Das Pixelrennen nimmt wieder Fahrt auf! - Wie viele Pixel braucht mein Bild?

© Blende, Sibylle Tolksdorf, Fotofieber
© Blende, Sibylle Tolksdorf, Fotofieber
Seit selbst manche Smartphone-Kameras mit ihren Mini-Sensoren Auflösungen von mehr als 40 Megapixeln liefern, war der Startschuss für die Wiederaufnahme des Pixelrennens in der Digitalfotografie gefallen. Bei Vollformatkameras hält Canon mit seiner EOS 5DS den momentanen Pixelrekord, dicht gefolgt von Nikon mit seinen 800er Modellen mit 36-Megapixel-Sensoren, der Sigma Merrill mit 29- und der Samsung NX1 mit 28-Megapixel-Sensoren. Dabei werden selbst in der professionellen Actionfotografie von 4K Stills mit „nur“ 12 Megapixel, wie sie beispielsweise eine Panasonic Lumix G70 liefert, längst sogar Titelbilder für Hochglanzmagazine produziert. Sind viele Pixel wirklich die Basis für gute Bilder? Wie viele Pixel benötigt ein technisch perfektes Bild, wie viele ein Werk der Fotokunst und welche Auswirkungen haben viele Pixel für die, der Aufnahme nachgeschalteten Prozesse, wie Bearbeitung, Speicher und Versand der Fotos oder Videos? Welche Rolle spielen die Objektive im Zusammenhang mit der Größe der Sensoren? Ja, und ist Pixel gleich Pixel oder gibt es gute Pixel und schlechte Pixel? Um ein weitverbreitetes Vorurteil gleich zu Anfang auszuräumen: Viele Pixel sind kein hinreichendes Kriterium für Bildqualität. Das gleiche gilt für die Sensorgröße, von der generell behauptet wird, sie sei das ausschlaggebende Kriterium.

Sensorgröße und Pixelzahl

Es ist landläufige Meinung, dass größere Bildsensoren mit größeren Pixeln grundsätzlich technisch bessere Bilder liefern als kleinere, die mit gleicher Pixelanzahl bestückt sind. Das ist falsch, auch wenn es für jedermann logisch erscheint, dass auf größeren Sensoren auch mehr Pixel Platz finden. Richtig ist, dass es schwieriger war, kleinere Pixel mit gleicher Qualität zu fertigen, wie sie für die höheren Auflösungen kleinerer Bildsensoren benötigt werden. Aber die Vorbehalte gegenüber kleineren Sensoren haben einen anderen Hintergrund: Um diese hohe Auflösung auf einer so kleinen Bildfläche auch darstellen zu können, braucht es entsprechend hoch auflösende Objektive. Je kleiner die Sensoren und je größer die Auflösung, umso höher werden die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des verwendeten Objektivs. Nicht alle Anbieter von Kameras mit Wechselobjektiven können in allen Brennweitenbereichen Objektive vorweisen, die den Höchstleistungen dieser Bildsensoren gerecht werden. Mit zunehmender Sensorgröße werden die Anforderungen an das Auflösungsvermögen des verwendeten Objektivs im Vergleich zu denen bei kleineren Sensoren benötigten geringer. Schließlich muss das kleinere Bildfeld stärker vergrößert werden, um die gleiche Bildgröße zu erreichen als das des größeren Sensors. Für gleiche Qualität muss also die kleinere Vorlage als Ausgangsbasis deutlich besser sein.

Was bringen hohe Auflösungen?

Hohe Auflösungen ermöglichen engere Bildausschnitte für Vergrößerungen und Abzüge der Bilder. Dabei müssen die Bildausschnitte von Aufnahmen mit größeren Sensoren nicht so stark vergrößert werden wie die von kleineren Sensoren. So werden Artefakte oder Bildrauschen weniger schnell sichtbar als bei den Ausschnitten von Fotografien, die mit kleineren Bildsensoren aufgenommen wurden. Großformatige Drucke und die Möglichkeiten von Ausschnittvergrößerungen ohne sichtbaren Qualitätsverlust sind die wesentlichen Vorzüge von hohen und höchsten Auflösungen. Ein Objektiv mit hohem Auflösungsvermögen, wie sie die Premium-Modelle bieten, garantiert beste Ergebnisse auch mit kleineren Sensoren, wozu ja das Kleinbild- oder Vollformat im Vergleich zu den Mittelformat-Kameramodellen zählt. Die Sensorgröße ist also weniger relevant als die Qualität und Anzahl seiner Pixel und das Auflösungsvermögen des eingesetzten Objektivs.

Nachteile hoher Auflösungen

Je kleiner die Pixel werden, umso größer wird nach Meinung vieler die Gefahr von Bildrauschen und umso geringer würde ihre Lichtempfindlichkeit. Diese Ansicht ist nur bedingt richtig. Das richtige Objektiv und ein hochwertiger Bildsensor vorausgesetzt, sind auch mit kleinen Sensorgrößen durchaus Aufnahmen möglich, deren Qualität keinen Vergleich mit Fotos scheuen muss, die von Kameras mit größeren Bildsensoren stammen. Dr. Hubert Nasse, Staff Scientist bei Zeiss Camera Lenses, ist überzeugt davon, dass hochwertige Objektive schon bald Mittelformatsysteme überflüssig machen werden. Er ist auch der Ansicht, dass sich der spezielle Look von gezielt verwendeter Unschärfe ebenso mit den für kleinere Bildfelder gerechneten Objektiven erreichen lässt. „Die Tiefenabbildungseigenschaften sind keine absolute Eigenschaft des Sensor-Formats. Entscheidend ist die Blendenzahl des Objektivs im Vergleich zur Bilddiagonalen“, erläutert Dr. Hubert Nasse. „Um die gleichen Tiefenabbildungseigenschaften auch mit einem kleineren Format zu realisieren, braucht man Objektive, die bei größeren Öffnungen gleich gute Eigenschaften besitzen wie die Mittelformatoptik.“ Diese Leistung würde inzwischen von den Topmodellen für kleinere Formate durchaus erreicht, so die Überzeugung des Optikspezialisten.

Doch auch, wenn Sensoren und Objektive der Spitzenklasse inzwischen trotz kleinerer Maße eine Qualität erreichen, die bisher nur von größeren Sensorformaten erwartet wurde, bleiben einige Kriterien, die für alle Nutzer hoher Auflösungen bestehen. Gemeint sind die hohen Datenmengen, die jongliert werden müssen und die höheren Rechenkapazitäten, Speicherlösungen und Speicherkarten mit höheren Kapazitäten, die schnellere Transferraten erfordern, um einen zügigen Workflow zu erreichen. Wer also in ein Kamerasystem mit hohem Auflösungsvermögen investiert, der sollte nicht vergessen, dass er auch Speicherkarten benötigt, die entsprechende Kapazitäten sowie hohe Schreib- und Leseraten bieten, mit denen sich ruckelfreie 4K Aufnahmen realisieren lassen und bei denen der Anwender nicht endlose Wartezeiten für den Datentransfer in Kauf nehmen muss. Gleiches gilt für die Rechenleistung des Computers und die Geschwindigkeit der verwendeten Laufwerke für das Einlesen der Bilddaten. Ebenso sollten Grafikkarte und Monitor in der Lage sein, die Qualität der Aufnahmen ahnen zu lassen. Es muss ja nicht immer gleich 4K sein, auch wenn man diese Qualität schon nutzen sollte, um wirklich zu erkennen, welche Leistung höchstauflösende Kameras heute mit kleinen und großen Bildsensoren zu liefern in der Lage sind.

Digitalfotografie 07 / 2015

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1 Kommentare

Die Tiefenabbildungseigenschaften sind vom Sensorformat über die Diagonale und Blende abhängig.Die Auflösung hängt maßgeblich von der Objektiv/Pixelgrösse ab.Ändern kann man beides nur durch eine Architekturänderung des Sensors.

von Nick
03. August 2015, 15:20:42 Uhr

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