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Motivprogramme - Die Bildintelligenz der Digitalkameras

Die Digitalphotographie hat das Photographieren durch intelligente Automatiksteuerungen zwar leichter gemacht, doch ist die Technik dahinter, die einfach gute Photos ermöglicht, bei weitem komplexer geworden. Ein Beispiel dafür sind die Motivprogramme heutiger Kameras. Auf Basis ausgeklügelter Analysen der Aufnahmesituation liefern sie nicht nur eine korrekte, sondern eine auch unter bildgestalterischen Aspekten optimale Belichtung. Richtig belichtet bedeutet nämlich noch lange nicht optimal belichtet. Um diesen feinen Unterschied geht es den Kameraherstellern bei der Entwicklung immer leistungsstärkerer Motivprogramme.

Da vielen Digitalkamerabesitzern genau dieser kleine Unterschied zwischen korrekter und motivbezogener Belichtung wenig bekannt ist, werden solche Programme eher von Kennern und Könnern genutzt als von Einsteigern, zu deren Nutzen sie ursprünglich gedacht waren. Vielleicht ist die Vielzahl der selbst bei preiswerten Digitalkameras zu findenden, zum Teil recht exotisch anmutender Motivprogramme für manchen Neuling in der Photographie auch zu verwirrend. Es gibt Kameras mit mehr als 30 solcher motivbezogenen Automatiken. Reichten früher Motivautomatiken für Porträt-, Landschaft-, Action- oder Makroaufnahmen, so gibt es heute zahlreiche zusätzliche Spezialprogramme, wie beispielsweise für das Photographieren von Babys, Haustieren, Speisen, Texten, Schaufenstern oder in Museen. Es gibt sogar Kameras mit Automatikeinstellungen für das Einlesen von Visitenkarten.

Neigte früher so mancher gut informierte Photograph dazu, über derartige Photographierhilfen die Nase zu rümpfen, so werden diese heute angesichts der zahlreichen, technischen Gestaltungsmittel moderner Digitalkameras, die bei einer Digitalaufnahme zu beachten sind, gern genutzt. Schließlich reichen selbst tiefer gehende Kenntnisse über die Wechselwirkung von Verschlusszeit und Blende allein heute nicht mehr aus, um eine bestimmte Motivsituation optimal mit der Digitalkamera zu erfassen.

Nahezu jede Digitalkamera liefert heute mit Einstellung auf die normale Vollautomatik zufriedenstellende Ergebnisse, sprich scharfe, korrekt belichtete und farblich ansprechende Bilder. Das scheint für die meisten Aufnahmesituationen auch zu genügen. Wird jedoch ein auf eine bestimmte Situation optimiertes Motivprogramm sinnvoll eingesetzt, werden von der Kameraautomatik viele gestalterische Parameter, wie etwa die Schärfentiefe bei einer Makroaufnahme oder die Farbgebung beim Sonnenuntergang, berücksichtigt. Das Ergebnis sind Bilder, die auch die gestalterischen Grundregeln für bestimmte Motivsituationen erfüllen.

Selbst die Anwendung und Auswahl der zahlreichen Motivprogramme wird von den Kameras neuerer Bauart nochmals erleichtert. Viele verfügen über integrierte Hilfeprogramme, die nicht nur genau erläutern, für welche Situation sich ein bestimmtes Programm eignet, sondern oftmals werden diese auch mit Beispielbildern einleuchtend erklärt.

Früher bestimmte der Photograph Farbstimmung, Belichtungsspielraum, Kontrast und Schärfeeindruck durch die Wahl des Filmmaterials. Heute kann er diese Parameter an seiner Digitalkamera von Aufnahme zu Aufnahme verändern. Das geschieht in der Regel automatisch auf Basis der kameraintern vorgenommenen Motivanalyse. Wollte man dies für eine spezielle Motivsituation selbst steuern, müssten Blende, Verschlusszeit, Weißabgleich, ISO-Einstellung, Rauschunterdrückung, Kontrast und Tonwertwiedergabe, Blitzsynchronzeit und noch weitere Parameter motivgerecht aufeinander abgestimmt werden. Mit Hilfe der Motivprogramme lässt sich das alles sehr viel einfacher und schneller realisieren.

Es gibt auch Motivprogramme, die weit mehr als optimal belichtete Bilder liefern. Manche merken sich sogar das Alter der Kinder oder Haustiere des Kamerabesitzers, so dass er später genau weiß, wie alt das Baby, die Katze oder der Hund bei einer Aufnahme waren. Doch auch unter photographischen Gesichtspunkten bieten die Motivprogramme für das Photographieren kleiner Kinder einige automatische Voreinstellungen, die sonst kaum jemand beachten würde. So werden beispielsweise nicht nur die Blitzwirkung automatisch weicher gesteuert oder die Empfindlichkeitseinstellung der Bewegungsgeschwindigkeit und der Motivhelligkeit angepasst, sondern bei der Anzeige auf dem Monitor oder beim Drucken eines Bildes kann auch das Alter auf Wunsch mit angezeigt oder mit auf das Photo gedruckt werden.

Die intelligente Wahl der optimalen ISO-Empfindlichkeit, ist ein weiteres Kennzeichen vieler Motivprogramme. Dabei wird die Sensorempfindlichkeit in Abhängigkeit von der Motivhelligkeit und der im Bild erkannten Bewegung so gesteuert, dass die Belichtungsautomatik der Kamera eine zur Vermeidung von Bewegungsunschärfe ausreichend kurze Belichtungszeit wählen kann. Dabei kann der Photograph bei manchen Kameras für bestimmte Situationen die maximal zulässige Empfindlichkeit vorgeben, um beispielsweise Qualitätsminderungen durch die größere Rauschanfälligkeit bei höheren Empfindlichkeiten zu begrenzen.

Motivprogramme sind durchaus nicht nur für Anfänger und Einsteiger in die Digitalphotographie hilfreich. Durch ihre ausgeklügelten Steuerungen und Zusatzfunktionen nehmen sie jedermann langwierige Überlegungen über die vor einer Aufnahme vorzunehmenden Einstellungen ab und tragen dazu bei, dass sich der Photograph ganz auf die Ausschnittswahl und den richtigen Moment konzentrieren kann.
 

Digitalfotografie 06 / 2007

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