexkameras, für die der Besitzer viel Geld ausgegeben hat und an der er sich über Jahre hinweg freuen möchte.

Firmware-Updates werden vielfach auch als Kamera-Tuning beschreiben. Sie ermöglichen es häufig, nicht nur bestehende Funktionen zu optimieren, sondern auch ganz neue hinzuzufügen. Solange die Kamera mit einem offenen, erweiterbaren Betriebssystem arbeitet, lässt sich durch eventuelle Firmware-Updates relativ einfach ihr Funktionsumfang erweitern oder zumindest optimieren, so dass er dem jüngsten Stand der Technik entspricht. Damit lassen sich Schwächen älterer Versionen ausbügeln und die Stärken neuer Geräte auf ältere übertragen.

Fast alle Hersteller bieten Firmware-Updates für ihre Kameramodelle als kostenlose Downloads auf ihren Service-Seiten im Internet an. Um allerdings in den Genuss des kostenlosen Downloads zu gelangen, muss man sich meist vorher mit Angabe der Kameranummer und der eigenen E-Mail-Adresse registrieren.

Nicht bei allen Modellen können die Besitzer das Update ihrer Kameras selbst vornehmen. Dann muss dieses vom Kundendienst des Herstellers ausgeführt werden und ist nur in den seltenen Fällen kostenlos, wenn es gilt, gravierende Fehler auszumerzen. Bisher sind derartige Rückrufaktionen wegen fehlerhafter Firmware allerdings die Ausnahme.

Der Umfang der möglichen Verbesserungen und Erweiterungen ist sehr unterschiedlich und natürlich auch von den Gegebenheiten der vorhandenen Kameratechnik abhängig. Beispiele für Optimierungen gibt es für die Autofokusfunktion, die Blitz- und Belichtungssteuerung sowie für die individuelle Belegung bestimmter Funktionstasten. Auch können bei vielen älteren Kameramodellen Speicherkarten mit Kapazitäten von mehr als einem Gigabyte nicht eingesetzt werden. Ein Firmware-Update schafft Abhilfe und erweitert so die maximale Anzahl möglicher Aufnahmen. Zu den wichtigsten Funktionen digitaler Kameras, die innerhalb der letzten Jahre immer präziser geworden sind, zählt beispielsweise der automatische und manuelle Weißabgleich. Er sorgt für eine optimale, natürliche Farbwiedergabe in den Aufnahmen. Hier konnten durch Firmware-Updates zahlreiche Besitzer älterer Kameramodelle von der rasanten Weiterentwicklung profitieren. Die Sicherstellung der Kompatibilität zu den aktuellen Standards für die Kommunikation mit anderen digitalen Geräten ist ein weiterer Grund für Firmware-Updates. So wurden von der Industrie Standards für den Direktanschluss digitaler Kameras an einen Drucker, wie PictBridge oder die Einbindung von Metadaten, wie zum Beispiel Kamera- und Aufnahmedaten wie von Exif 1 auf Exif 2 in die Bilddatei, geschaffen und im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Über ein Update der Firmware lassen sich digitale Kameras an die neuesten Versionen dieser Standards anpassen. Algorithmen zur Bildverarbeitung, zur Datenkompression und RAW-Verarbeitung sind ebenfalls typische Kamerafunktionen, die praktisch ständigen Optimierungen unterliegen, die durch Firmware-Updates auch älteren Kameramodellen zugute kommen können.

Im Grunde sind solche Updates relativ einfach vorzunehmen. Meist genügt es, die entsprechende Update-Datei über das Internet auf den eigenen PC herunter zuladen und auf die Kamera zu überspielen. Schwierig mag für manchen erscheinen, dass einige Hersteller diesen Service nur in englischer Sprache und mit englischsprachigen Anleitungen anbieten. Meist wird für das Update die Kamera über ihre USB-Schnittstelle mit dem PC verbunden, um die neuen Dateien direkt zur Kamera übertragen zu können. Manche Hersteller bieten auch den Weg über die Speicherkarte an. Die heruntergeladenen Daten werden auf eine kompatible Speicherkarte übertragen und die Kamera-Firmware über die Menüführung des Kameradisplays aktualisiert. Wichtig ist in beiden Fällen ein voller Akku, damit die Kamera sich nicht während des Update-Vorgangs abschaltet.

Es wäre falsch, Firmware-Updates nur als nachträgliches Ausmerzen von Fehlern und als Folge von überhasteten Markteinführungen zu betrachten. Sie sind im Gegenteil ein Zeichen für die Kundennähe und das Service-Verhalten der Hersteller. So mussten beispielsweise bei der Einführung der kabellosen Bildübertragung in die Digitalphotographie Besitzer solcher Kameras auf die Kompatibilität zu Geräten für Mac Betriebssysteme verzichten. Ein inzwischen verfügbares Update gleicht dieses Manko aus.

Firmware-Updates haben also vielfältige Vorteile. Sie sind eine nützliche Methode, um eventuelle Funktionsfehler eines Kameramodells nachträglich zu eliminieren, um Funktionen zu optimieren und um neue hinzuzufügen. Allerdings machen die Firmen im Allgemeinen für diesen Service keine spezielle Werbung und überlassen es ihren Kunden, sich selbst über eventuelle Neuerungen zu informieren. Deshalb ist es durchaus empfehlenswert, ab und an auf der entsprechenden Website seines Kameraherstellers nachzusehen, ob neue Updates für die eigenen Digitalkamera zur Verfügung stehen. Schließlich hat sich so manches Update als echter Jungbrunnen für die Digitalkamera erwiesen.
 

Digitalfotografie 07 / 2006

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