Qualitätsstufen von JPEG - Lassen Sie die Luft aus dem Bild

Die vier Buchstaben JPEG sind uns Fotografen so vertraut wie der eigene Vorname, bezeichnen sie doch das meist verwendete Datenformat für unsere Aufnahmen. Rätselhaft ist aber für viele, was die verschiedenen Qualitätsstufen eigentlich bedeuten und was es mit der Kompression überhaupt auf sich hat. Wir verraten, wie Sie damit Speicherplatz sparen können und wo Sie aufpassen müssen, um keine Bildqualität einzubüßen.

Basiswissen: Volle Qualität oder kleine Datei

Zunächst ein bisschen Basiswissen: Ein digitales Foto ist eigentlich nichts mehr als eine Ansammlung von Farb- und Helligkeitsinfomationen. Um die Angaben platzsparend abzulegen, wendet das JPEG-Format eine Reihe von mathematischen Tricks an. Dabei kommt es durch Rundungsprobleme zu minimalen Abweichungen vom Original. Diese sind jedoch so gering, dass beim ersten Speichern des JPEGs in voller Qualität kein sichtbarer Unterschied auftritt. Wenn man jedoch sehr häufig die gleiche Bilddatei speichert, kommt es mit der Zeit zu deutlicheren Einbußen in der Bildqualität, und zwar selbst dann, wenn man immer in 100-prozentiger Qualität sichert. Allerdings muss man schon sehr häufig immer wieder neu sichern, bis die Qualitätseinbußen sichtbar sind. Wir haben es ausprobiert und nach knapp 100-maligem Speichern sah man dies in der 1:1-Ansicht:

Speicherung - Bildvergleich
Ganz anders sieht es aber aus, wenn man noch mehr Platz sparen möchte als ihn das normale JPEG-Format in voller Qualität schon ermöglicht. Dazu haben sich die JPEG-Entwickler ausgedacht, dass ein kleiner Qualitätsverlust manchmal geringer wiegt als eine hohe Dateigröße. Dies gilt vor allem im Internet, wo der Datentransfer Zeit und Geld kostet. Sie haben daher bei der Umwandlung ins Format die Möglichkeit vorgesehen, die gewünschte Qualitätsstufe anzugeben. Allerdings geht das nicht ohne eine Verschlechterung der Aufnahmequalität – vor allem in den Bilddetails – ab. Hier ein Beispiel, das den Verlust von Details an einem Auge zeigt:

Detailvergleich - Stufen
(Ansicht in Ausschnittvergrößerung von 800%)
Vor allem die feinen Linien, wie etwa die Wimpern, im obigen Beispiel gehen verloren. Bei extremer Kompression zeigen sich gar Kästchen, die vor allem deshalb so störend sind, weil sie die Konturen des Motivs nicht mehr nachzeichnen. Was der beste Kompromiss aus Qualität und Dateigröße ist, kann nur jeweils beim einzelnen Motiv und für einen bestimmten Verwendungszweck beurteilt werden.

Speichertipps für die Praxis

Beim Fotografieren selbst sollten Sie generell immer auf höchstmögliche Qualität achten, denn alle Informationen, die man nicht aufnimmt, kann man auch nachher nicht mehr dazurechnen. Die Kamera sollte daher auf höchstmögliche Bildqualitätsstufe eingestellt werden. Je nach Modell heißt die z.B. EF (für extra fine). Das kostet zwar mehr Speicherplatz, aber bei den heutzutage vergleichsweise günstigen Karten ist das ein absolut zu vernachlässigender Faktor – zumal die Karten ja wiederbeschreibbar sind.

Speicherdialog
Erst, wenn die Bilder von der Kamera heruntergeladen sind und sie für eine Bildausgabe – etwa als Druck, zum E-Mailen oder auf der eigenen Homepage – benötigt werden, sollte man bei Bedarf komprimieren. Zu beachten ist, dass dies immer an der Bilddatenkopie und nie an der Originalbilddatei erfolgen sollte. Ein wichtiger Tipp jedoch: Verkleinern Sie vor der Kompression zunächst einmal auf die benötigten Bilddimensionen. Nötig ist eine Verkleinerung der Daten vor allem bei einer Übertragung der Bilder über das Internet, denn dort sind große Datenmengen noch immer ein Verlangsamungs- und teilweise auch Kostenfaktor. Zum Komprimieren bieten die gängigen Bildbearbeitungsprogramme in der Regel Schieberegler, mit denen Sie die gewünschte Qualitätsstufe flexibel einstellen können. Manche, wie Photoshop, verwenden Stufen von 0 bis 12, andere, wie XNView, zeigen eine Prozentskala von 0 bis 100%.

Wer kein Bildbearbeitungsprogramm installiert hat, kann auch spezielle Programme, wie etwa das kostenlose TinyPic, oder Websites, wie etwa compressjpeg.com/de/, nutzen. Gute Services bieten eine visuelle Kontrolle über die Kompression, indem sie die Ausgangsdatei neben der komprimierten anzeigen.

Website - CompressJPEG
Manche Foto-Veröffentlichungsplattformen, wie etwa Facebook, Instagram und sogar das für die eigene Website häufig eingesetzte Wordpress, komprimieren übrigens selbst automatisch beim Hochladen. Wer keinen Qualitätsverlust an seinen Bildern riskieren möchte, der sollte sich beim jeweiligen Dienst schlau machen, unter welchen Umständen komprimiert wird. Bei Facebook werden etwa alle Bilddateien mit mehr als 100 KB Größe automatisch verkleinert.

Auch hier ist also immer der beste Kompromiss zwischen Qualität und Dateigröße abzuwägen. Das Schöne am JPEG-Format ist, dass es dies ganz flexibel ermöglicht.

Digitalfotografie 09 / 2015

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1 Kommentare

endlich mal verständlich erklärt. danke

von Thomas
30. September 2015, 17:44:09 Uhr

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