Praxistest: WLAN-SD-Karten - Fotos funken

Toshiba FlashAir
Die Übertragung von Fotos per WLAN auf Rechner oder Mobilgerät kann eine verlockend bequeme Variante ganz ohne Kabelsalat und Kartenleser sein. Wir haben getestet, wie gut das Funken der Bilder mit speziellen SD-Karten mit integriertem WLAN-Modul funktioniert und verraten Praxistipps zur Einrichtung. Das ist besonders für alle interessant, deren Kameras noch nicht über eine eingebaute WLAN-Funktion verfügen. Ihnen versprechen die SD-Karten das bequeme Nachrüsten. Wir haben die Kartenmodelle Eyefi mobi und Toshiba FlashAir zum Test ausgewählt, da sie gut zeigen, wie unterschiedlich die Möglichkeiten sind. (Wer sich für eine Kaufberatung und Hintergründe über das verfügbare Produktspektrum interessiert, liest „Digitalfotografie – Fotos funken per Speicherkarte“).

Am Start: Karten richtig einrichten

Auf den ersten Blick sehen die beiden WLAN-SD-Karten wie konventionelle aus. Ein erster deutlicher Unterschied der beiden Hersteller zeigt sich aber beim Auspacken und Einrichten der Karten: Bei der Eyefi mobi liegt eine „Membership Card“ dabei, die einen Aktivierungscode enthält. Die hätten wir fast übersehen und mit der typischen überdimensionierten Diebstahlschutz-Papierverpackung weggeworfen. Der Code wird allerdings zwingend benötigt, wenn man die zugehörige App oder Software starten möchte. Das ist vor allem dann unpraktisch, wenn man die Eye Fi-Karte zum ersten Mal auf einem neuen Gerät nutzen möchte und man den Code gerade nicht dabei hat. Dann kann man den Einsatz nämlich vergessen. In der Vergangenheit war es sogar so, dass die Karte personalisiert einem Eye-Fi-Account zugeordnet werden musste, was eine Weitergabe oder ein Ausleihen deutlich erschwerte. Mittlerweile ist ein Account erfreulicherweise optional. Er hat den Vorteil, dass man seine Aufnahmen automatisch auch in die Eye-Fi-Cloud hochladen kann (vorausgesetzt das Zielgerät verfügt über eine Internet-Verbindung). Nach einer Testphase kommen dafür allerdings Kosten von 44,99 Euro pro Jahr auf einen zu.

Toshiba geht mit seiner „FlashAir“ einen flexibleren Weg. Man kann die Karte wie gewohnt direkt in die Kamera einlegen. Wer Einstellungen individualisieren möchte, kann sich eine entsprechende Software oder App kostenlos von Toshiba auf den Rechner bzw. ein Mobilgerät laden. Das muss zum Start aber nicht sein. Man kann auch einfach so loslegen mit dem Fotografieren.

Auch bei der Eyefi ist das Aufnehmen der nächste Schritt. Es erfolgt wie gewohnt – man muss an der Kamera selbst nichts Spezielles für die WLAN-Karte einstellen oder aktivieren. Einige Kameramodelle verfügen allerdings über Eyefi-Funktionen, etwa zur Aktivierung oder Deaktivierung der Übertragung. Die Toshiba-Karte dagegen ist standardmäßig aktiviert. Ein Geheimtipp ist, dass man sie auch per Schreibschutz-Aktivierung des mitgelieferten ersten Toshiba-Bildes ein- und ausschalten kann. Allerdings sind uns im Praxistest keine deutlich kürzeren Laufzeiten der Kamera aufgefallen, wenn die Karte dauernd aktiviert ist, da sie automatisch in den Standby geht, wenn sie nicht benutzt wird.

Datenübertragung bei der Eyefi mobi

Mobile EyeFi
Nach der Aufnahme kommt der eigentlich spannende Teil: Die Datenübertragung. Dazu muss man zunächst entscheiden, auf welches Gerät die Fotos gefunkt werden sollen. Wir starten als Beispiel für ein Mobilgerät mit einem iPad. Es ist ein typischer Helfer für ambitionierte Fotografen, da man auf dem großen Display sehr gut erkennen kann, ob die Aufnahmen an der gewünschten Stelle scharf sind.

Damit die Bilder darauf landen können, ist als vorbereitender Schritt der Download der zugehörigen App sinnvoll (bei Toshiba geht es aber übrigens auch ohne – siehe dazu weiter unten). Sowohl Eyefi als auch Toshiba bieten entsprechende Anwendungen für ihre Karten an. Sie sind in beiden Fällen schnell im AppStore gefunden und installiert. Alternativ kann man übrigens auch einige Kamera-Apps wie etwa „Olympus Image Share“ oder unabhängige wie das beliebte Shuttersnitch (iOS) verwenden.

Bei Eyefi wird – wie schon erwähnt – auch in der App zunächst der Aktivierungscode abgefragt. Ohne geht gar nichts. Dann wird beim allerersten Einsatz ein Verbindungsprofil für die Karte angelegt, so dass man sich nicht mit der manuellen Konfiguration herumschlagen muss. Sobald die Verbindung hergestellt ist, werden die Fotos innerhalb weniger Sekunden automatisch übertragen – allerdings bei der einfachen mobi-Karte nur die JPEGs. Wir fotografieren im Kombi-Modus RAW- und JPEG, so dass das kein Problem ist. Es hat ganz im Gegenteil einen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber der RAW-Übertragung, denn mehr Daten benötigen natürlich auch mehr Zeit. Wer RAWs übertragen und auch wer selektiv auswählen möchte, der muss bei Eyefi das Profi-Kartenmodell „mobi pro“ erwerben, das diese Zusatzfunktionen bietet. Klappt es selbst damit nicht auf Anhieb, liegt es wahrscheinlich daran, dass die RAW-Übertragung nicht aktiviert ist. Dazu muss man in den Einstellungen (kleines Zahnrad-Symbol oben links) der App im Menüpunkt „Importe“ die Option „RAW“ erhalten auf „ein“ setzen. Dann funktioniert es auch mit der RAW-Übertragung. Entsprechend der größeren Datenmengen dauert das Funken der RAWs jedoch etwas länger. Insgesamt war der Download aber recht flott und nahm fürs Einzelbild nur wenige Sekunden in Anspruch. Einzig wenn man per Serienbildfunktion sehr viele Bilder aufnimmt, kann es schon mal zu deutlichen Wartezeiten kommen.

Im Anschluss an den Download kann man die Bilder in der Eyefi-App auch noch leicht bearbeiten. Eine „Zuschneiden“-Funktion ist ebenso enthalten wie eine zum Rotieren.

Datenübertragung bei der Toshiba FlashAir

Bei der Toshiba FlashAir funktioniert die Verbindung und das Herunterladen der Bilder ganz ähnlich wie bei der Eyefi, nur noch etwas unkomplizierter: Ist die App installiert, können Bilder dorthin übertragen werden. Wie bei Eyefi müssen Kamera und Mobilgerät zunächst in das Karten-WLAN eingebucht werden. Das erfolgt genauso einfach wie die Einrichtung eines sonstigen Internet-Zuganges – etwa in einem Hotel. Das ist so lange unproblematisch wie kein Internet genutzt werden soll, etwa zum direkten Hochladen der Bilder in soziale Netze. Wer WLAN auch für den Internet-Zugang nutzt, der muss bei Toshiba und Eyefi unterschiedliche Wege gehen: Bei Toshiba ermöglicht die neueste Generation 3.0 der FlashAir einem „Internet Pass Through“-Modus, der erlaubt, über die Karte auf einen Router zuzugreifen. Der Setup erfolgt sehr einfach über das Karten-Konfigurationsprogramm, das Toshiba kostenlos zum Download anbietet. Eyefi bietet eine ähnliche Funktion nur bei der pro-Modellreihe seiner Karten. Hier muss man also schon bei der Wahl der Karte aufpassen. Die Aktivierung erfolgt ähnlich wie bei Toshiba am bequemsten über den Rechner.

Möchte man die Aufnahmen nicht auf ein Mobilgerät, sondern auf einen Rechner übertragen, verfolgen die Hersteller unterschiedliche Konzepte: Die Eyefi-Karten aller Produktlinien zeichnet aus, dass es für den Computer (Windows und Mac) eine Software gibt. Sie wird, ähnlich wie die App, installiert und aktiviert. Anschließend empfängt sie alle Fotos. Es kann individuell eingestellt werden, in welchem Ordner sie landen. Das ist für all diejenigen praktisch, die ihre Bilder automatisch in anderen Anwendungen, wie etwa Lightroom, weiter verarbeiten wollen und grundsätzlich alle Fotos herunterladen möchten.

Toshiba dagegen hat eher den Nutzer im Blick, der auch selektiv Bilder funken möchten. Auch setzen die Japaner auf Flexibilität, denn hier wird keine herstellereigene Software benötigt, sondern die Karte kann einfach über einen konventionellen Browser angesprochen werden. Das geht übrigens auch bei Mobilgeräten. Man gibt einfach „flashair“ ins Adressfeld ein.

FlashAir Browser
FlashAir Konfig
Dann erscheinen die JPEG-Fotos in kleinen Vorschauen („Thumbnails“) im Browserfenster, RAW-Dateien – und auch alle weiteren – werden ohne Vorschau angezeigt. Um sie herunterzuladen, muss man sie anklicken. Das ist mühsam, wenn man viele Fotos auf den Rechner übertragen möchte. Schade, dass Toshiba keine Funktion „Alle herunterladen“ anbietet. Immerhin bringt die neue Generation nun die Möglichkeit mit, die Karte wie ein externes Laufwerk einzubinden. Dazu wird ein kleines Zusatzprogramm namens „FlashAirDrive“ bereitgestellt, so dass man die Verbindung auch ohne besondere technische Kenntnisse leicht einrichten kann.

Fazit – Leichter Einstieg, für Fortgeschrittene unterschiedliche Konzepte

Alles in allem funktioniert die Datenübertragung gut, wenn man die Einrichtungshürden gewältigt hat. Beim Dauertest zeigte sich allerdings ein Problem: Wer beim Fotografieren längere Pausen macht, kann sowohl bei der Toshiba- als auch bei der Eyefi-Karte die WLAN-Verbindung verlieren, wenn die Kamera in den Ruhemodus geht. Es empfiehlt sich deshalb, den automatischen Ruhemodus der Kamera bei solchen Aufnahmesessions zu deaktivieren. Die Karten selbst haben übrigens ein eigenes Energiemanagement, das bei Bedarf in den Konfigurationsprogrammen angepasst werden kann. In unseren Tests war das aber gar nicht nötig, weil sie auch in den Standardeinstellungen den Akku der Kamera nicht übermäßig belasteten.

Alles in allem waren wir positiv überrascht, wie leicht die drahtlose Übertragung mit den WLAN-Speicherkarten mittlerweile ist. Das war in den letzten Jahren noch deutlich schwieriger. Um Frustration zu vermeiden, sollte man sich jedoch schon beim Kauf Gedanken über die eigene Wünsche und Bedürfnisse machen, da der Funktionsumfang der Karten sehr unterschiedlich ist und für bestimmte Nutzungsarten entweder optimal oder umständlich ist.

Digitalfotografie 09 / 2015

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1 Kommentare

Wusste nicht das es das gibt Super

von Gralak
16. September 2015, 22:42:07 Uhr

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