Microsoft Fotos - So geht’s: Bilder organisieren, bearbeiten und präsentieren

MS Fotos - Surface Pro 4 - Lumia 950
MS Fotos – Surface Pro 4 – Lumia 950
Digitalfotos sind heutzutage oft dezentral auf dem Computer, dem Smartphone und externen Speichermedien verstreut. Abhilfe schaffen kann eine zentrale Bildverwaltungs-Software, die Dateien über mehrere Geräte hinweg synchronisiert. Nutzer von Windows 10 haben eine solche Lösung ab Werk an Bord. Genau wie bei Google und Apple hört die App auf den vielsagenden Namen „Fotos“. Sie ist auf aktuellen Windows-Rechnern und -Smartphones vorinstalliert und eng mit dem Cloud-Dienst OneDrive verzahnt. Was diese Kombination drauf hat, haben wir uns im Zusammenspiel auf einem Surface Pro 4 und einem Lumia 950 angeschaut.

Das kann Microsoft Fotos

MS Fotos (Mobil) - Sammlungsansicht
MS Fotos (Mobil) – Sammlungsansicht
Microsoft Fotos ist als Komplettlösung zum Organisieren, Bearbeiten und Teilen konzipiert. Seine volle Stärke als Bildverwalter spielt die Anwendung aus, wenn Nutzer nicht nur lokal gespeicherte Aufnahmen sortieren, sondern auch Microsofts Online-Speicher OneDrive einbinden (5 GB Speicher gratis, 50 GB aufwärts ab 2 Euro/Monat). Dann lässt sich die eigene Bildersammlung mithilfe der Cloud über die Gerätegrenzen hinweg organisieren. Und zwar nicht nur in der Windows-Welt. Da OneDrive als App auch auf Android- und Apple-Geräten läuft, können Nutzer von dort ebenfalls Aufnahmen hinzufügen.

Wie viele Bearbeitungsfunktionen zur Verfügung stehen, hängt davon ab, ob Nutzer die Desktop-Variante oder die abgespeckte Mobil-Variante von Microsoft Fotos verwenden. Schnell und einfach Aufnahmen per E-Mail oder im Social Web zu verschicken, geht aber auf beiden Wegen. Mit einem Adapter von Microsoft lassen sie sich zudem auf dem Fernseher präsentieren. So funktioniert es:

Bilder importieren

MS Fotos (Mobil) - Albenansicht
MS Fotos (Mobil) – Albenansicht
Microsoft Fotos listet automatisch lokal oder bei OneDrive gespeicherte Bilder. Ist der Auto-Upload entsprechend eingestellt, landen auch Smartphone-Fotos zum Beispiel von WhatsApp bei OneDrive bzw. bei Microsoft Fotos. Zusätzlich lassen sich händisch Bilder von externen Speichermedien importieren.

Um Bilder auf einem Desktop-Gerät wie dem Surface Pro 4 lokal hinzufügen, genügt es, ein Kartenlesegerät zu verbinden. Danach öffnet sich selbsttätig ein Import-Fenster. Bilder im Olympus-Rohdatenformat ORF zu importieren, funktionierte reibungslos. Anderen Tests zufolge werden nicht alle RAW-Standards zuverlässig erkannt.

Die auf diese Weise hinzugefügten Bilder werden im Standard-Bilderordner von Windows gespeichert und sind daher zunächst nur lokal verfügbar. Umständlich: Wer sie auch auf anderen Geräten betrachten möchte, verschiebt die importierten Daten händisch im Windows Explorer in den OneDrive-Bilderordner. Dann synchronisiert Microsofts Cloud-Speicher die Bilder auch mit der Fotos-App auf dem Lumia 950.

Wiederum mit dem Windows-Smartphone Lumia 950 geschossene Bilder wurden via OneDrive automatisch auch mit der Fotos-App auf dem Surface Pro 4 synchronisiert. Nach angemessener Upload-Zeit fanden wir sie in der Sammlungsansicht und unter „Eigene Aufnahmen“ in der Alben-Ansicht. Schade allerdings: Wir konnten nur die verlustbehaftete JPEG-Variante des Bildes sehen. Die zugrundeliegende DNG-RAW-Datei wurde zwar ebenfalls synchronisiert und war im Windows Explorer zu finden, von der Fotos-App wurde sie jedoch ignoriert.

Bilder verwalten

Die Bildverwaltung ist sehr einfach gehalten. Mit der Menüleiste oben (Windows 10 Mobile) oder links (Desktop-Windows) entscheiden Nutzer, auf welche Weise die Fotos angeordnet sein sollen. Die Sammlungsansicht zeigt in chronologischer Reihenfolge alle Aufnahmen, die sich auf dem Gerät befinden oder via OneDrive zur Verfügung stehen. Alternativ sortiert die App die Bilder in automatisch erstellten Alben: Unsere lokal importierten Bilder wurden dabei nach Aufnahmedatum geordnet. Andere Ordnungskriterien gab es nicht.

Von Smartphones synchronisierte Bilder erschienen auf dem Surface Pro 4 in dem Album „Eigene Aufnahmen“. Ein Favoriten-Album, das wir in der Fotos-App auf dem Lumia 950 mithilfe eines Herz-Icons erstellt haben, wurde jedoch nicht auf dem Desktop-Rechner übernommen.

Bilder bearbeiten

MS Fotos (Desktop) - Bildbearbeitung
MS Fotos (Desktop) – Bildbearbeitung
Die Bearbeitungsfunktionen der Desktop-App sind für einen Bildverwalter respektabel. Um ein Bild zu bearbeiten, öffnen Nutzer es in der Einzelansicht. Ein Zauberstab-Icon führt eine Autokorrektur durch, mit dem Stift-Icon können Anwender selbst Hand anlegen.

Etwa unter dem Menüpunkt „Licht“ ermöglicht die Fotos-App Belichtung, Kontrast, Lichter und Schatten zu bearbeiten. Das „Retuschieren“-Werkzeug unter „Allgemeine Korrekturen“ überraschte mit einer intuitiven und effektiven Bereichskorrektur. Mit dem zum Surface Pro 4 gehörenden Digitalstift funktionierte sie sehr präzise.

MS Fotos (Mobil) - Bildbearbeitung
MS Fotos (Mobil) – Bildbearbeitung
Die mobile Variante von Microsoft Fotos bietet deutlich weniger Spielraum. Bilder zuschneiden, drehen und automatisch verbessern – mehr geht nicht. Ein Foto-Editor von einem Drittanbieter ist unverzichtbar.

Sowohl auf dem PC als auch auf dem Smartphone arbeitet Microsoft Fotos nicht-destruktiv. Änderungen an einem Bild werden in einer Dateikopie gespeichert, sodass der Zustand des Originals unangetastet bleibt.

Bilder teilen

MS Fotos (Desktop) - Alben teilen
MS Fotos (Desktop) – Alben teilen
Bilder wollen gezeigt werden. Microsoft Fotos bietet sowohl auf dem Desktop als auch dem Mobilgerät verschiedene Optionen dafür. Um einzelne Bilder zu verschicken, wählen Nutzer in der Einzelbildansicht das Teilen-Icon und entscheiden sich im Kontextmenü für einen der verfügbaren Wege wie E-Mail, Facebook und mehr. Auch ganze Alben lassen sich teilen. Dazu lädt die App einen Ordner bei OneDrive hoch und erstellt einen Direkt-Link.

Die Desktop-Variante der Fotos-App ermöglicht zudem, Bilder zum Microsoft-Dienst Sway zu exportieren, um dort Online-Fototagebücher zu erstellen. Wer gerade keinen Zugriff auf ein Gerät mit Microsoft Fotos hat, öffnet OneDrive im Browser und teilt seine Fotos von dort aus.

Praktisch: Wer seine Urlaubsfotos lieber von Angesicht zu Angesicht in großer Runde präsentieren möchte, kann den Display-Inhalt seines Windows-Geräts ohne Kabel auf den großen TV-Bildschirm spiegeln. Für die Übertragung sorgt der Wireless Display Adapter v2 (ca. 65 Euro) von Microsoft. Im Test klappte die Einrichtung mit der so genannten Continuum-Funktion des Lumia 950 leichter als mit dem Desktop-Windows auf dem Surface Pro 4.

Fazit

Seine Bildersammlung zentral mithilfe der Cloud zu organisieren, liegt im Trend. Wer in der Windows-Welt zuhause ist, findet mit den App-Varianten von Microsoft Fotos und dem Online-Speicher OneDrive eine praktische und gut funktionierende Lösung mit Verbesserungspotenzial.

Praktisch, weil die Apps von Microsoft Fotos auf aktuellen Windows-Geräten ohnehin kostenlos vorhanden und der Online-Speicher bei OneDrive nicht teuer ist. Die Bedienung geht intuitiv und flott von der Hand. Gut funktionierend, weil die Synchronisation mit Windows-, Android- und Apple-Mobilgeräten reibungslos läuft. Dies ermöglicht am PC oder Laptop eine angenehme Übersicht über die eigene Fotosammlung, vor allem, wenn mehrere Mobilgeräte im Haushalt vorhanden sind.

Wo sehen wir Verbesserungspotenzial? Die Möglichkeiten, Bilder zu sortieren, sind noch arg begrenzt. Gezieltes Suchen und Filtern ist nicht möglich. Verschlagwortungen und Bewertungsoptionen wie bei Google und Apple Fotos fehlen. Und während Smartphone-Fotos automatisch über die Geräte hinweg abgeglichen werden, ist der Cloud-Sync von Aufnahmen, die auf dem PC importiert wurden, umständlich. Die auf dem PC passablen Fähigkeiten als Foto-Editor sind in der mobilen Fotos-App unterdurchschnittlich, im Web (via OneDrive) nicht vorhanden. In diesem Punkt bieten Google und Apple ein einheitlicheres, besseres Erlebnis.

Digitalfotografie 06 / 2016

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1 Kommentare

Was Sie noch vergaßen zu erwähnen: Wenn man Fotos mit OneDrive und Win10 organisieren will, muss man immer zwangsweise den kompletten OneDrive-Ordner syncronisieren. Ist die HDD kleiner als das, was man im OneDrive hat - Pech gehabt. Eigentlich ein Skandal, ich bin zurück auf Win 8.1.

von Auser
08. Juni 2016, 15:20:23 Uhr

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