Kamera-Fernsteuerung: Um die Ecke fotografieren

© Petra Vogt, Fernsteuerung Canon WFT im Einsatz
© Petra Vogt, Fernsteuerung Canon WFT im Einsatz
Auch, wenn man nicht gerade um die Ecke fotografieren möchte, gibt es nicht wenige Situationen, bei denen es sehr praktisch ist, wenn die Kamera und Bildvorschau sowie Auslöser sich an unterschiedlichen Orten befinden. Makrofotografen etwa müssen dann nicht mehr auf dem Boden robben, um Insekten und Pflanzen abzulichten, sondern können aus dem Stand bequem aufs Display ihres Smartphones oder Tablets schauen. Und alle Selfie-Fans haben es auch deutlich leichter.

War bei analogen Kameras früher allenfalls das Auslösen aus der Ferne bequem möglich, erlauben Smartphones und Tablets mittlerweile auch die Vorschau des Bildes und sogar die Anpassung von Aufnahmeparametern, wie der Blende oder des ISO-Wertes, auf Distanz. Das ist vor allem dann praktisch, wenn die Fernsteuerung für Aufnahmen bei sich ändernden Lichtverhältnissen, wie etwa bei einem Konzert, eingesetzt wird.

Nutzt man nicht das Smartphone, sondern das Tablet, ist ein weiterer Vorteil der Fernsteuerung der viel größere Vorschau-Bildschirm. Davon profitieren zum Beispiel Makrofotografen, wenn sie ein Objekt manuell scharf stellen. Auch die Bildqualität eines geschossenen Fotos lässt sich viel besser beurteilen als auf dem kleinen Kameradisplay. Ambitionierte Fotografen kennen das vom „Tethered Shooting“. Damit wird das Aufnehmen mit einem per Kabel angeschlossenen Laptop bezeichnet. Mit den neuen Kameramodellen geht es aber sogar noch bequemer drahtlos.

Womit wir bei der Praxis wären. Um eine Kamera per Smartphone oder Tablet fernzusteuern, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

1. Der bequeme Weg: Kamera unterstützt Fernsteuerung bereits serienmäßig

Fernsteuerung G6 Tabletscreenshot
Am einfachsten ist es für alle, deren Kamera serienmäßig die Fernsteuerung per App unterstützt. Obskurerweise sind das oft gar nicht die High-End-Modelle für (Semi-)Profis, sondern das Feature findet sich vor allem bei den kompakten Systemkameras. Dort besteht bei neueren Modellen jedoch eine sehr gute Chance, dass eine Fernsteuerung möglich ist. Dann muss in der Regel nur noch die zugehörige App des jeweiligen Kameraherstellers heruntergeladen werden. Meist gibt es eine speziell zur Fernsteuerung, die zum Teil auch noch weitere Funktionen etwa zur Bildbetrachtung enthält. Man sollte bei der App darauf achten, die richtige und aktuelle zu installieren, da es bei einigen Herstellern mittlerweile neuere Versionen gibt.

Ist die App installiert, muss man nur noch Kamera und Tablet verbinden. Wie das gelöst ist, unterscheidet sich leicht von Hersteller zu Hersteller. Bei den meisten können sie sowohl eine unmittelbare Verbindung (auch „Direkt-Verbindung“ oder „Ad-Hoc-Netzwerk“ genannt) aufbauen als sich auch parallel in ein bereits bestehendes Netz einwählen und dann verbinden. Letzteres ist deutlich bequemer, wenn man mit dem Tablet sowieso schon mit einem Netzwerk verbunden ist. Eine Direktverbindung ist jedoch vor allem draußen praktisch, wenn kein Router zur Verfügung steht. Auch ist sie bei manchen Kamera- und Routermodellen stabiler als die über ein bestehendes Netz. Allerdings muss man vor einer Direktverbindung eine eventuell bestehende Internet-Verbindung des Smartphones oder Tablets trennen und die Verbindung zur Kamera manuell einrichten und starten. Wer über eine Kamera mit NFC (Near Field Communication) und ein moderneres Android-Handy/Tablet ebenfalls mit NFC verfügt, spart sich Tipparbeit und kann eine Direktverbindung unmittelbar aufnehmen.

Kommunizieren Kamera und Smartphone oder Tablet miteinander, kann es losgehen mit dem Fotografieren. Allzu weit sollte man sich dabei allerdings nicht von seiner Kamera und dem Motiv entfernen, da die drahtlose Verbindung trotz theoretischer höherer Reichweiten meist recht bald abbricht. Liegen Wände oder Fenster, die die Datenübertragung bremsen, zwischen Kamera und Smartphone/Tablet, kann sich die Reichweite drastisch verringern. Letztlich hilft nur Ausprobieren und notfalls eine nähere Position. Generell muss man eine leichte Verzögerung zwischen Livebild und Abbildung durch die Datenübertragung einkalkulieren. Für Sportfotografen kann das schon zu viel sein. Halten die Motive still, ist das aber kein Problem.

2. Der aufwändigere Weg: Fernsteuern mit externen Geräten und Apps

Fernsteuerung CamRanger iPhone
Wessen Kamera nicht serienmäßig die Fernsteuerung beherrscht, muss auf das Vergnügen zum Glück in der Regel nicht verzichten. Vor allem für populäre Kameras von Nikon und Canon gibt es zahlreiche Alternativen, um eine Fernsteuerung extern nachzurüsten. Die einfachste sind spezielle Apps wie Helicon Remote (siehe unsere Besprechung für eine Detailvorstellung), DSLR Camera Remote oder DSLR Controller. Allerdings funktionieren diese meist zunächst nicht drahtlos, sondern sind standardmäßig auf ein Verbindungskabel ausgelegt. Dazu kann in der Regel jenes verwendet werden, das auch zur Bildübertragung eingesetzt wird. Wer ein solches noch nicht angeschafft hat, benötigt bei iOS-Geräten ein so genanntes „Camera Connection Kit“ (ab rund 30 Euro), bei Android-Geräten ist in der Regel der Kauf eines speziellen USB-OTG-Adapters nötig, der schon für unter 5 Euro erhältlich ist. Manche Apps wie Triggertrap erfordern auch ein eigenes Spezialkabel. Eine Verbindung über Kabel ist zwar wenig flexibel und eine potenzielle Stolperfalle, aber dafür kann sie in der Regel ohne großen Konfigurationsaufwand eingesetzt werden und funktioniert sehr stabil (was man von der Kamera-WLAN-Verbindung beides nicht immer sagen kann).

Fernsteuerung CamRanger
Wer es drahtlos haben möchte, kann auch dafür eine entsprechende Funktion für die Kamera nachrüsten. Am einfachsten geht dies mit speziellen Geräten wie CamRanger (ab rund 330 Euro). Letzter wird auf den Blitzschuh von Nikon- und Canon-Kameras aufgesetzt und direkt per Kabel verbunden. Er enthält ein WLAN-Modul und funkt damit die Bilder zu einer speziellen App aufs Smartphone oder Tablet. Wem eine solche Lösung zu kostspielig ist und wer keine Angst davor hat, eine neue Firmware zu installieren, der kann auch auf einen transportablen WLAN-Router ausweichen und diesen direkt mit der Kamera verbinden. Vor allem in Verbindung mit der App DSLR Dashboard wird in Foren sehr von dieser Lösung geschwärmt (und finden sich detaillierte Anleitungen für alle Bastelwilligen). Apps wie DSLR Dashboard und die von CamRanger bringen als weiteren Vorteil auch besondere Möglichkeiten wie etwa Intervall-Auslösungen für Zeitraffer-Aufnahmen mit.

Fazit: Einfach mal ausprobieren

Wer über eine aktuelle Kamera und ein Smartphone beziehungsweise Tablet verfügt, sollte es einfach mal ausprobieren mit der Kamera-Fernsteuerung. Sie ermöglicht neue Perspektiven und kann dadurch den Spaß erhöhen.

Digitalfotografie 10 / 2014

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