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Photographieren mit Format

Immer wieder wurde in der Geschichte der Digitalphotographie versucht, mit der Einführung neuer Dateiformate, den Umgang mit digitalen Photos zu erleichtern und ihre Qualität zu verbessern. Letzteres gilt besonders für Dateiformate, mit denen Bilder, um wertvollen Speicherplatz zu sparen, meist verlustbehaftet komprimiert wurden. Der jüngste Versuch, die Digitalphotographie um ein neues Speicherformat zu bereichern, kommt nun vom Software-Hersteller Microsoft, der sein neues HD-Format gleich in seine Windows-Betriebsprogramme integrieren will.

Um digitale Photos auf dem PC, dem Fernseher oder anderen Geräten anschauen oder in einem der vielen Programme verwenden und bearbeiten zu können, müssen sie in einem der gängigen Dateiformate vorliegen. Das zurzeit nahezu uneingeschränkt von allen Programmen und Geräten lesbare Dateiformat für digitale Bilder ist JPEG. Seine Besonderheit: Es speichert nicht nur die Bildinformationen, sondern komprimiert und entwickelt sie gleichzeitig auch. Komprimiert werden die Bilddaten, damit möglichst viele Photos wenig Speicherplatz benötigen. Allerdings gilt: Je höher der Kompressionsgrad, umso höher ist auch die Gefahr eines Qualitätsverlustes, der sich vor allem in der Detailwiedergabe und den Farbabstufungen bemerkbar macht. Eine Besonderheit des JPEG-Formats, das an der Dateierweiterung „.jpg“ zu erkennen ist, besteht darin, dass der Photograph den Grad der Kompression in verschiedenen Stufen wählen kann. Allerdings erhöht sich die Gefahr eines Qualitätsverlustes durch häufiges Öffnen und erneutes Abspeichern.

Aus diesem Grund gab es immer wieder in der jungen Geschichte der digitalen Photographie mehr oder weniger erfolgreiche Versuche, die Schwächen der verlustbehafteten Datenkompression mit neuen Dateiformaten zu reduzieren. Die verlustfreie Speicherung von Bilddaten gestatten die in ihrer Popularität in der Digitalphotographie gleich nach dem JPEG-Format rangierenden RAW- und TIFF-Bildformate. Bei der RAW-Datenspeicherung werden alle vom Sensor erfassten Rohdaten unbearbeitet gespeichert. Die TIFF-Datei enthält das bereits entwickelte aber verlustfrei und daher auch nur geringfügig komprimierte Bild.

Das RAW-Format wird vor allem in bestimmten Bereichen der professionellen Photographie geschätzt, da es dem Photographen erlaubt, nach der Aufnahme bestimmte Parameter wie Weißabgleich, Belichtung oder Kontrast festzulegen. Der Haken bestand darin, dass nahezu jeder Kamerahersteller ein eigenes Rohdatenformat - zu erkennen an unterschiedlichen Dateisuffixen - verwendet, die nicht miteinander kompatibel sind. Jedes firmeneigene RAW-Format benötigt also ein eigenes Programm, um die Bilder betrachten und bearbeiten zu können. Um seine Bilder problemlos an Agenturen, Druckereien oder andere Bildverwerter weitergeben zu können, muss der Photograph die RAW-Daten erst in einem solchen Programm bearbeiten und in ein herstellerunabhängiges Format konvertieren. Seit einiger Zeit gibt es nun auch zahlreiche RAW-Datenkonverter, mit denen sich die meisten RAW-Datenvarianten bearbeiten lassen.

Mit dem DNG-Format hat Adobe erstmals ein herstellerunabhängiges Dateiformat zur Speicherung von Rohdaten eingeführt, das erst von wenigen Kameraherstellern übernommen wurde. In der Weiterverarbeitung und Konvertierung von RAW-Daten hat es sich jedoch weitgehend etablieren können.

Weniger erfolgreich war das als JPEG-Nachfolger geplante JPEG 2000 Dateiformat, obwohl es bessere Kompressionsraten bei weniger Qualitätsverlust verspricht.

Nun versucht es kein geringerer als Microsoft, die digitale Photowelt mit einem neuen Format umzukrempeln. Sein neues Dateiformat HD Photo soll eine doppelt so effektive Bildkompression bieten wie JPEG. Auch für die Nachbearbeitung soll es eine größere Flexibilität garantieren. Nachträgliche Belichtungs- und Farbkorrekturen sollen bei Bildern, die in dem neuen HD Photo Format vorliegen, in einem größeren Umfang als bisher möglich sein. Dabei sollen die Daten des Originals im vollem Unfang erhalten bleiben. HD Photo bietet sowohl eine verlustfreie als auch eine stärkere verlustbehaftete Datenkompression. Das Format ist kompatibel zu den Betriebssystemen Windows Vista und XP sowie Mac OS X.

Es ist nicht der erste Versuch des in Redmont, USA, ansässigen Unternehmens, ein eigenes Format für digitale Bilder zu lancieren. Vor ein paar Jahren hatte Microsoft schon einmal mit „Windows Media Photo“ einen ersten Versuch gestartet. Das neue Format erscheint allerdings sehr viel Erfolg versprechender. Schließlich wurde bereits ein Plug-in für Adobe Photoshop CS2 und CS3 Nutzer zum kostenlosen Download auf der Microsoft Website bereitgestellt. Zudem bietet Microsoft ein „HD Photo Device Porting Kit“ an, das Herstellern die Integration des Bildformats in ihre Geräte oder Software ermöglicht. Microsoft strebt darüber hinaus an, das Format durch die entsprechenden Organisationen standardisieren zu lassen.
 

Digitalfotografie 04 / 2007

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